Vorbeischauen Vergleichen Verlieben

Skoutz

Ich lebe schon lange heute

Cover von Ich lebe schon lange heute

‚Einmal im Jahr hast du Todestag,es ängstigt dich nicht und du zündest keine Kerze an –das Datum deines Weltuntergangs ist dir unbekannt.‘

Diese aphoristisch zugespitzte Kürzestgeschichte mit dem Titel ‚Morgen früh, wenn Gottwill‘ schlägt den Ton an in diesem Erzählband von Maja Beutler: Die Toten sind im Lebenallgegenwärtig. Das können die längst verstorbenen Eltern sein, die der Tochter – sterbenskrankder Vater, verzweifelt die Mutter – bei einem vielleicht auch nur erträumten Besuchim Haus der Kindheit wieder begegnen. Das kann aber auch eine Tante sein, die im Lebenwohl eine Mauerblümchen-Existenz fristete, plötzlich am Bett der Ich-Erzählerin lasziv vorbeitänzeltund sich in roter Reizwäsche als Muse Goethes imaginiert.Maja Beutler hat mit Scharfsinn und Sinn für Selbstironie das lauernd Bedrohliche undLebensfeindlicheinnerhalb des geschützten bürgerlichen Kreises ausgelotet, wo Ehe undFamilie Hort der Geborgenheit und Gefängnis zugleich sein können.2009, nach 15 Jahren krankheitsbedingten Schweigens, hat sie mit dem Erzählband ‚SchwarzerSchnee‘ eine ‚Wiederauferstehung‘ als Schriftstellerin erlebt. Es waren souveränkomponierteGeschichten mit untergründiger Heiterkeit. Im Alter ist die ‚Wortarchitektin’noch unerbittlicher geworden in ihrem Schreiben, der Abfallkorb ist im Dienste einergrösstmöglichen Verdichtung unverzichtbares Arbeitsinstrument.Schreiben: das wollte die Tochter eines italienischstämmigen Berner Buchdruckereibesitzersschon seit ihrer Jugend.In diesem Erzählband sind neben elf neuen Geschichten auch Texte aus den vergangenen40 Jahren versammelt: etwa aus dem Debüt ‚Flissingen fehlt auf der Karte‘ (1976), aus’Fuss fassen‘ (1980) oder aus ‚Das Bildnis der Doña Quichotte‘ (1989).Es ist einspannender Rundblick auf ein Werk, das in den vergangenen Jahren als Beitrag zurweiblichen Literatur der Schweiz gewürdigt worden ist. Aber Maja Beutler kann auf einenNachruf zu Lebzeiten verzichten, in ihr ist noch eine gehörige Portion Vitalität. Mithilfe derLiteratur hat sich diese Schriftstellerin seit ihren Anfängen immer wieder ‚ins Leben gestürzt‘. Für sie gilt weiterhin, was sie vor fast 30 Jahren geschrieben hat: ‚Wenn ichschreibe, zettle ich jedenfalls Widerstand an – da bin ich ganz sicher.“Ich lebe schon lange heute‘ bietet einen Querschnitt durch ihr Schaffen. Er kann als Zwischenbilanzgelesen und als Signal des erneuten Aufbruchs verstanden werden. Und er ermöglicht,eine Erfahrung zu machen, die Elias Canetti einst so auf den Punkt gebracht hat:’Es steht nicht immer dasselbe in einem Buch.‘ Alexander Sury

ISBN9783729608702
Erschienen1970
AutorenMaja Beutler
VerlagZytglogge
Genre
AusgabeHardcover
Suchen beiAmazonThaliaAnzeige — für Käufe über diese Links erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.

Dieses Buch bewerten

+20 Federn — dieses Buch hat noch niemand bewertet. Für die erste Kurve gibt es das Doppelte. Federn werden einem Konto gutgeschrieben — bewerten kannst du auch ohne.

Du bist nicht angemeldet — das geht trotzdem. Deine Bewertung wird kurz gesichtet und dann freigeschaltet.

Achsen, zu denen du nichts sagen möchtest, einfach auf „keine Angabe“ lassen — das verfälscht den Durchschnitt nicht.

Lesbarkeit anspruchsvoll leicht zu lesen
Stimmung heiter traurig
Zielgruppe jugendlich erwachsen
Gewalt brutal gewaltfrei
Erotik harmlos erotisch

Wir sagen dir Bescheid, sobald deine Bewertung freigeschaltet ist. Danach wird die Adresse gelöscht; gespeichert bleibt nur eine Prüfsumme, damit niemand mehrfach für dasselbe Buch abstimmt.


← Zurück zur Buchsuche

Zuletzt bewertet

Fleißigste Leser

  1. 1skoutz100 🪶
  2. 2Dennis Bönninger40 🪶

Mit einem Konto sammelst du selbst Federn — fürs Bewerten, Rezensieren und Ergänzen.

Willkommen zurück

Mit Google anmelden

oder

Passwort vergessen?

Noch kein Konto? Jetzt registrieren