Interview Wiebke Rauers

zu Besuch bei Wiebke Rauers

Mit dem Skoutz-Kauz on Tour – heute mal in Berlin. Wir waren schon öfter in der Hauptstadt unterwegs und haben viele Leute getroffen, doch es wird das erste Mal sein, dass wir Designerin und Illustratorin Wiebke Rauers besuchen. Ich bin schon sehr gespannt, was sie uns erzählen wird. Natürlich war ich im Vorfeld neugierig und habe ein wenig recherchiert. Dabei habe ich herausgefunden, dass sie seit 2015 Freiberuflerin ist und nicht nur Bücher mit ihren tollen Illustrationen zu echten Hinguckern macht. Mal sehen, was wir ihr noch so entlocken können …

Martina zu Besuch bei Wiebke Rauers, die schon als Charakterdesignerin in einem Animationsfilmstudio gearbeitet hat …

Vielen Dank, liebe Wiebke, dass wir hier sein dürfen. Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, würde ich sagen, wir fangen direkt an …

 

Beschreibe dich in einem Wort …

Das kann ich nicht beantworten.

Okay, dann machen wir einfach weiter 🙂

 

Wie wurde aus deiner Passion Berufung?

Ich schätze, als ich anfing eigene Geschichten illustriert habe.

Wann war das?

Schon im Grundschulalter, noch mit Schreibmaschine und Buntstiftillustrationen auf Papier.

 

Woher nimmst du deine Ideen für deine Buchcover? Durch was lässt du dich inspirieren?

Ich lege Cover so an, wie ich mir ein Kinoposter dazu vorstellen würde. Gern so plakativ wie möglich.

 

Welche unterschiedlichen Schritte durchläuft ein Cover?

Eine Skizzenphase, die meist noch ein oder zwei extra Runden dreht, bis alle happy sind.

Alle?

Also Autor, Verlag und ich. Dann wird es reingezeichnet.

 

Gibt es etwas, das beim Designen, Zeichnen oder Kreieren nicht fehlen darf?

Ja!

Und das wäre?

Musik.

 

Hast du spezielle Tricks, um die Muse anzulocken?

Auch hier Musik. Ohne könnte ich einfach gar nicht arbeiten.

 

Hast du sowas wie ein Markenzeichen?

Hm, schwer zu sagen, aber viele Beobachter sagen, sie finden die Augen und den dazugehörenden Blick meiner Figuren sehr charakteristisch.

 

Techniker oder kreativer Freigeist – wie arbeitest du am liebsten?

Am liebsten arbeite ich so frei wie es geht. Der technische Aspekt kommt eh automatisch dazu, weil man scheinen eigenen Stil schon hat.

 

Gibt es für dich so etwas wie das ideale Cover?

Ja schon.

Das heißt?

Er es soll ja total Bock auf das Buch machen. Man soll es sofort in die Hand nehmen wollen. Und es soll auch den Vibe der Story transportieren. Spannung machen.

 

Worin besteht für dich der Unterschied zwischen einem Premade und einem Auftragscover?

Wann empfiehlst du das eine oder andere? Erkennt man das nachher und wenn ja, woran?

Also das muss ich eben erstmal googeln. Ich habe vorher tatsächlich noch nie von einem Premade Cover gehört. Das was ich dazu finde überzeugt mich nicht so richtig.

Worin liegen für dich die Schwächen?

Ich finde es immer schöner und ehrlicher, wenn man sich selbst Gedanken zur Gestaltung macht und eigene Entscheidungen und Wege findet. So bleibt die Buchwelt doch viel bunter und aufregender.

Kann ich mir vorstellen.

Bei Auftragscovers ist es ähnlich, wobei ich da auch niemandem auf die Füße treten will. Es ist ja richtig, dass man es von Fachleuten machen lässt. Ich kann leider nicht beurteilen in wie weit die Grafiker dort immer das ganze Buch gelesen haben.

Wäre das wichtig?

Ja, ich finde es ist eine Grundvoraussetzung für eine Covergestaltung.

Normalerweise heißt es, man soll den Inhalt eines Buches nicht nach seinem Cover beurteilen, dennoch tauschen etliche Autoren im Nachhinein noch einmal das Titelbild. Was denkst du, sind die Vor- und Nachteile?

Ich glaube unterbewusst beeinflusst ein Cover schon sehr stark. Entweder es „funkt“ – gerade bei Büchern für Kleinkinder und Kinder – oder man lässt das Buch eher stehen.

Was glaubst du, könnte ein Grund sein, das Cover nach Veröffentlichung noch zu ändern?

Damit erhofft man sich bestimmt, dass man auch eine neue Zielgruppe dazubekommt oder die, die das Buch vorher haben stehen lassen, jetzt erreicht.

 

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Nur für meine kleine Tochter 😉

 

Was ist deine größte Stärke?

Ich denke, dass ich mit dem ganzen Herzen dabei bin, wenn ich arbeite.

 

Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Haha, wahrscheinlich lange Aufbleiben. Und viel Fernsehen.

Das kann ich mir gut vorstellen 🙂

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Interview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Die Frage wäre: Bin ich eine Frau? Ja.

Liebe Wiebke Rauers, tausend Dank, dass du uns so nett empfangen und mit uns geplaudert hast. Es war sehr interessant und ich habe doch eine Menge gelernt. Deinem Cover wünschen wir für den weiteren Wettbewerb alles Gute.

 

Hinweis:

Aus über 350 Vorschlägen der Longlist Buchcover musste unser Juror Ronny Altendorf seine Favoriten wählen. Wiebke Rauers farbenfrohes Cover für Jochen Tills „Memento Monstrum: Vorsicht bissig!“ hat sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt und konnte einen der begehrten Plätze der Midlist Cover 2021 ergattern.

Ronnys Eindruck: Ein witziges Cover mit einer tollen Typografie. Die Anordnung der Elemente ist hier sehr stimmig, perfekt positioniert, ohne überladen zu wirken und erzählend zugleich. Toll auch für die Klein(er)en.

Natürlich sind wir schon gespannt, wie es sich im weiteren Wettbewerb schlagen wird.

 

 

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