Skoutz-Sprachlabor: Ausruf-, Frage-und sonstige Satzzeichen

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Interpunktion ist das Salz in der Buchstabensuppe.
Auf wundersame Weise kann ein einzelnes Zeichen einer Aussage ein völlig neue Bedeutung geben, Emotionen ausdrücken und den Leser leiten. Schaut mal hier unser Beispiel an:

  • Du bist so schlau.
  • Du bist so schlau?
  • Du bist so schlau!

Erstaunlich, wie sich die Aussage immer derselben Worte mit nur einem Zeichen ändert. Dafür werden diese Zeichen dann oft erstaunlich nachlässig behandelt.

Im Skoutz-Sprachlabor sehen wir uns einmal an, wie sich die Rechtschreibung die Zeichensetzung vorstellt.

Interpunktion mit dem Punkt:

Der Punkt ist das neutrale Satzschlusszeichen. Also immer dann, wenn ein Satz keine Besonderheiten aufweist. Dabei ist es einerlei, ob es sich um eine zusammengesetzten Satz (Nebensatz und Hauptsatz oder mehrere Hauptsätze) handelt oder um einen einfachen Satz.

  • Ein Punkt kennzeichnet einen normalen Satz ohne besondere Betonung.
  • In einem Text ist der Punkt, neben oder vielmehr nach dem Komma, das am häufigsten vorkommende Satzzeichen.

In Konkurrenz zum Fragezeichen kann es gelegentlich knifflig werden, wenn in einem zusammengesetzten Satz ein Teil eine Frage enthält. Ein Fragenebensatz hat jedoch keinen Einfluss auf das Satzschlusszeichen. Wenn also nicht der Satz als Ganzes eine Frage enthält, endet er mit einem Punkt.

  • Wir wissen, wann wir Fragezeichen setzen sollen.
  • Wir wissen doch, wann wir ein Fragezeichen setzen sollen!
  • Wissen wir, wann wir ein Fragezeichen setzen?
Allerdings: Bei Zeilen, die grafisch vom übrigen Text abgehoben sind, setzt man keinen Punkt. Das gilt z. B. für:
  • Aufzählungen
    • Im Winter ist es kalt;
    • im Frühling ist es nass;
    • im Sommer ist es heiß;
    • im Herbst ist es windig.
  • Überschriften
    Zeilen, die einen Text, einen Absatz oder ein Kapitel einleiten, und zwar auch dann, wenn sie einen ganzen Satz darstellen
  • Bei Anschriften in Briefen und auf Umschlägen;
  • In Datumszeilen
  • In Gruß- oder Unterschriftszeilen

    Viele liebe Grüße
    Euer Skoutz

Der Punkt steht nach Zahlen, um sie als Ordnungszahlen zu kennzeichnen. Steht eine Ordnungszahl mit Punkt am Satzende, so wird kein zusätzlicher Schlusspunkt gesetzt.

  • Dieser Artikel ist vom 05.03.2018
  • Der 17. Skoutz ist der Schönste
  • Der SuB war der 3.

Interpunktion mit Doppelpunkten

Doppelpunkte sind nicht etwa Zeichen besonders wichtiger Sätze.  Sie stehen vielmehr vor angekündigten wörtlich wiedergegebenen Äußerungen, Gedanken oder Textstellen:

  • Das Motto des Skoutz-Award lautet: “Nur die Geschichte zählt!”
  • Der Leser dachte beim Umblättern: “Bitte lass sie nicht sterben!”
  • Doch in der nächstn Zeile hieß es: “Seufzend hauchte sie ihr Leben aus.”

Der Doppelpunkt steht vor angekündigten Aufzählungen, Angaben, Erläuterungen, Titeln usw. (Deshalb auch oben vor der letzten Aufzählung).

 

Klammern als Satzzeichen

Klammern grenzen optisch Zusätze und Nachträge vom restlichen Text ab. Oft könnte man das auch durch Kommas oder Gedankenstriche erreichen. Grundsätzlich gilt: Passagen in Klammern können weggelassen werden, ohne den außerhalb stehenden Satz zu entwerten. Sie kennzeichnen quasi das Bonusmaterial des Satzes.

  • Auf dem Weg von der Schule (und viele wären erstaunt, dass er je dort gewesen ist) bemerkte Tom etwas Ungewöhnliches.
  • Peter (12, passionierter Lausbub) standen die Haare zu Berge

Häufig werden Buchstaben, Wortteile oder Wörter in Klammern eingeschlossen, um Verkürzungen, Zusammenfassungen, Alternativen o. Ä. zu kennzeichnen.

