zu Besuch bei: Tom Finn

 

 

Heute bin ich zu Besuch bei einem Autorenkollegen Tom Finn, mit dem mich seit vielen Jahren eine Freundschaft verbindet, die aus der gemeinsamen Begeisterung für Fantasy und Pen & Paper-Rollenspiele entstanden ist. Trotz der Distanz zwischen Hamburg und München klappt das ganz gut und es ist immer schön, wenn wir uns auf den diversen Buchmessen und Cons dann auch mal live treffen können. Tom Finn war mir dabei mit seiner Begeisterung für seine Geschichten und seiner Art, von ihnen zu sprechen, immer Inspiration und Ansporn und einer meiner “greifbaren” Vorbilder, die schuld daran waren, dass ich einfach mal ein Buch veröffentlicht habe.

Entsprechend begeistert bin ich, dass ich ihn euch heute einmal vorstellen darf:

 

Kay zu Besuch bei Tom Finn, einem im doppelten Wortsinne fantastischen Autor

Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Ich bin schlicht ein begeisterter Geschichtenerzähler.

Das ist schon mal ein guter Anfang. Erzähl uns doch bitte von dieser Begeisterung und woher sie kommt.

Eigentlich gibt es für mich kaum etwas Größeres, als andere Menschen möglichst gut zu unterhalten. Erstmals bewusst wurde mir das, als ich 1984 die Fantasy-Rollenspiele kennenlernte, die diese Begeisterung in einen richtigen Kanal lenkten. Und dann noch einmal am Ende von Ausbildung und Studium – ich habe Werbekaufmann gelernt und anschließend VWL studiert -, als ich mich ernsthaft der Entscheidung stellen musste, ob ich mein Leben lieber mit Werbung und Marketing verbringen will, oder nicht doch lieber so etwas Unsicheres versuchen sollte, wie diese Leidenschaft beruflich auszuüben.

Der Schritt in einen künstlerischen Beruf ist sehr mutig. Ich persönlich bin ja bisher zu feige dafür. Aber auch da bist du Vorbild, denn tatsächlich klappt es bei dir ja sehr gut. Du kannst nicht nur mit Büchern leben, sondern auch von ihnen. 🙂
Wie aber kommst du zu dem Stoff, den du in Geschichten und  dann eben auch in deine Bücher “gießt”?

Ideen habe ich wie Sand am Meer. Ich denke, meine Kreativität ist auch mein größtes Kapital. Ich sauge wie ein Schwamm alles an Eindrücken auf, was ich höre, lese und sehe und immerzu durchpflügt mein Hirn den Inhalt nach interessanten Aufhängern für neue aufregende Geschichten. Kurz: Mein komplettes Leben ist dem Geschichten erzählen untergeordnet. Und wenn ich schreibe, dann wie manisch. Bis die neue Story fertig ist.

Darum sagt man ja auch:  Seid nett zu Autoren, denn sonst passieren euch im nächsten Buch schlimme Dinge. Oder mit anderen Worten: Alles was man vor einem Autor sagt oder macht, kann und wird verwendet werden.

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Ganz schwierige Frage.

Danke! Wir geben uns Mühe. Die schwierigsten Fragen ergeben die spannendsten Antworten.

Ich war schon immer politisch. Und seit den letzten Jahren, besser: Seit man fassungslos miterleben muss, wie ein nicht gerade kleiner Teil unserer Bevölkerung allmählich wegen jedem Mist durchzudrehen scheint und politische Agitatoren von rechts wie links zunehmend versuchen, unsere Demokratie zu unterhöhlen, verspüre ich zunehmend den Drang, mich selbst mehr politisch zu engagieren. Ich würde daher vermutlich in die Politik gehen.

Das ist ein sehr wichtiger Gedanke, gerade weil es um die Alternative zum Schreiben geht. Als Autor kann man ja durchaus etwas bewirken, in dem man in der Geschichte Probleme und Lösungen aufzeigt und alternative Gegenvorschläge zu vermeintlich Unabdingbaren entwirft. Die Protagonisten einer Geschichte leben Moral- und Wervorstellungen ebenso wie Handlungsempfehlungen vor. Ich persönlich habe über Loyalität, Freundschaft und Mut sehr, sehr viel aus meiner Lektüre gelernt.

 Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Als die Auftragslage so schlecht wurde, dass ich allmählich Gefahr lief, meine Miete nicht mehr finanzieren zu können. Der Tiefpunkt war 2011 erreicht, als die Verlage vor lauter Twilight-Verzweiflung fast wahllos nur noch Vampir- oder Romantasy-Geschichten brachten und dazu den amerikanischen Markt der letzten 20 Jahre leerkauften. Da ging für uns deutsche Autoren fast gar nichts mehr. Zumindest als Mann.

Echt? Frauen sind mal im Vorteil. Aber man nicht als Autor ja sehr bequem das Geschlecht wechseln? Ich kenne Autorinnen, die bewusst als Mann schreiben, ebenso wie umgekehrt. Michael Meisheit etwa schreibt ja als Frau Mansini. 🙂 Und andere Autoren lassen zunächst das Geschlecht offen, weil sie nur mit Initialen auf dem Cover stehen.

Ehrlich gesagt kam ich nicht auf diese naheliegende Idee – und ich weiß auch nicht, ob ich mit der Nummer bei den fast durchweg weiblichen Redakteurinnen und Lektorinnen durchgekommen wäre (lacht) Aber ich schätze, ich hätte auch nicht gewollt.

Wie ging es dann weiter?

Glücklicherweise – muss ich heute sagen – kollabierte der verlegerische Wahnsinn rasch. Und dIa sich nirgendwo ein neuer Trend abzeichnete, auf den man aufspringen konnte, waren endlich wieder neue frische Ideen gefragt. Und die konnte ich zum Glück anbieten.

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Da gibt es einige.

Gerne! Wir haben Zeit.

Während des Schreibens war das vermutlicher jener Augenblick, als bei meiner bislang epischten Saga, den aus vier Bänden bestehenden „Chroniken der Nebelkriege“ – die demnächst übrigens komplett neu aufgelegt werden – eine wichtige Hauptfigur starb. Da flossen sogar bei mir Tränen. Aber so muss das sein. Wenn dich deine Geschichten nicht selbst berühren, hast du als Autor grundsätzlich etwas falsch gemacht.

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Wenig. Einige Leser stellen sich vermutlich vor, dass man seine Figuren immer so agieren lässt, wie man selbst als Privatperson handeln würde. Aber das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Als Erzähler muss man vielmehr ein hohes Abstraktionsvermögen aufbringen, um sich in viele unterschiedliche Figuren hineinversetzen zu können.

Womit ja auch zu einem Teil durch die Hintertür wieder der Autor hineinkommt. Man kann seine eigenen Erfahrungen ja bei der Beschreibung von Szenen und Lösungen nicht ausblenden. Ich meine, wenn eine an sich vorgegebene Figur beim Rollenspiel von zwei verschiedenen Spielern gespielt wird, dann können sie sich noch so zurücknehmen, es wird sich nicht gleichen, weil sie in der Handlungs- und Rollengestaltung auf verschiedene Erfahrungen zurückgreifen. Das ist ja selbst beim Theater so, wo die Handlung in der Regel vorgegeben ist. Mein Lieblingsbegriff dabei kommt von Mirjam Müntefering: Emotional autobiografisch.

Naja, deswegen sagte ich “wenig”. Ich kann natürlich nicht verhindern, dass meine Figuren vielleicht doch ein wenig so wie ich selbst handeln. Aber stets streng im Rahmen der Handlung.

Was ist für dich in der Geschichte oder bei den Figuren, die sie transporiteren am Wichtigsten?

