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Alles hat seine Zeit

Cover von Alles hat seine Zeit

Wer im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, wer Großartiges vollbracht hat, der hat was zu erzählen. Aber ein Mensch, der eigentlich nie aus seiner Region, dem Frankenland, herausgekommen ist, außer auf Urlaubsreisen, was hat der schon zu berichten? In der Tat: nichts Spektakuläres. Und doch könnte vielleicht gerade in einer Zeit, die schnelllebiger denn je ist und zunehmend der Globalisierung unterworfen ist, ein Lebensbericht aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einem überschaubaren Raum interessant sein, weil er so typisch für die Nachkriegsgeneration ist: ein Junge aus dem Kleinbürgertum bekommt die Chance, die soziale Leiter ein Stück hochzuklettern, um dann einer der vielen Träger des politischen und gesellschaftlichen Systems, das sich nach dem Krieg gebildet hat, zu werden. Aus dem Kleinbürger wird ein Angehöriger des Mittelstands, der dankbar für die Möglichkeit des Aufstiegs ist, der gerne und bewusst die etablierte Demokratie mitträgt, der aber nicht minder froh darüber ist, dass er einst die studentische Revolte kennen gelernt hat, weil dadurch sein kritisches Bewusstsein geschärft, ja vielleicht geprägt worden ist. Wenn dieser Lebensbericht dazu beiträgt, dass Ältere sagen können: „Ja, so oder so ähnlich war es auch bei mir damals!“ und wenn Jüngeren dadurch die Nachkriegsgeneration, die sie als Eltern oder Großeltern erleben und die so ganz anders ist, ein wenig näher gebracht wird, hat sich die Absicht des Autors erfüllt.

Vorwort

Warum schreibt jemand sein Leben auf?

Der eine, um mitzuteilen, wie es wirklich war. Der andere, um der Flüchtigkeit der Zeit wenigstens ein bisschen zu entgehen.

Beide Gründe haben mich nicht bewogen, die folgenden Seiten niederzuschreiben. Ich bin keine bekannte Persönlichkeit, von der man sich Enthüllungen erwartet, noch kann und will ich damit dem Vergessen weniger rasch entgehen.

Wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, ist es natürlich, dass man auf die gelebten Jahre zurückblickt. Vielleicht fürchtet man ja, dass man dies bald nicht mehr tun kann. Bei vielen verklären sich die entfernten Kinder- und Jugendjahre; sie möchten sich diese noch einmal vor Augen halten, um Gebrechen und Beschwerlichkeiten des Alters wenigstens kurzfristig zu verdrängen. Oder man möchte auch so etwas wie eine Bilanz ziehen, Soll und Haben gegenüberstellen, eine Rendite ermitteln. Hat sich dies alles gelohnt?

Ich will weder meine Kinder- und Jugendjahre noch einmal erleben, noch will ich der Gegenwart entfliehen. Ich frage mich ebenso wenig – schon gar nicht in der Öffentlichkeit –, ob sich mein Leben gelohnt hat oder ob es ein Flop war. Meine Absicht ist, manches, das in unserer schnelllebigen Zeit zu vergessen droht, zu bewahren, etwa das mittelfränkische Dorf meiner Kindheit und Jugend, das Leben auf dem Lande mit seinen engen Grenzen, die Nachkriegszeit mit ihrem Wandel von Not zum Wohlstand. Ich möchte auch zu manchen Themen Stellung nehmen, die irgendwie mit mir zu tun haben, die aber vielleicht nicht nur für mich relevant sind.

Natürlich weiß ich, dass mein Sein und Werden nicht außergewöhnlich sind, doch bei meinem Rückblick ist mir aufgefallen, dass sie – aus soziologischer Sicht – typisch, exemplarisch für meine Nachkriegsgeneration sind: Ein Mensch von kleinbürgerlichem Herkommen lebt auf dem Land (in Franken), klettert einige Stufen der sozialen Leiter hinauf, weil die Umstände dafür günstig sind, zeigt durch Beruf und Einstellung die Lebensweise eines Mittelstandsangehörigen, entfernt sich nicht nur räumlich von seiner personalen dörflichen Umwelt, lebt in der Stadt und seine Bodenhaftung ist so stark, dass er seinen Lebensraum nur urlaubsbedingt verlässt. In diesem knappen Lebensabriss können sich gewiss viele, die bei Kriegsende oder kurz nach dem Krieg geboren wurden, wiederfinden. Man sollte nicht nur von Zeitgeist, sondern auch von Zeitleben sprechen!

Der Leser wird also vergeblich nach Anekdoten und Histörchen Ausschau halten; ich denke, Schulgeschichten etc. gibt es genügend. Vielleicht vermögen diese Zeilen auch einem jungen Menschen die Nachkriegsgeneration, die als Eltern oder Großeltern erlebt wird, etwas näher zu bringen, beizutragen zum Verständnis, warum sie so ist, wie sie geworden ist.

ISBN9783924270278
Erschienen2018
AutorenKraus Günther
VerlagSchrenk-Verlag
Genre
AusgabeHardcover
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