  • Leser(in) (als Kurzform für: Leserin oder Leser)
  • Autor(innen) (als Kurzform für: Autorinnen und/oder Autoren)
  • Kolleg(inn)en (als Kurzform für: Kolleginnen und/oder Kollegen)

Werden Teile eines zusammengesetzten Substantivs eingeklammert, kann auch ein Ergänzungsstrich gesetzt werden.

  • (Neu)veröffentlichung oder (Neu-)Veröffentlichung
  • Prozent(satz) oder Prozent(-Satz)

Satzzeichen, die zum eingeklammerten Text gehören, stehen in der Klammer.

  • Die Vorschläge zur Longlist solltet ihr vollständig ausgefüllt (bitte deutlich schreiben!) rechtzeitig einreichen.
  • Beim ersten Skoutz (erinnert ihr euch noch?) gab es eine kleine Panne.
  • Sonderfall: Ein Punkt in der Klammer kommt nur bei vollständigen Sätzen, die man dann auch in der Klammer groß beginnt:
    Dies halte ich für das wichtigste Ergebnis meiner Untersuchungen. (Die entsprechenden Dokumente sind auf S. 225 abgedruckt.)

Zum übergeordneten Text gehörende Satzzeichen dürfen nicht weggelassen werden.

  • Wir wohnen in Ilsenburg (Harz).
  • Sie wundern sich (so schreiben Sie), dass ich so wenig von mir hören lasse.

Ausrufezeichen stehen bei Ausrufen!

Wenn ihr diese epochale Erkenntnis verdaut habt, widmen wir uns der spannenderen Frage, was sich der Duden und die Rechtschreibregeldesigner dabei gedacht haben.

Zunächst verdeutlicht das Ausrufezeichen, dass die vorangegangene Aussage mit Nachdruck getroffen wurde.

  • Herrschaftszeiten!
  • Hurra!
  • So ein Elend!
  • Raus!

Daneben kann es auch in frei stehenden Zeilen, z.B. bei einer Anrede verwendet werden:

  • Liebe Skoutze!
  • Sehr verehrte Rechtschreibende!

Schon für Fortgeschrittene ist die Erkenntnis, dass das Ausrufezeichen auch dann gesetzt wird, wenn der Ausruf die Form einer Frage hat. Ausruf sticht also Frage.

  • Ist das zu fassen!
  • Wer hätte das gedacht!
  • Hättet ihr diese Regel gekannt?!

Ja! Man darf, wenn die Frage zugeich betont werden soll, das Ausrufezeichen auch noch nach dem Fragezeichen setzen. Erforderlich ist es nach den Rechtschreib-Regeln jedoch nicht.

Wenn nur eine einzelne Aussage innerhalb eines Satzes betont werden soll, kann das Ausrufezeichen in Klammern auch direkt am Ort des Geschehens angebracht werden:

  • Sie las ein 1000-Seiten-Buch (!) in einer einzigen Nacht.

Erstaunlicherweise verhält sich das Ausrufezeichen sehr tolerant gegenüber dem Komma. Man kann also immer dann, wenn mehrere nachdrückliche Aussagen aneinander gereiht werden entweder mit Kommas und einem Ausrufezeichen am Schluss oder mehreren Ausrufezeichen arbeiten.

  • “Ja, ja!”, stöhnte sie. (Oder:  “Ja! Ja!”, rief sie.)
  • Au, das tut weh! (Oder:  Au! Das tut weh!)
  • Das ist ja super, herzlichen Glückwunsch! (Oder:  Das ist ja super! Herzlichen Glückwunsch!)

Interpunktion mit dem Fragezeichen

Das Fragezeichen kennzeichnet einen Satz als Frage.

  • Wer hätte das gedacht?
  • Bist du wirklich überrascht?

Für Fortgeschrittene ist die Regel, dass Fragenebensätze ignoriert werden. Mit anderen Worten: Ein Fragezeichen erscheint nur, wenn der zusammengesetzte Satz als Ganzes eine Frage ausdrückt.

  • Sie fragte, wann sie kommen solle.
  • Weiß man schon, wer gewonnen hat?
  • Sag mir sofort, woher du das weißt!

Ein eingeklammertes Fragezeichen drückt aus, dass eine Angabe in einem Text bezweifelt wird.

  • Der Autor behauptet, der Text enthalte autobiografische (?) Bezüge.
  • Die Prüfung ergab, dass sich die Texte zufällig (?) in gleich zwölf Passagen absolut gleichen.

So, das war’s zum Thema Satzzeichen. Wir hoffen, ihr habt euch nicht gelangweilt.

Allgemeine Hinweise zur Rechtschreibung hier.

Hinweis: Auch wenn wir hier versuchen, die amtlichen Rechtschreibregeln nachvollziehbar darzustellen, sind wir selbst nicht vor Fehlern gefeit.

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