zu Besuch bei: Vincent Voss

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Da ich ohnehin schon im Norden war, besuche ich heute auch noch Vincent Voss, der gut getarnt als Chef eines Reiseunternehmens mit seiner Familie in der Nähe von Hamburg lebt und so gekonnt von seiner wahren Berufung als zombiebeschwörender, kannibalisch speisender, chtuluoide Monster pflegender Horror-Autor ablenkt. Aber da wir im Dienste guter Geschichten einfach alles tun, bitte ich heute auch Vincent zum Gespräch.

Horror2 Icon

 

Zu Besuch bei Vincent Voss, der sich auch mal selber quält.

Vincent Voss 2Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Teils fliegen sie mir zu und teils quäle ich mich mit Brainstorming.

Das ist schön, dass es auch Autoren gibt, die mit den Musen erst ringen müssen, bevor sie von ihnen geküsst werden. Und dass ein Horrorautor auch bereit ist, sich selbst aus der Komfortzone heraus zu begeben.

Gute Ideen werden grundsätzlich erst einmal aufgeschrieben. Dann kommen sie in den Gärungskeller, wo sie reifen. Danach werden sie begutachtet und es wird geprüft, ob es eine KG, eine Novelle oder ein Roman werden soll. Meist verknüpfen sich Ideen dann auch, gerade, wenn es sich um Romane handelt. Und oft ist es harte Arbeit. Das ist wie Fitnessstudio.

Haha, dann passt mein Vergleich mit der Muse als Sparringspartner ja.

Abgesehen von einem Vertrag in einem echten Fitness-Studio …

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Da frage ich mich, was es für Gründe geben kann, dass ich nicht mehr schreiben könnte.

Nur zu, wir haben Zeit … 

Vielleicht sind mir die Hände von einem irren Folterknecht abgehackt oder von einem cthutoloiden Monster abgebissen worden?

Zum Beispiel …Und sonst?

Zeitgründe? Krankheit? Hm … Ich denke, dass das, was aus mir raus muss, sich dann ein anderes kreatives und friedfertiges 😉 Ventil suchen würde. Wahrscheinlich würde ich dann Zahnarzt werden.

Boah! Sagst du und grinst mich an. Als bekennend Dentaphobe schiebe ich dir da mit zitternden Händen das Buch von Fred Ink über den Tisch, der sich in „Schmerzfresser“ ja auch mit Zahnärzten befasst.

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Nie. Mir war als Texter und Shouter einer Terror-Jazz-Band nie wirklich klar, dass ich „schreibe“, aber die meisten Texte hatten so was wie einen kranken und bescheuerten Tiefgang. Und seit ich schreibe, sind mir noch nicht einmal Zweifel gekommen.

Gut. Das mit der Terror-Jazz-Band würde ich gern gelegentlich noch mal vertiefen, denn das klingt sauspannend. 🙂  Und dass du uns – Friedfertigkeit cthutuloider Monster vorausgesetzt – als Autor erst mal erhalten bleibst, wird deine Fans beruhigen. Und mich, dass du vorerst nicht auf Zahnarzt umlernst.

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Also da gibt es drei, die sich auf verschieden Emotionen aufteilen.

Dann erzählt mal!

Das eine war, als ich mal wieder einen Ausflug in die erzählende Literatur unternommen habe und über ein menschliches Schicksal schreiben wollte. Eine Kurzgeschichte. Völlig unerwartet fing ich an zu heulen und konnte bis zum Ende nicht mehr aufhören. Da ich wahrscheinlich so alle 10 Jahre und immer zum Ende von A.I mal kräftig heule, war das schon bemerkenswert.

Ja, manchmal sticht man in einer ganz banalen Situation so eine verdrängte Emotion an, die dann förmlich explodiert. Mir ist das passiert, als ich Jahre nach dem Tod meiner Mutter, beim Autofahren im Radio eine Kinobesprechung über einen Film gehört habe, der grob ein vergleichbares Schicksal thematisiert hat. Und plötzlich musste ich so heulen, dass ich auf dem Seitenstreifen halten musste, weil ich nicht mehr fahren konnte.

