FBM 2019 – Gute Buchmesse-Ergebnisse, aber …

Als am Sonntag Abend die Durchsage kam, mit der die Frankfurter Buchmesse 2019 beendet wurde, war der daraufhin traditionelle Applaus ein erleichterter. Das ist immer so, aber dieses Jahr besonders. Wir waren selbst erstaunt, wie emotional dieser Moment war. Wir waren mit unserem Skoutz-Stand dieses Jahr in Halle 3. Der auch auf der FBM 2019 wieder stets gut und oft völlig überfüllten Halle 3.

Und was wir da so gesehen haben war toll. Wir hatten mit dem Skoutz-Award, unseren Autoren und treuen Lesern ein straffes Programm. Reichlich Gespräche über die Buchfieberkurve, unsere Benefiz-Anthologien und vieles mehr.

Buchmesse – das sind …

Buchmenschen mit strahlenden Augen, die ihrer Leidenschaft frönen durften und begeistert dieses Mal schon am Samstag ihre Buchschätze auch kaufen durften. Autoren, die mit solcher Freude von ihren Geschichten erzählten, dass man sie danach einfach lesen muss. Cosplayer in ihren wundervollen Kostümen, denen man die vielen, vielen Stunden Arbeit ansieht. Tolle neue Bücher, ein rasant wachsender SuB, Wiedersehensfreude und neue Bekanntschaften, kleine und große Dramen, viel Klatsch und Tratsch – Messe eben.

Die Skoutz-Party war mega. Festlich, entspannt, mit vielen glücklichen Gewinnern. Wir freuen uns auf das nächste Jahr und unser 5jähriges. Zum Gala-Bericht.

Aber wenn man genauer hinsieht, dann sieht man auch sehr viel weniger Tolles. Zu viel am Ende und so bleibt bei der FBM 2019 trotz guter Umsätze und erfolgreicher Gespräche ein schaler Beigeschmack.

FBM 2019 – Viel Schein, viele Scheine und sehr wenig Sein.

7.450 Aussteller aus 104 Ländern präsentierten auf der weltweit größten Buchmesse ihre Bücher und Autoren. So liest man in der Pressemitteilung. Bei der 71. Frankfurter Buchmesse standen politische Themen wie Klimakrise, Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit im Mittelpunkt.

Das ist schön und löblich, sollte man meinen. Aber ist das wirklich so?

Toleranz muss man leben. Wir brauchen keine political correctness, wir brauchen factual correctness, Leute. Muss es sein, dass in der heutigen Zeit ein großer Stand, zentral in der Messehalle aufgebaut, nicht barrierefrei ist, weil eine kleine fiese Stufe nicht nur für Rollstuhl und Rollator unüberwindbar ist, sondern auch eine echt gefährliche Stolperfalle für bis dahin unverletzte Besucher wird? Ja, Randomhouse, ihr seid gemeint. Wir standen in eurem Rücken und wir sahen reihenweise Leute stürzen. Außer am Samstag. Da hat es nur weh getan, aber es war zu voll zum Stürzen.

Es bringt nichts, über die Klimakrise zu schreiben. Dazu ist eigentlich alles gesagt. Muss es also sein, dass nach Aufbau und Abbau tonnenweise, teils völlig sinnloser Müll in Großcontainern und LKWs aus der Halle geschafft werden muss? Papier, Plastik und noch mehr völlig ungetrennt? Was waren das für Teppiche, die nach der Messe entsorgt werden (nachdem sie währenddessen für reichlich, echt kratzigen Feinstaub sorgten)? Und wer gesehen hat, wie die abgebaut wurden, weiß, dass die nicht mehr zu gebrauchen waren.

Die Menschwürde ist unveräußerlich. Aber sie kostet anscheinend trotzdem zu viel. Kann man nicht ausreichend Toiletten organisieren, die unter einer halben Stunde Wartezeit (auch für die Aussteller) erreichbar wären? Und auch Behinderten, Übergewichtigen oder kleinen Kindern zugänglich sind?

Doch das setzt sich auch bei den Besuchern der FBM 2019 fort:

Schlimm sind etwa diese Beutelratten. Besucher, die ohne auch nur zu schauen, einfach alles, was an Streugut ausliegt, „stapelweise“ (ehrlich!) im Vorbeigehen mitnehmen, entweder lieblos in ihre Taschen, Koffer, Bollerwagen etc. stopfen, mit denen sie rücksichtslos alles niederfahren, das ihnen im Weg steht. Rücksicht geht anders.
Oder – auch nicht schöner – diese Menschen, die ihre Beute erst einmal zusammenraffen, dann flüchtig betrachten, um sie zwei Meter weiter achtlos auf den Boden zu werfen, wo sie zertrampelt und damit unbrauchbar wird? Ist es zu viel verlangt, sich ein oder zwei Lesezeichen zu nehmen, die man auch haben will, und den Rest für jene zu lassen, die sich auch darüber freuen würden? Wie viel von dem eingesackten Krempel wird nie wieder angesehen?

Und was soll das mit Halle 3?

Ist diese Debatte – und ganz besonders die Art, wie sie geführt wird – ein Beitrag zu Vielfalt und Toleranz?

Ja, es ist zu voll dort. Halle 3 ist viel zu voll, speziell an den Publikumstagen.
Der Samstag war die Hölle, mit einer Luft, die man in Scheiben schneiden konnte, wenn sie sich nicht gewehrt und reihenweise die Leute umgeschmissen hätte. Gespräche am Stand waren schwer, weil die nachdrängenden Massen die Interessenten gnadenlos weiterschoben. Man war förmlich gefangen auf seinem Stand.

Aber diese Idee, diese Halle dann den großen Verlagen zu lassen und die Kleinen und Kleinsten, die engagierten, lustigen, unterhaltenden in irgendeine Ausweichhalle am Ende des Campus zu verlagen, in der man die Grillen zirpen hören kann – das ist nicht zielführend. Für die Aussteller nicht, und erst recht nicht für die Besucher, die auch gerade von dieser Vielfalt profitieren.

Sinnvoll fände ich, zum Beispiel

  • thematisch zusammenzufassen und nicht nach Unternehmensgröße. Das nämlich würde die Vielfalt erhalten.
  • Kinderbuchverlage aus der Halle 3 zu nehmen, damit die Kleinen im Gewühl nicht zertrampelt werden, das war zum Teil nämlich echt heftig.
  • Rein auf Autoren-Services bezogene Dienstleister vielleicht zusammenfassen
  • ein Hallenkonzept, das Inseln bildet, und nicht einfach nur längs die Stände aneinanderklatscht, damit es Flächen innerhalb der Themenblöcke gibt.
  • Nicht hinten am Ende der Halle drei Lese- und Gesprächsbereiche direkt nebeneinanderzuklatschen, an denen man sich dann gegenseitig überschreien muss, was weder dem Vortragenden noch dem Zuhörer gefällt.

Wenn man Lese- und Diskussionsbereiche dezentral über die Halle verteilt – kleine und größere – hätte das auch den Vorteil, dass Lesungen sich nicht gegenseitig beschallen und sich auch die Besucherströme teilen. So was Modernes halt …
Auch wenn es in der Buchwelt für viele leider sehr anrüchig ist, zu modern zu sein.

 

 

 

 

One Comment

  • Aleshanee

    Schönen guten Morgen!

    Interessante Einblicke auf einige Punkte, die wirklich wichtig und erwähnenswert sind. Vielen Dank dafür!
    Den Beitrag hab ich heute auch gerne in meiner Stöberrunde verlinkt!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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