Rumänien-Special Buchregal #110

Skoutz-Buchregal #110: Rumänien-Special

Lang ist es her, dass wir euch das letzte Mal einen Bericht aus unserem Buchregal vorgestellt haben. Aber mit dem Skoutz-Buchregal #110 geht es ab sofort wieder weiter und passend zum rumänischen Nationalfeiertag beginnen wir gleich mit unserem Rumänien-Special.

Rumänien ist ein Land, das als Handlungsort für Geschichten wie als Herkunftsort der Menschen hinter den Geschichten enorm viel zu bieten hat. Dazu haben wir uns in einem besonderen Artikel mit der rumänisch-stämmigen Autorin Silvia Hildebrandt unterhalten, der wir auch diese fachkundige Auswahl quer durch die Genres verdanken:

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Skoutz-Buchregal #110 – Rumänien-Special

Herta Müller: Atemschaukel

Atemschaukel - Hertha MüllerRumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. „Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C.“ So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.

Beginnen wir mit der Nobelpreisträgerin 2009. Atemschaukel ist insofern toll, weil Herta Müller Themen wie Homosexualität und Trigger-Worte ganz selbstverständlich in ihr Werk aufnimmt und damit sogar den größten Literaturpreis gewinnt, den es gibt. Das Buch handelt von der zwangsweisen Verschleppung Rumäniendeutscher nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und ist auf jeden Fall ein sehr bewegendes Buch. Ich blättere es mindestens einmal die Woche durch.

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Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt

Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte?
In »Die Unschärfe der Welt« verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen.

So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben. Kunstvoll und höchst präzise lotet Iris Wolff die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und Erinnerung aus – und von jenen Bildern, die sich andere von uns machen.

Zeitgleich mit meinem zweiten Buch kam dieses hier heraus. Wolffs Buch ist eine Familiensaga, sehr poetisch, zart und feinfühlend beschrieben und dennoch kraftvoll. Sie schafft es, auf nur etwas über 200 Seiten ein reiches Panorama zu entfalten. Spielt übrigens auch im Banat, meiner Heimatregion. 🙂

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Eginald Schlattner: „Der geköpfte Hahn“

Ein Fest wird gefeiert in Fogarasch, einer kleinen Stadt im Herzen von Siebenbürgen. Die Freunde des 16jährigen Ich-Erzählers treffen sich im Haus seiner Eltern zum Tanztee. Es soll ein Fest werden zum Schulschluß, es wird ein Abschied für immer.

Denn an jenem 23. August 1944 wechselt das mit Hitler verbündete Rumänien die Fronten und schließt sich den Alliierten an. Das jahrhundertelange kultivierte Zusammenleben von Rumänen, Ungarn und Deutschen findet ein Ende. Eginald Schlattners wunderbarer Roman läßt eine den Gefahren trotzende Welt auferstehen – heiter und melancholisch, reich an Details und feiner Ironie, changierend zwischen Realem und Irrealem, aufgezeichnet im Ton zauberhafter Sinnlichkeit.

und die Fortsetzung „Rote Handschuhe“

Verhaftet, verhört, verurteilt.

»Ein ganz und gar ungewöhnliches Buch … Kein in diesem Teil Rumäniens geschriebenes Buch hat bisher so offen und frei von Ressentiments die dortige Nachkriegsgeschichte dargestellt wie die beiden Romane Eginald Schlattners.« Nicole Henneberg in der ›Frankfurter Rundschau‹

Der Ich-Erzähler, Mitte Zwanzig, Student der Hydrologie an der Universität Klausenburg, gerät in die Fänge der rumänischen Staatsmacht. Er wird der Konspiration gegen das kommunistische Regime verdächtigt, Ende Dezember 1957 von der Securitate verhaftet, ins Gefängnis nach Kronstadt gebracht, monatelang verhört, unter Druck gesetzt, seelisch und körperlich mißhandelt und gefoltert. Ein verzweifelter Kampf um Integrität beginnt.