Auch Angst ist sehr emotional und es kann bei mir dazu führen, dass ich nachts Hausrundgänge mache, weil mich meine eigene Geschichte gruselt.

Abgesehen davon, dass ich selbst dann eher wie gelähmt im Bett sitze und auf das lausche, was einem ein so altes Haus wie meins so zu erzählen hat, freut mich ehrlich gesagt, dass du dich da mit deinem Horror auch selbst quälst.

Und zum Schluss hatte ich beim Schreiben einer Szene, die in meinem neuen Roman „Frischfleisch – Nullpersonen“ vorkommt. Die war so skurril, abgedreht und geschmacklos, dass ich mich während des Schreibens in einem Cafe beobachtet fühlte, bzw. dachte man würde mir meinen Wahnsinn im Gesicht ablesen können und das brachte mich zu einem Lachanfall, den ich nicht so schnell kontrolliert bekam.

Kopfkino!! Ich stelle mir gerade weniger dich, also vielmehr die armen anderen Gäste vor, wie sie diskret wegschauen und auf ihren Stühlen rücken, während der freundliche Kerl über seinem Cappuccino erst mit einem irren Kichern ansetzt und dann zu einem gutturalem „Muhaha“ überschwenkt, bevor er sie mit irrem Blick mustert.

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Sehr, sehr viel. Pforr allem bwie kanniballiftiffen Fenen pfind fehr aututbiogafipf.

Liebe Leser, ich freue mich, euch mitteilen zu können, dass ich vollständig das Haus Voss wieder verlassen habe. Über das Mettbrötchen möchte ich hingegen gerade lieber nicht nachdenken.

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Ich freue mich über Äußerungen, wie „Seit ich dein Buch gelesen habe, mag ich nicht mehr mit meinem Hund im Moor spazieren gehen/meine Getränke nicht aus dem Automaten ziehen/nicht mehr in ein Flugzeug steigen und und und.

Du bist ein böser, böser Mensch.

Selbstverständlich würde ich mir auch ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen können, sollte ich mit einem Horror-Roman es einmal auf die Bestseller-Liste schaffen.

Da nur ein Schmunzeln? Nach der Café-Szene vorhin glaube ich das nicht so recht.

Und „Vincent, ich will ein Kind von dir!“, gerne auch als T-Shirt in Fanscharen. Ginge auch.

Öhm… Ich gebe es weiter.

Abgesehen von Groupies …

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Na ja, der ideale Leser ist der, der, nachdem er etwas von mir gelesen hat, nach weiteren Büchern von mir Ausschau hält. Bestenfalls hinterlässt er irgendwo eine ehrliche Rezension oder Meinung zu dem Buch und empfiehlt es weiter. Er oder sie fragt dann irgendwann bei mir an, ob ich in seinem oder ihrem Wohnort lesen kann und organisiert anschließend eine bezahlte Lesemöglichkeit. Anschließend trinken wir gemeinsam Bier bis in die frühen Morgenstunden und … ach das führt alles zu weit.

Ich weiß, erstens weil ich immer noch bei den Groupies hänge und zweitens weil ich nicht sicher bin, ob ich Crossgenre aus Horror und Erotik verkrafte. Wobei Demetria Cornfield über sowas nachdenkt.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Mit allen.

Ah, du gehörst also wie ich auch zu den konfliktbereiten Autoren. Wundert mich jetzt angesichts deiner vielleicht nicht masochistischen, aber doch mindestens selbstfordernden Arbeitsweise nicht. Und warum?

Weil meine Protagonisten keine Helden, sondern normale Menschen sind, die dem übernatürlichen Horror begegnen. Und normale Menschen haben Probleme IN Beziehungen, weil es völlig normal ist. Und Probleme zu lösen ist immer schwierig.

Naja, sonst wäre es auch kein Problem, sondern bestenfalls ärgerlich. Das hat ja nicht unbedingt was mit dem Innenverhältnis zwischen Autor und Figur zu tun, aber ich glaube ich weiß, was du meinst.

Was ich nicht so gerne lese, sind die glattgeschliffenen Romanhelden, die sich für eine gemeinnützige Organisation einsetzen, um Kindern zu helfen, schnell Autos reparieren können, wenn eines liegen bleibt und wenn es zur Sache geht, auch Meister einer exotischen Kampfsportart sind.