Da ist eher die Frage entscheidend, was die innere Motivation der jeweiligen Figur ist; was genau sie antreibt? Und in jedem Fall ist auch ein bisschen spielerische Gehässigkeit und böser Humor nicht verkehrt, gerade wenn es zu Konflikten und Dialogen mit den Antagonisten kommt. Da tritt keiner ab, ohne vorher nicht noch einen guten Spruch gemacht zu haben, nach dem man sich freut, wenn der Held der Handlung schließlich doch obsiegt. Lesen ist da ein bisschen wie Kino. Ich bemühe mich überhaupt sehr um möglichst cineastische Leseerlebnisse.

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Dass ich meine Leser gut unterhalte. Ich bin schließlich Unterhaltungsautor.

Das kann ich dir gerne attestieren. Als Leser ebenso wie als Beobachter deiner Zuhörer bei diversen Lesungen. 🙂

Reicht dir das wirklich?

Ja, das ist es im Kern. Mein Anspruch ist es, möglichst perfekt zu unterhalten. Nichts mehr, aber auch nichts weniger. Und das, obwohl mir absolut bewusst ist, dass es das perfekte Buch nicht gibt. Dass die Begeisterung für ein Buch immer von Leser zu Leser wechselt.

Es ist doch spannend, sich nach etwas Unerreichbarem zu strecken. Nur dann wächst man über sich hinaus und immer weiter. Wobei ich denke, dass die Lesebegeisterung nicht nur von Leser zu Leser schwankt, sondern auch von der Situation. Ich habe sehr viele Bücher im Regal, die ihre Zeit brauchen, die nur wirken, wenn das Umfeld stimmt. Geschichten, die ich nur in einer bestimmten Ausgangsstimmung (auf mich) wirken lassen kann.

Aber das bringt mich gleich zur nächsten Frage:

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Das sind natürlich jene treuen Leser, die mich von Anbeginn an durch all die verschiedenen Genres begleitet haben, in denen ich mich bislang ausgetobt habe. Also all jene, die abseits auch persönlicher Vorlieben das Vertrauen in mich als Autor setzen, dass ich sie schon gut unterhalten werde, egal, was ich gerade wieder ausgeknobelt habe.

Ist mir da etwas entgangen?

Vielleicht. Ich hatte ja bislang das große Privileg, mich in verschiedenen Genres bewegen zu dürfen: High Fantasy, Mystery, Horror, Krimi, Science Fiction …

Oha! Lieber Tom, ich denke, wir werden diesem Interview noch eine ausführliche Bibliografie hinterherschicken.

Genau diese erzählerische Bandbreite, beginnend bei „Harry Potter“, über „Stranger Things“ bis hin zu „Expanse“ entspricht ja auch meinem persönlichen Geschmack. Sieht man sich jedoch um, werden sehr viele Kollegen mit genau einem klar definierten Buchprojekt oder Genre in Verbindung gebracht. Bei mir war das zum Glück anders. Mein erzählerisches Hauptthema ist und bleibt zwar die Phantastik in all ihren Facetten, aber gerade der beständige Themenwechsel von Projekt zu Projekt ist es, was das Schreiben so aufregend macht.

So hatte ich mich wahnsinnig darüber gefreut, mit dem derzeit erschienenen Piper-Titel „Glühender Zorn“ – erschienen unter meinem neuen High Fantasy-Pseudonym „F.I. Thomas“ – endlich einmal wieder in die High Fantasy eintauchen zu dürfen.

Das Buch habe ich mir ja zu Gemüte geführt. Dazu kommen wir gleich. Was gibt es denn sonst noch so an Projekten in nächster Zeit?

Jetzt gerade habe ich mit dem im Frühjahr 2018 bei Knaur erscheinenden Titel „Lost Souls“ einen neuen Horror- und Mysterythriller abgeschlossen, bevor es ab Januar mit „Flammendes Erbe“ wieder zurück in die Jungen Königreiche von „Glühender Zorn“ geht, der die hoffentlich spannende Geschichte möglichst fulminant fortsetzt.

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Bei keinem. Ich mag sie bis heute alle – was auch daran liegt, dass ich mir über jeden meiner Protagonisten schon im Vorfeld viele Gedanken mache.

