Schreibpläne fassen und verwirklichen

So allmählich sind alle aus dem Weihnachtsurlaub zurück und das neue Jahr nimmt mit ersten Gebrauchsspuren Fahrt auf. Höchste Zeit also, sich selbst in Position zu bringen, und darüber nachzudenken, was wir 2022 schreibenderweise so anstellen wollen, damit es auch wirklich das erfolgreiche und gute Jahr wird, das wir uns gegenseitig gewünscht haben.

 

Schreibplanung für ein erfolgreiches Buchjahr

Der wichtigste Vorsatz, um die Schreiberei auf Kurs zu bringen, hat schon mal nichts mit Schreiben an sich zu tun. Macht euch bewusst, dass man für ernsthaft professionelles Schreiben mehr als nur Schreiben muss. Aus dem schlichten Grund, dass da draußen wirklich viele andere Autoren unterwegs sind, die noch mehr Bücher schreiben, die nun alle in Agenturen, Verlagen oder direkt in den Bücherregalen der Leser unterkommen wollen.

Glück oder Strategie

Damit das eigene Buch dorthin kommt, wo man es haben will, kann man nun entweder auf Glück oder auf Strategie setzen.
Mit der dynamischen Veränderung des Buchmarkts kann es sich heute – unabhängig von der Veröffentlichungsform! – kein Autor mehr leisten, nicht auch unternehmerisch zu denken, wenn er von der Schreiberei seine Miete bezahlen möchte. Wir hören oft vehemente Widersprüche, weil wir schreiben, um Geschichten zu erzählen, um sie schreibend zu erleben, um zu interagieren, mit den Menschen in und vor unseren Büchern. Ja! Natürlich, mir geht es auch nicht anders. Das ist der magische Teil unseres Jobs.

Aber das reicht halt nicht. Es mag den einen oder anderen statistischen Ausreißer geben, wo eine Geschichte aus der Seele in die Feder floss und dann eher zufällig ein sofort begeistertes Publikum erreichte, das so geflasht war, dass ihm Buchsatz, Lektorat und dergleichen völlig einerlei waren. Das mag es geben, weil wir Autoren wissen, dass es so ziemlich alles gibt. Aber der Glückspilz ist wahrscheinlich keiner von euch, auch wenn das ungerecht klingen mag. Statistik ist grausam. Also zurück zur Strategie, die heutzutage der eines Startups ähnelt, das in einem völlig übersättigten Markt einschlagen will.

Und das wollen wir. Wir wollen nicht nur veröffentlichen! Wir wollen begeistern!

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Schreibpläne I:  Plant großartig!

Sonnenuntergang - Prometheus-MethodeNehmt euch ein paar Minuten, um über eure Schreibziele nachzudenken. Und dann noch ein Stündchen, um eure Schreibplanung für das neue Jahr in Form zu bringen. Seid konkret! So konkret, dass ihr jederzeit euren Zettel aus der Schublade nehmen könnt, um nachzuprüfen, wie es um die Verwirklichung  steht. Das könnten Schreibrituale sein, die ihr einführen wollt. Das könnten Kurse sein, die zu belegen sind. Oder einfach auch nur der Vorsatz, viel gezielter auf Facebook und Instagram unterwegs zu sein und dort weniger Zeit zu vertrödeln.

Und damit ihr euer persönliches Mantra für eure Schreibplanung findet, beantwortet diese Fragen!

Was willst du sagen?

Was ist das Anliegen deiner Geschichte? Jedes, wirklich jedes Buch, von einer Erstleserfibel bis zu einer epischen High-Fantasy-Reihe, vom Fachbuch bis zum Groschenheft – sie alle haben ein Anliegen und das muss zuallererst dem Autor glasklar vor Augen stehen.

Wem willst du deine Geschichte erzählen?

Diese Frage liebe ich in der Beratung. Fast nie bekomme ich eine klare Antwort. Es reicht nicht zu sagen: „Liebesroman-Fans“ oder „Leute, die Harry Potter mochten“. Witzbolde antworten auch mal mit „Leser“.
Aber um für eure Leser, eure Kunden, zu schreiben, müsst ihr sie vor eurem inneren Auge haben. Wer sie sind, was sie bewegt, was sie dazu bringt, bis tief in die Nacht an euren Zeilen zu kleben …

Wer steht euch im Weg?

