Vorbeischauen Vergleichen Verlieben

Skoutz

Neue Lyrik aus Österreich Band 7

Cover von Neue Lyrik aus Österreich Band 7

Reisegedichte stellen eine ebenso heikle lyrische Gattung dar wie das Liebesgedicht: die Fallstricke von Kitsch, Oberfläche, verlogener Metapher etc. sind evident. Da braucht es schon einiges an Könnerschaft – und Mut – sich heranzuwagen; und zu bewältigen. Gerald Jatzek bewältigt mit Bravour und Verve. Gedichte aus den frühen 70ern bis herauf ins Jahr 2010 legt er vor und evoziert vor dem inneren Auge der Leserin/des Lesers einen nicht-touristischen Betrachter, der als wichtigstes Gepäckstück eine zerfledderte Kladde mit sich führt – eine manu scriptum im besten Sinne. Aber das ist auch schon das einzige Klischee, welches sich einstellen mag.

Nicht nur über die Jahrzehnte, auch über die Kontinente sammelt Jatzek seine Eindrücke. Wenn es stimmt, dass bereits die Beobachtung die Versuchsanordnung verändert, mag das für das wissenschaftliche Experiment gelten – im vorliegenden Fall erfolgt eine sanfte Metamorphose: der Blick, der nicht durchs Kameraauge gerichtet wird, sondern sich an der Empathie orientiert, transponiert die Erfahrung in Lyrik.

Es riecht nach englischem Regen, es duftet nach Majoran und Minze, es schmeckt nach Schnaps und Fisch, Elend und Glück offenbaren sich unpathetisch und ab und zu wird es eng in der Kehle, nicht nur, weil Bahnhöfe Sehnsuchts- wie Abschiedsorte zu gleichen Teilen sind, sondern weil auch im Weggehen, im Ankommen immer eine vage Tristezza nistet.

Hütten und Paläste sieht der Reisende, zieht weiter an Nebelmorgen, ein Stück Weges begleitet vom Duft frischen Brots, Druiden und Drogensüchtige lässt er hinter sich und nachdem er die Warane besucht hat, trifft er vielleicht sogar ein Einhorn, wer weiß.

Diese Lyrik wäre aber nicht so stimmig und berührend, wenn der Autor sich auf das beschreibende Element beschränken würde, das er fraglos in aller poetischen Konzentration beherrscht: immer ist da auch ein unaufdringliches Reflektieren über das, was ihm begegnet, über das, was Gesellschaften in Momentaufnahmen von sich preisgeben.

ISBN9783850286213
Erschienen2014
AutorenGerald Jatzek
VerlagBerger & Söhne Ferdinand
Genre
AusgabeHardcover
Suchen beiAmazonThaliaAnzeige — für Käufe über diese Links erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.

Dieses Buch bewerten

+20 Federn — dieses Buch hat noch niemand bewertet. Für die erste Kurve gibt es das Doppelte. Federn werden einem Konto gutgeschrieben — bewerten kannst du auch ohne.

Du bist nicht angemeldet — das geht trotzdem. Deine Bewertung wird kurz gesichtet und dann freigeschaltet.

Achsen, zu denen du nichts sagen möchtest, einfach auf „keine Angabe“ lassen — das verfälscht den Durchschnitt nicht.

Lesbarkeit anspruchsvoll leicht zu lesen
Stimmung heiter traurig
Zielgruppe jugendlich erwachsen
Gewalt brutal gewaltfrei
Erotik harmlos erotisch

Wir sagen dir Bescheid, sobald deine Bewertung freigeschaltet ist. Danach wird die Adresse gelöscht; gespeichert bleibt nur eine Prüfsumme, damit niemand mehrfach für dasselbe Buch abstimmt.


← Zurück zur Buchsuche

Zuletzt bewertet

Fleißigste Leser

  1. 1skoutz100 🪶
  2. 2Dennis Bönninger40 🪶

Mit einem Konto sammelst du selbst Federn — fürs Bewerten, Rezensieren und Ergänzen.

Willkommen zurück

Mit Google anmelden

oder

Passwort vergessen?

Noch kein Konto? Jetzt registrieren