Zu Besuch bei: Bestseller Autor Karl Olsberg

Unsere Redakteurin Lisa war für uns zu Besuch bei Karl Olsberg, der vor allem durch seine Thriller „Mirror“ und „Das System“ bekannt wurde und gleich mehrfach die Bestsellerlisten stürmte. Der Autor hat sich aus seinem bekannten Terrain herausgewagt und die Fühler in den Fantasy Bereich ausgestreckt. Herausgekommen ist dabei „Die Fährtenleserin“, die wir Euch gestern schon kurz vorgestellt haben. Wer es verpasst hat, kann es nun nochmal schnell nachlesen. Natürlich sind wir da neugierig geworden und wollten gerne noch mehr über Karl Olsberg erfahren.

Und das ist dabei rausgekommen:

 

Zu Besuch bei Karl Olsberg, dem vielseitigen Literat

 

© Karl Olsberg

Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Schreiben ist für mich wie Lesen, nur zehnmal so intensiv: Beim Schreiben tauche ich sehr tief in die Welt ab, die in meinem Kopf entsteht, und vergesse alles um mich herum. Ich beobachte, was meine Figuren tun, und bin oft überrascht davon. Ich muss dann bloß noch hinschreiben, was ich „sehe“. Das macht richtig süchtig. Dafür brauche ich eigentlich nichts außer etwas, auf dem man schreiben kann (normalerweise Computer/Laptop, notfalls auch Stift und Papier). Wo ich bin, ist völlig egal – ich kann in der Bahn genauso gut schreiben wie im Café oder zuhause am Schreibtisch.

Das klingt nach einer sehr schönen und intensiven Erfahrung, kann aber je nach Genre auch beängstigend sein 😉

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Ich hoffe, dass das nie passieren wird. Wenn ich keine Arme mehr hätte, würde ich diktieren. Wenn ich auch nicht mehr sprechen könnte, würde ich so eine Maschine verwenden, wie Stephen Hawking sie hat. Notfalls würde ich Worte mit einem Augenzwinkern „morsen“ oder mich an einen Apparat anschließen, der Worte aus Gedanken ablesen kann (sowas gibt`s schon). Und wenn das auch nicht mehr geht, würde ich meine Geschichten nur noch in meinem eigenen Kopf erleben.

Deine Fans werden glücklich darüber sein, dass Du offenbar keine Mühen scheuen und immer schreiben wirst!

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Noch nie.

Nach der vorherigen Antwort hat sich diese Frage wohl erübrigt. Wir sind sehr froh darüber!

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Ich habe ein Buch über eine Atomexplosion in Deutschland geschrieben („Schwarzer Regen“). Ursprünglich sollte das eher ein actiongeladener Thriller werden und die Atombombe quasi wie ein „Special Effect“ in einem Hollywood-Film eingesetzt werden – spektakulär, aber unemotional. Doch dann habe ich bei der Recherche das Originalbuch mit demselben Titel von Masuji Ibuse über den Horror in Hiroshima gelesen, und das hat mich tief bewegt und meine Einstellung verändert. Der Roman wurde dann völlig anders als geplant und die Szenen der Zerstörung sind wohl die intensivsten und grauenhaftesten, die ich bis jetzt geschrieben habe. Dabei habe ich das Schlimmste noch weggelassen. Das Buch zu schreiben war in gewisser Hinsicht für mich ein Trip durch die Hölle von Hiroshima.

Das klingt nach einer sehr außergewöhnlichen und prägenden Erfahrung! Zu „Schwarzer Regen“ geht es übrigens hier lang.

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Ich versuche, eine gewisse Distanz zwischen den Figuren in meinen Büchern und mir bzw. Menschen, die ich kenne, zu wahren. Sonst behindert das einen beim Schreiben, weil man ständig die Figur mit der realen Person vergleicht. Aber trotzdem verarbeite ich auch Szenen, die ich wirklich erlebt habe. In meinem ersten Roman „Das System“ zum Beispiel ist der Protagonist ein junger Start-up-Gründer, und vieles, was er erlebt, habe ich als Gründer ebenfalls erlebt. In meinem neusten Fantasy-Roman „Die Fährtenleserin“ geht es um Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung. Das ist auch ein Stück Aufarbeitung meiner eigenen dummen Fehler, deshalb habe ich das Buch einer (nicht genannten) Person gewidmet, die mir verziehen hat, obwohl ich ihr Leid zugefügt habe.