Die gute Nachricht: Anders als Automobilhersteller haben Autoren den Vorteil, dass ihre Produkte von der Kundschaft meist nicht als „entweder-oder-Entscheidung“ getroffen werden.
Die schlechte Nachricht: Speziell Agenturen und Verlage wollen exakt wissen, wer sich in eurem Becken tummelt und nach wessen Büchern die Zielgruppe schnappt. Und dann wollen sie wissen, was euer Buch anders und besser macht. Doch auch im Self-Publishing sollte man das alles beantworten können, denn im Kampf um Sichtbarkeit, wäre es blöd, wenn ihr mit Fahnen kommt, wenn alle anderen mit Feuerwerksraketen spielen.
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Produktplanung

Schreibplanung ist auch Produktplanung. Schreibstruktur, Buchsatz, Cover, Werbung, Kanäle … Mercedes, BMW und Audi reicht es nicht, ein gutes Auto herzustellen, sie vermitteln Emotionen. Apple-Produkte mögen noch so toll sein, aber ein wesentlicher Teil ihres Erfolges stammt daher, dass sie sich feiern lassen. Wie die Geräte verpackt sind, wie es in den Läden aussieht.
Das verträgt auch eine Geschichte.

Zielbestimmung und Kontrolle

Für sinnvolle Schreibplanung müsst ihr wissen, was für euch ein Erfolg ist. Der eine möchte die Amazon-Top 10 erreichen. Dem anderen wäre eine Besprechung im Feuilleton der FAZ wichtiger. Und wie wollt ihr kontrollieren, ob ihr auf dem richtigen Weg seid, damit ihr gegebenenfalls auch Kurskorrekturen vornehmen könnt. Spannend ist auch, wenn man dann sieht, wie andere dorthin gekommen sind. Allein die Beschäftigung mit dieser Frage führt dazu, dass ihr anders, mit Blick auf den Erfolg besser schreibt, als wenn ihr einfach im Kämmerlein sitzend lostippt und betet, dass ihr irgendwann mal bei Johannes Kerner euer Buch vorstellen dürft. Das boostet auch eure Schreibpläne.

Project Management

Was meint ihr, wie oft wir Kundenanfragen bekommen, wenn das Buch bereits hochgeladen ist? Plant lieber in Ruhe. Setzt euch Termine, wann ihr wie weit beim Schreiben gekommen sein wollt. Wann ihr ein Lektorat oder Cover braucht, für die dann auch irgendwer Zeit haben sollte – und zwar idealerweise nicht irgendwer.
Aber auch dafür, wann ihr der Welt davon erstmals erzählt, das Cover, ein paar Texte zum Anfüttern …

Speziell eure Schreibpläne im engeren Sinne sollten realistisch in eure sonstigen Vorsätze passen. Wenn ein Jobwechsel im Haupterwerb ansteht oder auch eine große Reise, ist es vielleicht ratsam, die Ziele nicht zu hoch zu setzen. Sinnvoll ist in jedem Fall, mehrstufig zu planen. Also Schreibziele für das Jahr zu setzen, für den nächsten Monat und natürlich für den einzelnen Tagesdurchschnitt. Damit könnt ihr eure Ziele kontrollieren und gegebenenfalls auch korrigieren.

Damit seid ihr bereits ein gutes Stück auf der Straße, an deren Ende nicht ein erfolgreiches neues Jahr, sondern ein erfolgreiches altes warten wird.

Mehr Tipps und Unterstützung findet ihr auf unseren S4S-Seiten.

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Schreibpläne II:  Risikomanagement

Schreibpläne - Kompass, Antik, WeltkarteDas klingt jetzt recht businesslike, aber um das geht es ja. Professionelles Schreiben für ein Autoreneinkommen. Außerdem – und hier schließe ich von mir auf andere – lehrt die Erfahrung, dass man sich manchmal selbst an seine eigenen Pläne erinnern muss. Und damit das funktioniert, hier ein paar Tipps, um euch und eure Schreibpläne bei der Stange zu halten, denn ein Jahr kann lang werden.

Mit Erfahrung planen

Ihr kennt euch selbst am besten. Woran seid ihr in der Vergangenheit gescheitert? Wo hängt ihr am Ehesten durch? Berücksichtigt auch solche Hürden in euren Plänen. Einmal, um so Fehler in der Vergangenheit zu vermeiden, und auch, um sich dann am Fortschritt zu erfreuen, was tatsächlich einen ehrlich erworbenen Motivationsschub gibt. Zum anderen aber, um auch zu vergegenwärtigen, was ihr schon erreicht habt. Und auch das kann motivierend sein, denn im Alltag, wenn wir unseren Zielen hinterher hetzen, bemerken wir das viel zu selten.