Man liebt ja häufig seine Problemkinder gerade ganz besonders. Wie schaffst du das, dass es z.B. zwischen Plotvorgaben und Charakterentwicklung nicht zu Spannungen kommt?

Ich würde sie nicht auftreten lassen, wenn ich Probleme mit ihnen hätte. Im Gegenteil, ich freue mich über jeden von ihnen gleichermaßen, egal wie unterschiedlich sie sind.

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Übst du deinen Traumberuf aus?

Lieber Tom, das ist ein schöner Abschluss und zwar umso mehr, als du mit deinem Beruf nicht nur glücklich bist, sondern auch glücklich machst. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg mit deinen Projekten und freue mich schon auf deine Bibliografie. Und darauf, dass wir uns hoffentlich bald mal wieder auch im echten Leben treffen.

 

Hier könnt ihr Tom Finn treffen:

Tom Finn auf Facebook

Autorenhomepage von Tom Finn

 

Skoutz-Lesetipp: Glühender Zorn (Krieg der Drachen I) – wuchtige High Fantasy von F.I. Thomas (aka Tom Finn)

Sechs Magier, sechs Novizen – und ein Krieg beginnt.

Jahrhunderte sind vergangen, seit sich die Bewohner der Jungen Königreiche von der Schreckensherrschaft der Drachen befreit haben. Das kostbare Vermächtnis der Drachen, die Zauberei, liegt jetzt in den Händen von sechs Magiern. Doch deren Novizen kommen einer schrecklichen Tatsache auf die Spur: Sie sollen getötet werden, um ihren machtgierigen Lehrmeistern so die Unsterblichkeit zu verleihen. Gejagt von den mächtigsten Zauberern der Welt, versuchen die jungen Magier nun selbst, ihr Wissen zu mehren und das Geheimnis der Zauberei zu ergründen. Doch hinter der Magie steckt eine furchtbare Wahrheit, deren Entdeckung die alten Zauberer unbedingt zu verhindern suchen. Es entbrennt ein magischer Krieg, als unerwartet ein alter Feind zurückkehrt …

Skoutz meint:Glühender Zorn ist High Fantasy. Das heißt, der Leser muss bereit sein, sich auf eine neue Welt einzulassen und auch, sich in dieser zurechtzufinden. Der Entwurf solcher Welten ist Segen und Fluch des Genres, denn für den Leser ist das immer ein Sprung in kaltes Wasser mit unberechenbarer Strömung. Wer sich dem aussetzt, wird auch hier reich belohnt. Die Welt und speziell ihr Magiesystem haben es in sich und werden gewiss auch über mehrere Bände hinweg unterhalten.

Anfangs schickt F.I. Thomas den Leser seinen Protagonisten, den sechs Magieradepten, auf getrennten Pfaden durch ihre jeweiligen Abenteuer hinterher. Man lernt sie und ihre Beweggründe kennen und sie mehr oder weniger lieben. Mosaikartig entsteht dabei nicht nur eine gewisse Erwartung, wohin die Handlung einen führen wird, sondern auch ein Gefühl für die Welt und ihre Geschichte, die für die Ereignisse sehr wichtig ist. Geschickt werden historische Ereignisse, (sehr) moderne Machtfantasien und persönliche mehr oder minder edle Beweggründe zum Nährboden epischer Schlachten aufbereitet, bis sich das alles in einem furiosen Finale entlädt … und Lust auf die Fortsetzung macht.

Es war angenehm, wie man gerade durch überraschende Wendungen immer mehr von den Figuren erfährt, wie die Welt dargestellt wird, ohne mit langatmigen Beschreibungen zu belasten und wie man unmerklich mit jedem Umblättern schneller liest, bis man dann gegen Schluss versucht, langsamer zu lesen, damit es nicht so schnell vorbei ist. Hat nicht geklappt. Bookhangover inklusive.

Wer neugierig geworden ist, kann das bei Piper verlegte Buch hier bei Amazon, aber auch überall sonst im Buchhandel kaufen.

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