Nach dem Debüt-Roman ›Der geköpfte Hahn‹ über seine Kindheit in Siebenbürgen zeichnet Eginald Schlattner im vorliegenden Roman die Tragödie eines jungen Menschen nach, der sich auf der falschen Seite wiederfindet.

Beide Romane sind in Siebenbürgen, der Heimat meines Mannes, angesiedelt und autobiographisch angehaucht. 1944, als Rumänien die Seiten wechselte, und die Securitate in den 1950ern sind Themen dieser beiden Wälzer, die einen anschaulichen und sehr spannenden Einblick in die neuere rumänische Geschichte gestatten.

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Sigrid Katharina Eismann: Das Paprika-Raumschiff

Rumänien in den 1970er Jahren. Ein Mädchen wächst in einer Welt der Widersprüche auf: zwischen dem archaischen ländlichen Banat und dem quirligen Temeswar, zwischen multi-ethnischer Vielfalt und den erstarrten Strukturen des Ceauşescu-Regimes, zwischen Vorstadtgeschichten aus dem Klein-Wien des Ostens und Überlebensstrategien. Mit sechzehn emigriert das Mädchen in den Westen, im Zeitsprung kehrt die Erwachsene zurück, begegnet veränderten Stadtgesichtern. Feste zwischen Archaik, Melancholie und Ausgelassenheit glätten ihre Zerrissenheit, Gastfreundschaft wird eine Art Heimatersatz auf der Reise nach Temeswar. Sie war schon immer hier und dort.

Ein Migrantenschicksal zum Mitfühlen: Die Flucht aus Temeswar, das stetige Ankommen in Deutschland, das vielleicht nie vollzogen werden kann, in lyrischen Bildern eingefangen und wie in einem Traum erzählt.

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Liviu Rebreanu: Der Wald der Gehenkten

Erster Weltkrieg: An der russischen Front wird ein Soldat hingerichtet. Man hatte ihn überführt, als er zum Feind überlaufen wollte. Leutnant Apostol Bologa aus Siebenbürgen ist unter den Mitgliedern des Kriegsgerichts, das für das Urteil verantwortlich ist. Ein Jahr später wird Bologa selbst unter dem Galgen stehen, angeklagt der Desertion, weil er sich weigerte, auf seine eigenen Landsleute schießen zu lassen. Er opfert sich und verliert alles – seine Familie, seine Karriere, seine Liebe zu Ilona. Mit epischer Wucht und suggestiver Kraft zeichnet Liviu Rebreanu das Schicksal seines eigenen Bruders nach – ein Klassiker der Weltliteratur aus Rumänien und eine große Wiederentdeckung.

Ein rumänischer Soldat findet sich im Ersten Weltkrieg in einem moralischen Zwiespalt und kommt nicht mehr heraus. Er weigert sich, seine Landsleute, die Rumänen, in der österreichisch-ungarischen Armee anzugreifen. Ein unverzeihlicher Fehler.

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Elisabeth Kostova: Der Historiker

Ein junges Mädchen findet in der Bibliothek ihres Vaters ein Konvolut mit vergilbten Briefen. Das Geheimnis um den Vater und das Schicksal der Mutter verbinden sich zu einem Drama, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Die Briefe fragen nach der Herkunft von Vlad dem Pfähler, dem Urbild der Dracula-Legende. Eine atemberaubende Suche in Klöstern, Bibliotheken und Archiven beginnt, bei der Grausamkeiten Draculas zutage treten, die sich bis heute fortsetzen …

Ein etwas phantastisch angehauchter Historienschmöker für kalte, stürmische Winterabende. Einfach nur unterhaltsam und gut!

