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Skoutz

Unter Aufsicht

Cover von Unter Aufsicht

Eine wunderbar wilde Erzählung aus der Jugendumweltbewegung
Magnus Czora: Unter Aufsicht
Taschenbuch im Hosentaschenformat, Softcover, 168 Seiten, auf Umweltschutzpapier gedruckt.
2005 im Packpapier- Verlag.
Vorweg: Es ist ganz selten, einem Autor zu begegnen, der bereits in seinem Erstlingswerk so viel fiktive Kraft und erzählerisches Talent entfaltet, wie es Magnus tut. Man hat dieses Buch im Nu durchgelesen- nicht etwa, weil es kurz wäre, sondern weil es von der ersten Seite an eine Anziehungskraft entwickelt, der man sich auf den restlichen 167 Seiten nicht mehr entziehen möchte. Dieses Buch zu lesen, bedeutet, ein Abenteuer zu erleben, das Abenteuer eines Jugendlichen, der sich nicht anpassen will, der aus dem üblichen Trott aus- und in eine Zukunft aufbricht, die er selbst gestaltet.
Etwas zum Inhalt: Als unerhört politischer Jugendlicher steht der junge Mann „unter Aufsicht“, nicht nur unter derjenigen von Lehrern, Erziehern, Eltern, der Erwachsenenwelt im Allgemeinen, sondern auch die Staatsgewalt hat in Form von Polizisten und Sozialarbeitern ein Auge auf ihn geworfen.
Während das provokante Alkoholtrinken und Schwarzfahren in Mehdorns Zügen noch reine Attitüde sein könnte, so kommt in den Versuchen, im Wendlandcamp und in besetzten Häusern eine andere Form des Miteinander- Lebens zu erproben, ein junger Mann zum Vorschein, dem es nicht „scheißegal“ ist, wohin die Gesellschaft steuert. Er lehnt sich gegen die strukturelle Gewalt einer ignoranten, bürgerlich- kapitalorientierten, und tendenziell ausländer- unfreundlichen Welt auf, entdeckt den politischen Widerstand und seine erste Liebe, Kim, eine junge zornige Frau, mit der man kämpfen und träumen kann- bis die Helikopter der Polizei nächtliche Beleuchtungsangriffe über dem Widerstandscamp fliegen – man soll nicht vergessen, dass man, auch beim Träumen, unter Aufsicht steht.
Die Frage, ob und in wiefern sich der Aufbau einer realen Utopie mit der Anwendung von Gewalt verträgt, wird bei zunehmender Repressionserfahrung, sowohl von Seiten des Staates, auch von Seiten der vermeintlich „eigenen Leute“, immer drängender.
Kein zweiter Benjamin Lebert!!! In Abgrenzung zu gepuschten Jungautoren wie einem Benjamin Lebert („Crazy“) wird in „Unter Aufsicht“ keine belanglose Teenager-Biographie um die konsumgeile Jugend oder um sexuelle Abenteuerlein vermarktet. (Übrigens erlebten wir bald darauf mit „Crazy for love“, dem Machwerk einer 13-Jährigen, das Plagiat dieser vom Medienbetrieb inszenierten Geistlosigkeit.) Vom Entwicklungsroman weit und von Hesses Schülerroman „Unterm Rad“ noch weiter entfernt, steht solche Betroffenenliteratur auf dem Niveau der Frauenromane und Schicksalsschmöker, welche die fiktive Kraft der Erzählung konsequent zerstören und den Schriftsteller zum Berichterstatter seiner Selbstüberschätzung werden lassen. Mit so was verbringt man einen langweilen Abend – das Denken befördert es nicht. Bei Magnus Czora hingegen handelt es sich um einen jungen Autor, dem die ehrliche Beschreibung einer politisch engagierten Jugendkultur gelungen ist, und das ganz ohne Eitelkeit und Nabelschau.

ISBN9783931504403
Erschienen1970
AutorenCzora Magnus
VerlagPackpapier
Genre
AusgabeHardcover
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Stimmung heiter traurig
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Gewalt brutal gewaltfrei
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