Skoutz Interview Laura Newman

Zu Besuch bei Laura Newman

Der Skoutz und ich sind heute unterwegs um Laura Newman zu besuchen. Wir waren schon einige Male bei ihr, zuletzt im letzten Jahr. Da hatte sie den Juryposten für die Buchcover übernommen. Heute kommen wir mit neuen Fragen und sind gespannt auf ihre Antworten. Sie steht gleich mit zwei von ihr gestalteten Buchcover „Strangers Now: Yesterday“ und „Veränderungsgetümmel“ auf der Midlist Buchcover von Christin von Giessel Design.

Mal sehen, was wir heute noch von ihr Erfahren können.

Zu Besuch bei Laura Newman, die Klischees nicht besonders mag

Hallo liebe Laura, schön dass wir dich heute wieder besuchen dürfen und einen Blick in deine Ideenschmiede werfen können. Der Skoutz und ich freuen uns sehr auf unser Gespräch und du weißt ja noch aus dem letzten Jahr, wie neugierig der Skoutz ist. Ich habe ihn auf einen Erkundungsflug geschickt, damit er sich bei dir umschauen kann …

Wo sitzen wir denn, also wo willst du uns empfangen?

Ich heiße euch in meiner „Wildnis“ willkommen.

Schöne ist es hier!

An diesem Ort verbringe ich knapp drei Monate des Jahres und schreibe, erledige Handwerksarbeiten an unserer kleinen Holzhütte oder gehe auf den Feldwegen spazieren.

Klasse, würde mir auch gefallen. 

Setzen wir uns doch auf die Terrasse und beobachten während des Interviews mein Lieblingsrotkehlchen.

Sehr gerne. Für Vögel haben wir ein Faible. 

Nach welchem Motto lebst du? Und wirkt sich das auch auf deine Arbeit aus?

Aktuell würde ich sagen, dass mein Motto „Ich kann alles schaffen!“ lautet.

Genau, das denke ich auch immer. Wie setzt du das dann um? 

Zum einen, weil ich wirklich daran glaube und in zehn Jahren Selbstständigkeit festgestellt habe, dass man wirklich alles schaffen, lernen, erreichen und leben kann, was man sich fest vornimmt. Zum anderen muss ich das wohl momentan sagen, denn ohne dieses Mantra, würde ich in meiner derzeitigen Situation mit wehenden Fahnen untergehen.

Oh tatsächlich? Warum? Du weißt ja wie neugierig ich bin. 

Mir steht ein Umzug bevor, ich ertrinke in Arbeit und zu allem Überfluss haben sie mir kürzlich einen Zahn gezogen, dabei versehentlich den Kiefer offen gelassen und ich schlage mich nun seit sieben Wochen mit fiesen Schmerzen und Symptomen herum.

Oh mein Gott, da tut mir der Kiefer alleine beim Zuhören weh! Ich hoffe, es geht bald wieder! 

Also ja. Ich muss daran glauben!

Was ist dein erster Gedanke, wenn ich dich frage, was du GAR NICHT magst?

Menschen … Ich weiß, das klingt fies aber in den letzten Jahren wurde mein Glaube an die Menschheit so dermaßen erschüttert, dass ich mittlerweile fast schon froh bin, kaum Zeit für „echte“ Interaktionen mit anderen Menschen zu haben. (Meine Familie und meine genial coolen Kunden natürlich ausgenommen.)

Oh man, da musst du ja einiges erlebt haben. Aber ich kann es manchmal ganz gut nachvollziehen, manche Begegnungen sind einfach nicht schön. Das geht jedem so. Was hat dich so tiefgehend erschreckt?

Corona, die Art, wie wir Menschen mit der Umwelt umgehen, die Kriege und Streitigkeiten und all der Hass und die Leute, die alte Menschen betrügen und die, die (warum auch immer) nachts auf mein Auto pinkeln und die vielen, vielen Ärzte, bei denen ich in den letzten Wochen war und die mir immer nur gesagt haben „Ich will nicht hören, was Sie denken. Nennen Sie mir einfach ein oder zwei Symptome und gut.“ All das … hat dazu geführt, dass ich (die meisten) Menschen so gaaar nicht mag.

Das kann ich irgendwie gut verstehen. Manchmal jedenfalls. Ich hoffe, das sich das bald bei dir legt. Du hast vielleicht bei deinen Ärzten einfach nur die falschen erwischt? Ich drücke jedenfalls die Daumen, dass sich dein Gefühl wieder dreht. Lass uns weitermachen … 

Als Klischee wird man nicht geboren, sondern muss sich den Titel erarbeiten. Klischees sind so praktisch wie lästig. Wie gehst du persönlich mit ihnen um? Beim Schreiben wie im Leben?

