zu Besuch bei Thorsten Küper

Heute bin ich in einer virtuellen Welt zu Besuch. Der Herr über Second Life, gewährt mir eine Audienz. Ich schleiche da ja schon geraume Zeit um dieses Reich aus Bits und Bytes herum und bin daher doppelt gespannt, was mich heute hier erwarten wird. Thorsten Küper, den ich eigentlich als Vorlesepartner von Anja Bagus kenne, ist in diesem Jahr Herr unserer Kategorie Anthologie bei Skoutz-Award und eine echte Bereicherung für unsere Jury. Doch seht selbst:

Zu Besuch bei Thorsten Küper, einem überaus vielseitigen Vollblutgeschichtenerzähler.

Beschreibe dich in einem Wort!

Buchmensch wäre sicher zutreffend.

Ja, hätte ich auch gedacht. Was lässt dich zögern?

Aber bei dem, was ich alles so mache (Blogger, Vorleser, Sprecher, Lesungsorganisator und -moderator, Schriftsteller, Filmemacher, Virtual Reality Comedian) trifft es Medienaktivist wohl eher.

Das ist jedenfalls deutich exklusiver als Buchmensch.

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept?

Es gibt ein kleines Buch dafür und viele, viele Zettel. Außerdem hängen wichtige Sätze; Ideen und Fakten immer unten am Manuskript. Solange, bis sie eingearbeitet sind.

So ähnlich mache ich das auch. Meine Dateienden schauen immer vogelwild aus. Da würde ich gerne mal deine Notizenden sehen.

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

Dank hohem Kaffeekonsum und Hang zum Belohnungsimbiss im Minutentakt haben sie alle gleichermaßen gelitten. Zwischen den Tasten klebt ein kleines Universum, das jeden Biologen faszinieren würde. Das gilt allerdings für jede Tastatur, behaupte ich.

Ich habe mal gelesen, ein Touchpad sei unygienischer als ein Bahnhofs-Klo, aber aus der Erfahrung eines Tastaturknusperers vermute ich, deine Biologen würden da zwischen mikro- und makrobiotischen Untermietern unterscheiden.

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

Wieso wenn? Meine Frau, Kirsten Riehl, bietet mir täglich einen perfekten Autorentag.

Dann gehörst du zu den wenigen Menschen, die ich aufrichtig und aus vollem Herzen beneide.

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Virtual Reality spielt immer wieder eine Rolle in meinen Geschichten.

Ha!

Dass ich seit Jahren Lesungen, Comedyshows, Theaterstücke und auch Filme in Second Life und anderen Grids mache, könnte man als autobiographischen Einfluss interpretieren.

Ja! Ich bewundere wirklich aufrichtig, was du alles auf die Beine stellst. Und wenn du da noch deine virtuellen Abenteuer in deinen Geschichten verwenden kannst, bist du auch noch ein Ausbund an Effizienz.

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

Die Muse tritt auf den Plan, wenn sie das will.

Das ist ja typisch für Musen. Aber da halte ich es mit der Glücklandetheorie. Köder auslegen schadet ja nicht. Aber okay, wie gehst du mit Schreibblockaden um, wenn die Muse im Stau steht?

Schreibblockaden? Lassen sich nicht überwinden, in dem man mit dem Kopf durch die Wand rennt. Entspannen und abwarten.

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Ich bin nicht nur Schriftsteller sondern auch Lesungsorganisator, Moderator und auch Blogger. Die Vorarbeiten für die Veranstaltungen, also die Werbung, die Organisation und viele andere Details nehmen viel meiner Zeit in Anspruch. Aber das befreit mich auch davon, mich in eine Geschichte zu verbeissen, wenn es mal nicht weitergeht.

Das ist natürlich auch eine Methode, um Schreibblockaden zu umfahren. 🙂

Als Kurzgeschichtenautor habe ich mit dem Marketing in der Regel nichts zu tun. Aber wenn sich die Gelegenheit bietet, mache ich jederzeit gern Lesungen.

Da können wir bestimmt für Skoutz mal was organisieren.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Man muss nicht selber Schriftsteller sein, um ein schlechtes Buch als solches zu erkennen. Jeder erfahrene Leser hat einen inneren Lektor.

Da möchte ich dir zugleich zustimmen und widersprechen. Einerseits bin absolut der Ansicht, dass sich jeder Mensch zu allem, was ihm begegnet, eine Meinung bilden kann. Andererseits nehme ich zum Beispiel als Leser mehr den Wald, also den Gesamteindruck, wahr. Und als Autor achte ich auf den Baum, die Äste, jedes kleine Detail. Darum lese ich privat lieber Englisch. Da kann ich das Analytische leichter ausschließen.

Aber was begeistert dich?

Mir machen die unterschiedlichsten Bücher Spaß. Manche anspruchsvoll, manche einfach nur actionlastig und/oder spannend. Ich bin zwar Physiker, aber ich übersehe gern, wenn irgendwas nicht ganz passt, solange die Story stimmt. In dem Universum geht das dann eben.

