RIP – John le Carré

Weltweit sind die Thriller-Fans bestürzt, denn John le Carré ist tot. Auch die Skoutz-Redaktion ist sehr betroffen, denn seine Bücher sind fester Bestandteil gleich mehrerer unserer Classic-Listen

Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren in Cornwall an den Folgen einer Lungenentzündung (die allerdings – so die Pressemitteilung des Verlags – nichts mit Corona zu tun hat). John le Carré hinterlässt vier Söhne aus zwei Ehen. 

Unser Beileid gilt seiner Familie und den vielen Fans, die ihn in seinen vielfach verfilmten Werken für immer bei sich haben können. 

John le Carré – Der etwas andere Spion war ein überzeugter Europäer

Wer war John le Carré?

John le Carré - Krimidoedel - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org
(c) Wikipedia

Der britische Schriftsteller und ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter wurde mit seinem Geheimagenten George Smiley so berühmt wie Ian Fleming mit James Bond, wenngleich Smiley deutlich vielschichtiger als sein Kollege ist und den skrupellosen Zynismus der Geheimdienste durchaus kritisch sieht.

John le Carré führte ein bewegtes Leben. Seine Mutter verließ ihren Mann und die Familie, noch bevor er in die Schule kam. Eine entsprechend große Rolle spielte der Vater in seinem Leben. Sein Vater Ronnie Cornwell war ein Hochstapler und Betrüger, der fest im Milieu des Londer East Ends verwurzelt war und mehrfach im Gefängnis war. Obwohl John le Carré ihn immer wieder auch finanziell unterstützte, kam es zu keiner wirklichen Versöhnung mehr. Er blieb sogar der Beerdigung seines Vaters fern. In “A perfect Spy” (Ein blendender Spion) versuchte le Carré die Beziehung literarisch aufzuarbeiten. 

Weniger bekannt ist, dass er nach dem Krieg in Bern Germanistik studierte und diese Studien 1956 in Oxford mit Auszeichnung beendete. Er lehrte in Eton Französisch und Deutsch und arbeitete für den MI6 in Bonn und Hamburg, wo er auch zu schreiben begann. Nach dem Erfolg seiner Romane quittierte er den Dienst und widmete sich der Schriftstellerei.

Le Carré war eine der prominenten Pro-EU-Stimmen. Im Oktober 2019 beantragte er dann konsequent die irische Staatsbürgerschaft, um nach dem Brexit EU-Bürger zu bleiben. 

 

John le Carrés Werk

Seine Spionageromane fingen seit den 1960er die Atmosphäre des Kalten Krieges perfekt ein und waren ein plausibler Hintergrund für seine ausgetüftelten Plots. Nach dem Ende des Ost/West-Konflikts verlagerte le Carré seine Themen weg von der klassischen Politik. Nun befasste er sich nicht minder erfolgreich mit Waffenhandel, Terrorismus, der russischen Mafia oder eben auch Wirtschaftsthrillern, wie z.B. um die Machenschaften von Pharma-Konzernen.

Immer hinterfrägt John le Carré in seinen Werken die Motive seiner Protagonisten und prüft, ob der Zweck die Mittel heiligt. Bereits in seinen Büchern um den Kalten Krieg kritisiert er, dass man sich auch nicht zu Verteidigungszwecken auf das Niveau der Gegner begeben darf, ohne dabei seine moralische Legitimation zu verlieren. Eine Aussage, die er 1:1 auf moderne Themen wie Terrorismus, organisierte Kriminalität, zügellosen Kapitalismus überträgt. 

 

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