Das lässt einen die Geschichte, aber auch den Schreibprozess sicherlich noch intensiver wahrnehmen.

 

Was macht für Dich ein gutes Buch aus?

Ein gutes Buch ist für mich eins, bei dem man vergisst, dass man es liest (und auch alles andere um einen herum). Als Autor liest man viele Bücher mit dem inneren Lektor, der einem ständig dazwischen quatscht und einem die Lesefreude vermiest („Guck mal, das hat er geschickt gemacht, solltest du dir merken …“). Ein richtig gutes Buch führt dazu, dass er mal die Klappe hält.

Thriller kann er, Fantasy kann er und Humor hat er auch! Richte dem Lektor bitte von uns aus, dass er seine Arbeit sehr gut macht und wir seine Bemühungen zu schätzen wissen.

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Mein großes Vorbild Andreas Eschbach hat über meinen Roman „Boy in a White Room“, der im Oktober bei Loewe erscheint, geschrieben: „Eins von den Büchern, an die man sich ein Leben lang erinnern wird“. Das kam so von ihm selbst, das hat ihm niemand in den Mund gelegt. Mehr geht wirklich nicht. Trotzdem wird das noch getoppt von dem Brief einer Mutter aus den USA, die mir geschrieben hat, dass ihr schwer lernbehinderter Adoptivsohn durch einen meiner Minecraft-Romane die Freude am Lesen für sich entdeckt hat. Wenn ich Kinder, die eigentlich nicht gern lesen, dazu verführen kann, es doch zu tun, und sie dann begeistert auch das nächste Buch lesen, habe ich alles erreicht, was man als Autor erreichen kann.

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Jeder, der Spaß am Lesen hat. Ich bin nicht auf bestimmte Genres oder Themen festgelegt und schreibe sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. Meistens passt es dann, wenn die Leser nicht zu konkrete Erwartungen an ein Buch haben, sondern offen sind, sich darauf einlassen, und dann auch nicht enttäuscht sind, wenn es eben kein reinrassiger „Thriller“ ist, obwohl Thriller auf dem Cover steht. In der Buchbranche herrscht viel zu viel Schubladendenken, und das Verlagsmarketing trägt dazu bei, dass viele Leser falsche Erwartungen haben und ihre Freude daran, Neues zu entdecken, verloren geht. Ich versuche immer wieder, Bücher zu lesen, die eigentlich überhaupt nicht meinen Lesegewohnheiten entsprechen, um mir diese Entdeckerfreude zu bewahren.

Also unsere Redakteurin Lisa hast du auf jeden Fall auf ganzer Linie überzeugt und deine Fans sind auch begeistert!

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Ich mag eigentlich alle Figuren in meinen Büchern, sogar (und manchmal besonders) die Bösewichte. Das Verhältnis zu einem Protagonisten oder Antagonisten kann eigentlich nur dadurch leiden, dass ich ihm nicht nah genug gekommen bin und ihn nicht genau genug verstanden habe.

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Macht Schreiben Spaß? Im Ernst: Vor ein paar Monaten habe ich auf einer Preisverleihung gehört, wie der Preisträger, ein bekannter Autor, gesagt hat, man dürfe keinem Schriftsteller glauben, der behaupte, Schreiben mache Spaß. In Wahrheit sei Schreiben ein mühseliger und qualvoller Prozess. Ich hätte ihn am liebsten vom Podium gezerrt und laut gebrüllt: „Der lügt!“ Mag sein, dass dieser Autor tatsächlich die Wahrheit gesagt hat und Schreiben für ihn qualvoll ist, dann tut er mir leid. Ich jedenfalls schreibe, weil es mir Spaß macht und aus keinem anderen Grund (selbst, wenn man relativ erfolgreich ist, lohnt sich das Schreiben aus finanziellen Gründen ohnehin nicht, bzw. man kann mit anderen Tätigkeiten in derselben Zeit wesentlich mehr verdienen).

Vielleicht stand besagter Autor auf Kriegsfuß mit seinem inneren Lektor? Wir wissen es nicht!

Lieber Karl, wir danken Dir sehr für das tolle und informative Interview. Es hat viel Spaß gemacht einen kleinen Einblick in deine Arbeit zu bekommen und wir freuen uns sehr darauf, bald wieder neues von dir zu lesen.

Mehr über Karl Olsberg findet ihr hier:

Autorenseite von Karl Olsberg

Facebookprofil von Karl Olsberg

Twitter von Karl Olsberg

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