zu Besuch bei: Savannah Lichtenwald

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Savannah Lichtenwald ist bekannt für ihre hochwertigen Gay Romance-Geschichten, die gekonnt ganz alltägliche Menschen zu (Roman)Helden machen. Sie war mein Einstieg in dieses Subgenre und so habe ich mich sehr gefreut, dass Emma S. Rose sie für die Midlist Drama nominiert hat, denn das ist ein wundervoller Anlasse, Savannah einmal zu besuchen und gewohnt gründlich zu befragen …

Icon Drama

 

Zu Besuch bei Savannah Lichtenwald, der Empathin des Gay Romance

Lichtenwald-Foto-FBWas ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Die Inspiration kann alles Mögliche sein: Ein persönliches Erlebnis, ein Ereignis in meinem Umfeld, eine flüchtig hingeworfene Bemerkung oder ein Artikel im Netz. Vielleicht ist es auch der komische Kauz im Supermarkt oder der verkümmerte Oleander auf meinem Balkon.

So schlimm schaut der Oleander doch gar nicht aus. Bei mir wirkt der Balkon eher wie der Set von Modor. :) Aber ich sehe schon – kein Schaden ohne Nutzen.

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

 Lesen, lesen und … ach ja, und lesen, wahrscheinlich stricken und den Garten umgraben. Ein Bücherblog wäre auch reizvoll – dazu müsste ich natürlich viel lesen.

Aha, du gehörst also zur Fraktion der Heimwerker. Da kannst du dich z.B. mit J.R. Hellway zusammentun, der auch sofort ans Renovieren dachte. Lesen ist allerdings als Ersatzdroge auch sehr beliebt und hey – deinen Buchblog würden wir gerne sehen. Auch hier geht es auf: Kein Schaden ohne Nutzen.

Wir wollen dich natürlich zu nichts ermutigen (echt nicht!!! Deine Bücher sind toll!), aber ….

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Einmal, wenige Monate nach Beginn meines Autorendaseins, als mich Selbstzweifel überfielen. Mittlerweile kann ich die blutrünstigen kleinen Biester einigermaßen in Schach halten.

Das klingt nach wertvollen Tipps zur Verteidigung? Schließlich kennen wir das alle. Es sind nicht nur die guten Ideen, die einen hinterrücks überfallen (so wie bei Pia Hepke und Lana Rotaru).

Das habe ich lieben Kollegen zu verdanken, die mich unterstützen, und ganz besonders den Lesern, die mich mit ihrem Feedback unglaublich motivieren – an dieser Stelle einen großen Dank dafür.
:)

Ja, man sollte es nicht glauben, aber eigentlich, wenn man es genau nimmt, dann ist Schreiben eigentlich eine Teamaufgabe. Sieht man auch an den langen Danksagungen in den Büchern…

Da passt die nächste Frage auch gleich sehr gut:

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Ein einzelnes Erlebnis fällt mir gerade nicht ein, aber am bedrückendsten sind die Momente, wenn mir bei der Recherche Berichte von Menschen in die Hände fallen, die im echten Leben mit bestimmten Situationen oder Krankheiten konfrontiert sind. Leider kann ich nur für meine fiktiven Helden ein Happy End schreiben.

Ich persönlich finde, dass es auch schon eine tolle Leistung ist, wenn man dem Leid ein Gesicht gibt, es dadurch greifbar und auch angreifbar macht. Selbst wenn – z.B. bei Krankheit – es kein Happy End geben kann, dann kann Empathie doch den Weg deutlich angenehmer gestalten. Dieses Mitgefühl kommt in deinen Büchern sehr authentisch rüber. Darum lese ich gerne von dir.

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

In manchen steckt ein kleiner Teil von mir. Steven aus „At home“ zum Beispiel liebt American Football und die Kurzgeschichte „Fieberträume“ aus „Winterpunsch und Herzenswunsch“ entstand, als ich selbst mit 39°C Fieber im Bett lag.

Dann ist der Anteil Autobiografie aber gar nicht so klein …
Aber ich sehe schon – auch bei dir stimmt der Spruch:

 

Skoutz-Buchspruch #9 SeelenfragmentUnd sonst?

Ein Protagonist wurde nach dem Formel-1-Rennfahrer Mika Häkkinen benannt, ein anderer hat ein großes Regal voller Fantasy-Bücher. Aber bevor jetzt jemand auf die Suche nach wunderlichen Eigenarten geht – es kommt nur selten vor 😉

 Nein, nein. Niemals.  :)

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

 Wenn jemand meine Geschichten mehr als einmal liest, empfinde ich das als großes Lob, und ich strahle bis zu den Ohren, wenn sie an Freunde weiterempfohlen werden.