Herzenskontrolle

Vorsätze sind ja oft Verstandeswünsche. Dinge, die wir lieben, machen wir ja ohnehin, da braucht es keinen Vorsatz. Aber das ist doof. So wie ihr euch zur Fassung von Diätplänen ganz fest vorstellen solltet, wie ihr am Ende des Jahres aussehen wollt, solltet ihr auch euren Bucherfolg visualisieren. Eure Wünsche für euch fassbar machen. Das ist die Karotte für die Durststrecke … denn dann wisst ihr, woran ihr dranbleiben wollt.
Warum aber Herzenskontrolle? Weil ihr Ziele, die ihr nicht aus ganzem Herzen wollt, gar nicht erst verfolgen braucht. Dafür ist das Leben zu kurz und die Auswahl zu groß. Und auch die Wahrscheinlichkeit, dass ihr nicht dranbleiben werdet.

Realitätscheck

Wir haben es oben schon kurz angesprochen. Die schönsten Schreibpläne taugen nichts, wenn sie an der Realität scheitern. Egal, welchen Stellenwert Schreiben in eurem Leben einnimmt, es wird Konkurrenz geben. Also seid realistisch und lasst dem Brotjob, dem Haushalt, der Familie, dem Goldfisch den Raum in eurer Planung, die sie brauchen. Und ein hart erworbener Praxistipp: Verplant nicht mehr als 60% der Zeit. Den Rest übernimmt das Leben, das mindestens so kreativ ist wie wir.

Opfergaben

Das klingt jetzt spirituell, ist es aber nicht. Es geht um Verzicht. Denn es ist sehr hilfreich, sich vorher zu überlegen, was man über Bord wirft, wenn es nass reingeht. Worauf wollt ihr verzichten, wie zusätzliche Zeit freischaufeln, um ins Strudeln geratene Pläne wieder auf Kurs zu bringen?

Hilfreich ist, hier zu schauen:

  • Social Media Zeiten kritisch prüfen und sich notfalls temporär einen Entzug verordnen.
  • Zeitfresser-Apps wie Spiele, Magazine und ähnliches
  • Spieleabende, Sport, Serienmarathons etc.

Es geht nicht darum, alles zu streichen, was nicht lebenswichtig ist. Sondern darum, dass man sich überlegt, worauf man notfalls verzichten will. Gerade, wenn der Verzicht schmerzlich wäre, kann es auch motivieren, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Zwischenziele und Konsequenzen

Schreibpläne - Kuchen, Schokolade, DessertUnternehmen überprüfen quartalsweise ihre Ziele und das aus gutem Grund. So bleibt Zeit für die Korrekturen. Und für Belohnungen, wenn ihr auf Kurs seid. Das ist wichtig, denn so wird Erfolg fühlbar. Ihr tankt Selbstvertrauen und das ist nie schlecht. Außerdem hilft es Stress besser zu dosieren:

Kennt ihr die 90:10-Regel? Die besagt, das die letzten 90% der Arbeit üblicherweise in den letzten 10% der Zeit gemacht werden. Eine Unterteilung in Zwischenziele hilft da enorm. Speziell, wenn ihr euch eine Belohnung ausgelobt habt, die ihr auch haben wollt (und euch nicht gebt, wenn ihr versagt). Das funktioniert natürlich auch umgekehrt mit Strafen. Vereinbart mit eurem Partner Putzdienste oder ähnliches und auch, dass es keine Ausreden oder mildernde Umstände geben darf, denn nur dann motiviert das auch. Ob ihr für die Sicherung eurer Schreibpläne eher der Belohnungs- oder der Straftyp seid, das müsst ihr selbst herausfinden.

Tipp: Für die Kontrolle findet ihr hier* eine Übersicht über verschiedene Projektplaner-Apps, von denen wir einige auch schon im Skoutz-Redaktionszimmer ausprobiert haben.

 

Und jetzt, ihr lieben Skoutze, ran an die Tasten.
Auf ein geschichtenreiches, produktives, unterhaltsames und erfolgreiches
nicht mehr ganz neues Jahr 2022!

 

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