Ich habe in den meisten Fällen festgestellt, dass Klischees nicht zutreffen. Z. B. passt das „Frauen-Klischee“ auf mich nicht wirklich. Ich baue, handwerke und bastele gerne. Ich kann super einparken und ekele mich nicht vor toten Mäusen im Keller oder Spinnen an der Wand.

OK, da hab ich auch so überhaupt kein Problem mit. Aber letztlich sind Klischees auch nur fleischgewordene Statistik. Und das ist immer ein Mittelwert, um den herum sich das meiste dreht! Wie ist das im Beruf?

Und auch im Beruf wird man als selbstständige Designerin oft mit Klischees konfrontiert. Offenbar arbeiten wir wenig, zahlen keine Steuern und weil wir so kreativ sind, fehlt uns der Verstand für Bürokratisches. Ich kann dazu nur sagen, dass ich in den ersten Jahren eine 80- und danach in der Regel eine 50-60-Stunden Woche hatte. Ich zahle (gefühlt) alle drei Tage 1000 € Steuern und mache meine komplette Buchhaltung selber.

Echt? Das wurde dir unterstellt? Unglaublich. Ich würde davon nie ausgehen und finde das wirklich unfair und absolut daneben. Da hat jemand aber keine Ahnung, denke ich. Aber ist das wirklich ein Klischee? Und wenn, was dann?

Wenn man mich also nach Klischees fragt … die sind unzuverlässig 😉

Naja, das haben wir auch nie behauptet. Sonst wären sie ja Tatsachen. Und Bücher beweisen das ja auch oft, dass es anders kommt, als man erwartet hätte. Klischees und Sehgewohnheiten sind eng beisammen und damit eine gute Überleitung…

Was macht für dich ein gutes Cover aus und wie baust du dein Coverdesign auf? Worauf achtest du besonders?

In erster Linie finde ich heraus, wer dieses Buch lesen soll (Zielgruppe), was es für ein Buch ist (Genre) und wer dieses Buch geschrieben hat. Das Layout sollte im Idealfall messerscharf auf seine Zielgruppe abzielen, sofort erkennen lassen, um was für eine Art Buch es sich handelt und natürlich muss es dem Stil und den Wünschen des Autors entsprechen.

Das ist bestimmt oft auch nicht ganz so einfach, wie es sich gerade anhört. 

Nicht immer ist es einfach, diese drei Punkte so zu kombinieren, dass ich (als Professionelle) und der Autor (als Buchmutter- oder vater) glücklich sind. Doch in der Vergangenheit ist es mir meist gelungen.

Perfekt! Immerhin stehen sogar zwei deiner gestalteten Cover auf der Midlist. 

Cover sind der berühmte erste Eindruck, den ein Buch macht. Wie wichtig ist der Inhalt für das Cover? Wie suchst du Motive aus, wenn du kaum Infos zum Buch hast? Geht das überhaupt?

Es ist natürlich hilfreich, wenn der Autor mir kleine Hinweise zu besonderen Elemente, Landschaften, Farben oder Personen gibt, die die Geschichte widerspiegeln und auf dem Cover einsetzbar sind. Aber auch wenn das nicht der Fall ist, versuche ich mich in den Autor hineinzuversetzen und ein Gefühl für das Thema oder die Geschichte zu bekommen.

Da musst du sicherlich sehr empathisch rangehen, finde ich wirklich gut. Vielleicht sind deshalb deine Buchgewänder immer so … atmosphärisch packend! Wie gehst du an diese Gefühlsebene heran?

Dabei stelle ich mir meist vor, es wäre mein Buch und dass ich diese Geschichte geschrieben habe. Oftmals sind der Autor (und ich ebenfalls) erstaunt, welch passende Ergebnisse dann selbst bei wenigen oder gar keinen Layout-Wünschen dabei herauskommen. Nur selten ist der erste Entwurf der sprichwörtliche Griff ins Klo 😉

WOW, das klingt echt toll. Bei dem Findungsprozess würde ich dir gerne mal über die Schulter schauen. 

Ein Sprichwort sagt „Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.“ – Wie findest Du diesen Satz?

Sehr schön und sehr passend! Gerade letzte Woche habe ich im Keller (wir entrümpeln, weil wir umziehen) ein altes Buch entdeckt. Ich denke, der Titel lautete „Ein Käfer wie ich – Die Erinnerungen eines Mehlkäfers“ 😉 Dieses Buch hat mich (in sehr, sehr jungen Jahren) das erste Mal zum Schreiben bewegt und ich weiß noch, dass es sich immer anfühlte, als trüge ich eine ganze Welt des kleinen Käfers bei mir, wenn ich das Buch im Gepäck hatte.

Oh das ist so schön, wenn du da dieses Büchlein hast und in dir so viele Erinnerungen hochkommen. Finde ich unglaublich toll. 

Mit welchem Buch wurde deine Liebe zu Büchern geweckt?