 Interessant, dass das nicht öfter genannt wird. Bei der Vielzahl der Bücher ist es tatsächlich das ultimative Lob, wenn ein Buch mehrfach gelesen wird. Stimmt.

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Schwierig …

Ich weiß. Danke für das Kompliment. Nur schwierige Fragen bekommen spannende Antworten.

Den gibt es, denke ich, nicht. Menschen gehen unterschiedlich an Geschichten heran. Der eine möchte entspannen oder unterhalten werden, der andere sich mit einem bestimmten Thema beschäftigen oder Neues kennenlernen. Wenn jemand aus meinen Büchern etwas mitnimmt – ein leichtes Herz, einige Stunden Ablenkung vom grauen Alltag, etwas zum Nachdenken –, bin ich glücklich.

Das ist Buchmagie. Nicht nur, dass man über Zeit und Raum hinweg Vorbilder, Trost und Rat erhalten kann. Bücher sind auch Orte, wo man hinkann, wenn man nicht wegkann.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Da gab es einige, vor allem zwei oder drei, die eigentlich Antagonisten sein sollten. Sie tun fiese Dinge und sagen böse Sachen … und plötzlich erzählen sie mir, warum alles so ist, wie es ist, und sie so sind, wie sie sind, und ich beginne, Verständnis für sie aufzubringen.

Ich habe ja schon gesagt, dass du sehr empathisch schreibst. Und wie verändert sich dann der Umgang mit den Antagonisten?

Ab diesem Punkt dauert es nicht lange und der Mistkerl entdeckt sein weiches Herz. Er mutiert zum Helden, ich starre verwirrt auf mein Dokument und Mister Muse sitzt auf dem Sofa und lacht sich schlapp.

Das ist das Schicksal aller Autoren, die ihren Protas Selbstbewusstsein zugestehen.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Ist Schokolade lebensnotwendig?

Ich werde das nächste Mal reichlich mitbringen und dich auf der Leserparty unbedingt Andrea Bielfeldt vorstellen, die – *hüstel* fast dieselbe Frage gestellt hat. 

 

Hier könnt ihr Savannah Lichtenwald treffen:

Savannah Lichtenwald auf Facebook

Autorenhomepage von Savannah Lichtenwald

 

Lichtenwald-Cover WinterpunschSkoutz-Lesetipp: Winterpunsch und Herzenswunsch – Gay Romance Kurzgeschichten von Savannah Lichtenwald

Eis und Frost ziehen durch das Land, Weihnachten und Silvester werden mit weißen Flocken verziert. Für manche ist das Leben so kalt wie der Winter, doch völlig unerwartet zeigt sich die Liebe. Geheimnisse, Hoffnung und oft auch ein Zufall führen dazu, dass zwei Männer ihr Herz im Schnee verlieren. Wer die Hilfe eines unverschämten Engels mit schmutzigen Flügeln oder eines traurigen, kleinen Jungen braucht und für wen sich eine fiese Grippe oder ein deprimierender Abend in klirrender Kälte am Ende als Glück erweist, wird in diesem Buch erzählt.
Der Sammelband enthält die winterlichen Gay Romance Kurzgeschichten:

  • Fieberträume
  • Herzenswunsch
  • Peers letzte Chance
  • Winterpunsch
  • Weiß ist keine Farbe
  • Ganz leise rieselt der Schnee

Skoutz meint: Passend zu dieser höchst eigenwilligen Interpretation von Sommer, mit der Petrus im Juni aufwartet, zaubern die Punschgeschichten von Savannah Lichtenwald das richtige Flair vor dem Feuer, das dann eben aus dem Kamin statt aus dem Grill schlägt. Es ist nicht einfach, Kurzgeschichten zu schreiben, doch hier ist es geglückt. Die Geschichten sind quasi die Essenz des Themas, komprimiert, durchdacht und genial komponiert. Sie sind komplett und doch so plastisch, dass man gerne mehr lesen wollen würde. Oder eben diese noch einmal.

 

Lichtenwald - Monster des PrinzenHinweis:

Die ergreifende Coming out-Geschichte „Das Monster des Prinzen“ wurde von Skoutz-Juror Emma S. Rose in die Midlist Drama des Skoutz-Award 2016 gewählt.

Wir haben das zum Anlass genommen, das Monster einmal etwas genauer anzusehen und etwas zu zähmen, damit es ausführlicher vorgestellt werden kann. Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte unbedingt hier weiterlesen.

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