Literaturnobelpreis 2021

Literaturnobelpreis 2021 – Skoutz gratuliert Abdulrazak Gurnah

 

Alle Jahre wieder hält die Buchwelt für einen Augenblick den Atem an, wenn aus Stockholm die Nachricht kommt, wer schließlich in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur* bekommt.

Der seit 1901 vergebene Preis git als renommiertester Preis der Buchwelt und ist mit rund 980.000 Euro dotiert.

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Literaturnobelpreis 2021:

Das waren die Favoriten

Die Favoriten dieses Jahr waren laut Deutscher Presseagentur der japanische Autor Haruki Murakami sowie die kanadischen Schriftstellerinnen Margaret Atwood und Anne Carson, Die Buchmacher rechneten dem rumänischen Schriftsteller Mircea Cărtărescu die besten Chancen auf den Literaturnobelpreis 2021 aus. Knapp dahinter folgte die russische Schriftstellerin Lyudmila Ulitskaya.

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Literaturnobelpreis 2021 – Der Gewinner

Abdulrazak Gurnah (University of Kent)
Abdulrazak Gurnah (University of Kent)

Gewonnen hat jedoch in diesem Jahr der tansanische Autor Abdulrazak Gurnah, mit dem die wenigsten gerechnet hatten. Die Vergabe an einen eher unbekannten Autor ist insofern erfreulich, als der Nobelpreis enorme Aufmerksamkeit generiert (wie man an diesem Artikel sieht) und daher Werke einem internationalen Publikum vorgestellt werden, die anders niemals wahrgenommen worden wären.

Wir gratulieren ganz herzlich! 

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Wer ist Adulrazak Gurnah?

Abdulrazak Gurnah wurde 1948 im damaligen Protektorat Sansibar geboren. Nach Studien- und Dozentenjahren in Kano (Nigeria) ging Gurnah nach England ins Exil, wo er seither als Dozent für englische Literatur an der University of Kent arbeitet und lebt. Er publiziert in englischer Sprache.

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Das Werk von Abdulrazak Gurnah

Sein aktuelles Werk ist „The Last Gift“ (2011). Sein Werk befasst sich mit Postkolonialismus und das problematische Erbe der Kolonialherrscher, insbesondere in Afrika, der Karibik und Indien.

Neben seinen eigenen Werken ist er in Literatenkreisen weithin geachtet für die von ihm herausgegebenen „Essays of African Writing“ und seinen Abhandlungen über die Werke anderer postkolonialer Autoren wie etwa Salman Rushdie, für den er auch „A Companion to Salman Rushdie“ (2007) editiert hat.

Durch den Literaturnobelpreis 2021 dürfte nun aber auch sein eigenes Werk deutlich in den Vordergrund rücken.

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Wofür gab es den Literaturnobelpreis 2021?

Der tansanische Schriftsteller erhält die Auszeichnung „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“, so die Begründung der Jury.

Sein jüngster Roman „Afterlives“ (2020, Bloomsbury) spielt vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Tansania und den Aufständen dagegen. Gurnahs Werke wurden leider seit 2006 nicht mehr ins Deutsche übersetzt.

Skoutz kennt nur eines seiner Bücher, und das leider nur auf Englisch:

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After Live – Antikriegs-Roman und Befreiungsdrama von Abdulrazak Gurnah

Literaturnobelpreis 2021 - Abdulrazak Gurnah - After LivesZu Beginn des 20. Jahrhunderts haben die Europäer, die Engländer, Franzosen, Deutschen und Belgier den afrikanischen Kontinent unter sich aufgeteilt. Mit den Menschen dort haben sie kein Erbarmen und schlagen jedweden Widerstand mit äußerster Brutalität nieder. Die Auswirkungen der europäischen Konflikte, die in den Weltkriegen mündeten, führen auch in Afrika zu brutalen Kämpfen, der das Land zeichnet.

In dieser Situation kehrt der junge ungestüme Ilyas, der als Kind von der Schutztruppe Askari, einer deutschen Kolonialbesatzung, entführt worden war, nach Jahren zurück in sein Heimatdorf. Dort erfährt er zu seinem Entsetzen, dass es auch dem Rest der Familie schlecht ergangen ist. Seine Eltern sind verschwunden, seine Schwester Afiya wurde zwangsverheiratet.

Auch das Schicksal seines Kameraden Hamza ist traurig. Ihn haben die Schutztruppen nicht entführt, sondern „rechtmäßig“ gekauft, Seine Arbeit als Diener eines Offiziers, dessen Gunst zwar sein Überleben sichern konnte, hat ihn dennoch zutiefst traumatisiert. Er weiß nicht, wie der Krieg für ihn ausgegangen ist. Sein einziger Wunsch ist es, heimzukehren, irgendeine bescheidene Arbeit zu finden – und Afiya wiederzusehen.

Und während die Freunde und andere Überlebende verzweifelt versuchen, etwas Normalität, Sicherheit, ein Auskommen und vielleicht sogar Liebe in ihr Leben zu bringen, braut sich am Horizont der Sturm eines neuen Weltkonfliktes zusammen, der sie erneut fortzureißen droht.

Skoutz meint: Ein ungemein eindringliches Buch, das anschaulich zeigt, wie der Krieg jenseits der hierzulande gelegentlich erwähnten „Rommel-Abenteuer“ in Afrika gewütet hat, welche Spätfolgen der Kolonialismus hat und was den Menschen dort generationenübergreifend angetan wurde. Eindringlich auch deshalb, weil das Menschliche, das uns gleichermaßen Vertraute, so im Vordergrund steht, dass man einfach mitfühlen muss. Ich habe mit Hamza und Ilyas gelitten, aber für Afiya habe ich geweint. (kn)

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Quellen:

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