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Mirka Cartarescu: Solenoid

Solenoid Mircea CartarescuHohn und Spott erntet ein junger Mann in seinem Literaturkreis, als er dort seinen Text „Der Niedergang“ zum Besten gibt. Aus ihm wird nicht wie erhofft ein gefeierter Schriftsteller, sondern ein Lehrer in der Vorstadt von Bukarest.
Als dieser namenlose Erzähler jedoch ein Haus in Form eines Schiffes kauft, gerät er in den Bannkreis des Solenoids, einer Art riesiger Magnetspule, die sich unterhalb des Kellers befindet. Deren Gravitationskraft zieht aber nicht nach unten, sondern hebt konsequent alles in die Höhe, was in ihr Umfeld gerät – Menschen, Dinge, ja die Wirklichkeit selbst. Genial, verrückt, groß.

Ein Buch, das ich im Vorfeld zum Nobelpreis 2021 gelesen habe und das mich schwer beeindruckt hat. Großartig, schräg, skurril und absolut faszinierend. Wer mal Lust auf anerkannt hohe Kunst hat – Solenoid lohnt sich! 

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Nadine Schneider – Drei Kilometer

Rumänien 1989: Die Hitze ist drückend, das Getreide steht hoch, sonst würde man bis zur Grenze sehen können. Der Gedanke an Flucht liegt verlockend und quälend nahe, noch weiß niemand, was kommt und was in ein paar Monaten Geschichte sein wird. In einem Dorf im Banat, weit weg von Bukarest, dem Machtzentrum des Ceaușescu-Regimes, erlebt Anna einen Spätsommer von dramatischer und doch stiller Intensität. Sie ist hin- und hergerissen, nicht zuletzt zwischen Hans, ihrem Geliebten, und Misch, dem gemeinsamen Freund.

Bei wem will sie bleiben? Mit wem will sie gehen? Und ist Hans tatsächlich ein Spitzel, wie Misch vermutet? Mit diesen Fragen bewegt sich Anna plötzlich gefährlich nahe an der Grenze zwischen Treue und Verrat.

Liebe, die für sich schon ziemlich kompliziert sein kann. Aber wenn sie dann auch noch politisch wird, wenn das Herz nicht nur zwischen Menschen, sondern zwischen Heimat und Verrat entscheiden soll … Schwere Fragen, die Nadine Schneider ungemein gefühlvoll und wortgewaltig beschreibt. 

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Sandra Senf: Der Drachenprinz

Vlad ist siebzehn Jahre alt, als er in seine Heimat zurückkehrt. Er kommt, um den Thron seines Vaters zu besteigen, den man Dracul, den Drachen, nannte. Kaum jemand weiß, was hinter ihm liegt: Als Geisel am osmanischen Hof hat Vlad nicht nur die Erziehung zum Prinzen genossen, sondern auch die Grausamkeit des Sultans am eigenen Leib erfahren. Von nun an wird sein Leben dem Kampf gegen die Osmanen gehören, und er wird dabei vor nichts zurückschrecken. Denn er weiß, er ist der Wächter, der Europa gegen den Ansturm aus dem Osten verteidigt, der Einzige, der den Mut dafür aufbringt – ein Drache, der letzte seiner Art.

Die junge Autorin Sandra Senf legt mit »Der Drachenprinz« ihr Debüt vor, einen biografischen Roman über Vlad III. Dracula, König der Walachei im ausgehenden Mittelalter, auch Vlad Tepeş genannt, der Pfähler. Er diente Bram Stoker als Inspiration für seinen weltberühmten Roman. Die Autorin zeigt uns hier die historische Figur, den Menschen hinter dem Mythos.

Ein Historoman über Vlad, ganz ohne Dracula-Mythos. Doch! Das geht auch. Und ist der krönende Abschluss i unserem  Rumänien-Special

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Hoffentlich seid ihr neugierig auf das Land und seine Geschichten geworden! Wir würden uns freuen, wenn ihr uns weitere Buchtipps zu dieser Liste meldet. Einfach hier in den Kommentaren. Dann haben alle was davon.

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