Schade, dass wir nicht so viel Zeit haben. Mit dieser Einstellung aus dem Munde eines Physikers würde ich mich wirklich gern mal mit dir über sinnvolle Recherchetiefe für eine Geschichte unterhalten. Das fände ich sehr spannend.

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deiner Geschichte trennen?

Mein Brotberuf.
Absurde bürokratische Verpflichtungen.
Mich in sozialen Netzwerken umsehen und äußern.
Die Organisation virtueller Lesungen,

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am Liebsten?

Mit der Organisation virtueller Lesungen.
Ein Buch lesen und dabei eine Zigarre rauchen.
Nur eine Zigarre rauchen.
Conventions, Mittelaltermärkte, Antikmärkte.
Mich in sozialen Netzwerken herumzutreiben.

Wenn man sich die letzten beiden Antworten so ansieht, scheint dein Leben durchaus über schmale Grade zu führen. Willkommene Zerstreuung und gefährliche Ablenkung so eng beisammen…

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Im Gegensatz zum realen Leben gibt es in meinen Universen keine Schwierigkeiten. Wen ich nicht mag, bringe ich um.

Mit dieser Drohung wäre ich als Prota auch brav.

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

Überschaubar. Kenne ich die Pointe nicht, wird die Geschichte auch nicht geschrieben.

Kann man dann sagen, du schreibst quasi rückwärts? Das macht deine Schlussnotizen aus der ersten Frage noch viel spannender.

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Das emotionalste Erlebnis war ohne Zweifel, die Trauerrede für meinen verstorbenen Freund und Kollegen Bernhard Giersche geschrieben und auf seiner Beerdigung gehalten zu haben. Ich möchte so etwas nie wieder tun müssen, bin aber froh und stolz darauf, dass Bernhard die Rede kannte und dass sie ihm gefallen hat.

Kurios waren nicht autorisierte Übersetzungen meiner Geschichten ins Tschechische und ins Italienische, und autorisierte Übersetzungen ins Englische, Bulgarische und Rumänische.

Du sprichst bulgarisch und rumänisch?

Wie definierst du Erfolg?

Finanzieller Erfolg ist nicht zu leugnen. Damit kann man üblicherweise seine Umgebung beeindrucken.

Klingt, als sei das nicht alles?

Freude am Feedback, dem Lob, den Kontakten, der Resonanz ist dagegen abstrakt und nicht für jeden nachvollziehbar. Aber für mich funktioniert das. Das größte Kompliment: Das war eine großartige Geschichte. Und am besten kommt das von jemandem, den man überhaupt nicht kennt.

Fürchtest du Schmeichler?

Literaturpreise. Man kann sich darüber ärgern. Das ist mir leider auch schon passiert. Das Schlimmste, was man tun kann, ist seinen Umnut darüber zu äußern, wenn man den Eindruck hat, übersehen zu werden. Auch das habe ich schon mal getan. Schriftsteller sind eben auch Sensibelchen. Zumindest, wenn es ium die eigenen Texte geht.

Oh ja. Es hat Vor- und Nachteile, dass ich von Anfang an weiß, dass ich nie auch nur die Midlist des Skoutz-Awards erreichen kann.

Es gibt keinen perfekt funktionierenden Literaturpreis. Wie sollten wir auch die Erfüllung unseres subjektiven Lesebedürfnisses objektiv bewerten?

Das ist richtig schwer, ja. Darum versuchen wir mit einer wechselnden Jury und einer Kombination aus Leser- und Jurypreis sowohl handwerkliche als auch lesebedürftige Aspekte in dem Preis zu vereinen. 

Jeder der schreibt, wird sich mindestens einmal darüber ärgern, auf mindestens einer von all diesen Listen nicht erwähnt worden zu sein.

Das gehört aber auch dazu. Nur ein unzufriedener Künstler ist bereit, das wirklich Beste aus sich herauszuholen. Von daher ist ein bisschen Frust wohlkalkuliert.

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Möchten sie den Interview-Belohnungs-Gutschein für die fünf Tage Wellness-Hotel mit Zigarrenlounge direkt ab Freitag einlösen?

 

Dankeschön! Thorsten, dieses Interview hat mir wirkich besonders viel Freude gemacht und auch, wenn das Skoutz-Budget noch keine Wellness-Hotels für dich und deine Fee zulässt, verspreche ich dir, dass ich dir beim nächsten Mal wenigstens eine Zigarre mitbringe. Ich freue mich schon auf deine Midlist Anthologie.

Hier könnt ihr Thorsten Küper erreichen.

  • www.kueperpunk.de
  • brennendebuchstaben.blogspot.com
  • Thorsten Küper auf Facebook
  • Thorsten Küper auf Twitter
  • Kueperpunk Korhonen in Second Life

Skoutz-Lesetipp:

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