Da sprichst du mir aus der Seele. Ich nenne das immer den satirisch überhöhten Helden, das wirft mich aus dem Lesefluss (oder auch aus dem Film, Hollywood hat das auch gern!), wenn ich aufgrund dieser Perfektion, an der alles Unbill wie Wasser von Teflon abprallt, den Bezug zum Helden verliere. Meine Figuren sind da auch eher so normal, dass auch der Leser sie schon gern mal schütteln wollte, um die Hirnwindungen wieder auszurichten – so wie man das mit echten Freunden eben auch macht/machen will.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Freust du dich darüber, den Skoutz-Award in der Kategorie Horror gewonnen zu haben?

Das ist die aus Skoutz-Sicht bisher schönste Frage auf unsere Frage. Dafür bekommst du auf jeden Fall den Ehrenskoutz am Schlüsselband! Lieber Vincent, es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, dich mit dir zu unterhalten und auch wenn ich immer noch nicht wissen will, was ich da gerade gegessen habe, freue ich mich darauf, dich in Frankfurt zu treffen und drücke dir die Daumen, dass das dann auf der Bühne für die Preisverleihung sein wird.   🙂

 

Hier könnt ihr Vincent Voss treffen:

Autorenhomepage von Vincent Voss

Verlagsseite von Vincent Voss

 

Skoutz-Lesetipp: Tödlicher Gruß – Hochspannung von Vincent Voss

Tödlicher GrussMitten in der Nacht wird der junge Bestatter Armin Weidener zu einem Unfallort gerufen. Während der Notarzt noch versucht, das Leben der verunglückten Frau zu retten, bemerkt Armin, dass aus dem Radio des Unfallwagens immer wieder ein und derselbe Song ertönt.
Als zwanzig Jahre später eine Leiche aus Armins Kühlhalle verschwindet, hört er wieder diesen Song. Zunächst hält Armin alles für einen blöden Streich. Doch schon bald muss er erkennen, dass ihn jemand in eine tödliche Falle locken will. Jemand aus seiner Vergangenheit.
Um sich und seine Familie zu schützen, muss er einer blutigen Spur folgen …

Skoutz meint: Eine fiese kleine Geschichte, die allein dadurch, dass der Protagonist ausgerechnet Leichenbestatter ist, schon mal einen leicht gruseligen Einstieg bietet. Die Handlung nimmt sofort Fahrt auf und steigert sich bis zu einem abrupten Finale (was jetzt bei Kurzgeschichten nicht unüblich ist). Die Protagonisten sind dicht beschrieben, die Handlung entwickelt sich logisch – und das ist gerade das besonders schaurige an dieser Geschichte. Man fragt sich automatisch, ob das nicht wirklich passieren könnte …

 

 

WasserHinweis:

Mit seinem paranormalen Horrorroman „Wasser“ hat Vincent Voss unsere Jurorin Demetria Cornfield so begeistert, dass sie das Buch aus über 100 vorgeschlagenen Titeln in die Midlist Horror des Skoutz-Awards 2016 gewählt hat. Dann wurde Wasser in einem unfassbar spannenden Rennen von den Skoutz-Lesern und der restlichen Jury in die Shortlist gewählt. Es tritt daher als eins der drei Genrebesten im September an, um den Horror-Skoutz 2016 zu gewinnen.

Also hat sich unsere Redaktion den vom Verlag Torsten Low veröffentlichten Horrorroman, bei dem das Böse mit dem Wasser kommt, um Jugendliche zu jagen, genauer angesehen und sofort nach dem Abtrocknen ausführlich besprochen (weiterlesen).

 

 

Vincent Voss sagt zu seiner Nominierung: Erst einmal sollten die Leser, die jetzt abstimmen wollen, sich die Mühe machen, auch die Bücher der anderen Kolleginnen und Kollegen durchlesen. Ich kenne einige Werke dort und finde sie allesamt gut und sehr gut. Mein Buch sollten sie nur dann wählen, wenn sie es auch am besten finden. Das Besondere an Wasser ist die Zeit in der es spielt (80er) und dass es dennoch aktuell ist. Und die Freundschaft, um die es geht.

 

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