Der eben erwähnte Käfer und natürlich Titel wie „Ronja Räubertochter“ oder „Der kleine Vampir“ haben den Anfang gemacht.

Ja, wenn ich diese Bücher sehe, bin ich in Gedanken immer wieder in meiner Kindheit. 

Aber so richtig gepackt hat mich dann später ein Buch mit dem Titel „Glück“. Darin geht es um einen Selbsthilferatgeber, der die ganze Welt ins Chaos stürzt. Der Autor traf einen so dermaßen erfrischend sarkastisch-fiesen Unterton, dass ich mich vor Lachen gar nicht mehr eingekriegt habe. Das war das erste Mal, dass ein Buch mich so richtig abgeholt hat.

Oh, das kenne ich gar nicht. Auf der Heimfahrt suche ich mir mal die Beschreibung heraus. Möchte ja gerne wissen, was das für ein Buch ist, das dich zum ersten Mal so richtig abgeholt hat. 

Wie sortierst du deine Buch-Regale?

Ich denke, ich bin wohl der nach Farben sortierende Typ. Hängt vermutlich mit meiner grafischen Tätigkeit zusammen? 😉

Das habe ich mal angefangen aber irgendwie war ich sehr ungeduldig und habe das dann wieder aufgegeben.

Aber ich mag das total, wenn Bücherregale so sortiert sind. 

 

Kunstfreiheit auf dem Prüfstand
Die gesellschaftliche Diskussion über das, was man in der Kunst tun und lassen darf, ist zur Zeit sehr hitzig. Wie stehst du dem gegenüber und wie beeinflusst das deine eigene Arbeit?

Ehrlich gesagt schert es mich wenig. Ich kann die Grundsatzdiskussionen, die aktuell überall aufpoppen, nicht ertragen. Die halbe Welt postet nur noch Knutschbilder, um zu verdeutlichen, dass sie nicht Heterosexuell ist. Der Rest ist empört, wenn eine Frau mit weißer Haut Rastas trägt und überhaupt, darf und kann man nicht mehr laut denken ohne nicht direkt irgendwem auf seine sensiblen Füßchen zu treten.

Ja, das ist bisweilen anstrengend. 

Mir ist das alles wurscht. Jeder soll so leben und sich entfalten können, wir es ihm gut tut. Solange er damit niemanden verletzt. So sehe ich es und das natürlich auch in der Kunst.

Du sprichst mir da total aus dem Herzen, das ist im Moment jedenfalls total schwer. 

Chat GPT und andere KI-Apps sind gerade in aller Munde, was hältst du davon, dass KI auch aufwändige Bilder oder eben auch Cover erstellen kann? Sind das überhaupt richtige Werke?

Mit diesem Thema setzen mein Verlobter (ebenfalls Grafiker) und ich uns aktuell auseinander.

Oh, OK. Dann fragen wir dich ja genau richtig. 

Ich bin noch nicht wirklich überzeugt, dass eine KI kann, was ein kreativer Mensch kann. Sollte es jedoch tatsächlich dazu kommen, würden sich in mir die Geister streiten, denn ich liebe Technik. Sehr! Aber ich will auch nicht arbeitslos werden 😉

Verständlich! Aber ich glaube, das wird noch ein wenig dauern. Wir hoffen in der Skoutz-Redaktion ja immer noch, dass am Ende eine verträgliche Mischung herauskommt. KI als Hilfe statt als Konkurrent. Aber das wird die Zukunft zeigen. Und damit sind wir auch schon wieder am Schluss des offiziellen Teils. Bis auf die berühmte Schlussfrage!

Welche Frage sollen wir dir nächstes Jahr im Interview stellen?

Fragt mich, wie ich meine neue Wohnung eingerichtet habe und wo und wie meine Bücher untergekommen sind 😊Ich vermute, dass ich mit der Raumgestaltung dann (hoffentlich) durch sein werde.

OK, das machen wir dann sehr gerne und sind jetzt schon mal gespannt, wie ihr das alles umgesetzt habt. 

Liebe Laura, leider ist die Zeit schon wieder um und wir haben uns bei dir sehr wohl gefühlt und das Gespräch genossen. Vielen lieben Dank für deine Zeit und deine Bereitschaft unsere Fragen zu beantworten. Für euren Umzug wünschen wir dir gutes Gelingen! Und natürlich: Gute Besserung für dich und deinen Zahn! 

 

Hier gibt es mehr über Laura Newman:

Im letzten Jahr waren wir schon einmal bei Laura zu Besuch und haben über ihre Jurytätigkeit geredet, über ihre Genuss Momente und natürlich ihre Arbeit als Coverdesignerin. Das Interview könnt ihr hier weiterlesen:

 

 

Weitere Arbeiten von Laura Newman:

 

 

 

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