zu Besuch bei Saskia Louis

Heute hab ich mich auf den Weg nach Köln gemacht, wo ich Saskia Louis treffen werde.

Auch diesmal habe ich wieder einen leckeren Kuchen dabei und hoffe, dass sie mir beim gemütlichen Beisammensitzen alle meine Fragen beantworten wird. Ich bin schon ziemlich neugierig auf die junge und talentierte Autorin, deren größter Traum es ist, den Soundtrack zu der Verfilmung eines ihrer Bücher ist. Vielleicht kann ich mich ein wenig ihrer vielseitigen Kreativität abschauen, denn, auch wenn sie sich wünscht, dass mehr Menschen singen statt schimpfen würden: Ich kann leider definitiv besser schimpfen als singen *seufz*…

 

© Irina Noack

Zu Besuch bei Saskia Louis, die gerne auch mal Songtexte schreibt…

 

Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

 

Ich bin auf jeden Fall für alternative Energien und verwende umweltfreundliche Schokolade und Tee, um mich anzutreiben.

Also Bio-Diesel und Fair-Trade? Find ich löblich 🙂  Und auch, dass jemand mal den “Sprit” wörtlich nimmt.

Meine Ideen kommen von nirgendwo und überall her. Manchmal sind sie einfach da, manchmal sind sie von Musik, Menschen, Spaziergängen oder Straßenmalereien inspiriert. Meistens baue ich Geschichten aber um Charaktere herum. Ich entwerfe in meinem Kopf Protagonisten und der Rest kommt dann von allein.

Das heißt, du entwirfst zuerst eine Figur und schaust dann, was die erleben könnte… Interessante Herangehensweise, das hatten wir so jetzt noch nicht in den Interviews

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Weinen.

Mist, ich hab die Taschentücher vergessen…

Sehr lange und sehr geräuschvoll.

Besser nicht, ich würde mitweinen, denn ich kann das nicht sehen…

Wenn ich dann fertig damit wäre, mich selbst zu bemitleiden, wäre ich sowieso schon alt genug, um in meine wohlverdiente Rente zu gehen – kein Grund also, sich darüber Gedanken zu machen, was ich sonst mit meiner Zeit anfangen würde.

Das heißt, wir sollten ein Hilfsprogramm auflegen. Für entsalzte Ex-Autoren oder so.

Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass ich wirklich nicht ansehnlich beim Weinen bin. Hoffen wir also, dass es nie dazu kommt! Das wäre das Beste für alle Beteiligten.

Dann geht’s dir wie mir… Vom Normalo zum Zombi mit Gesichtsentgleisung binnen Sekunden… Schrecklich 🙂 Aber genug der Horrorszenarien…

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Ich hatte in der Grundschule ein traumatisches Erlebnis, bei dem mir meine Klassenlehrerin erklärt hat, dass meine S’s zu krumm wären und zu sehr wie ein Z aussähen. Damals habe ich mehrere Minuten darüber nachgedacht, einfach nie wieder einen Stift in die Hand zu nehmen.

Mein Vater hat früher immer behauptet, meine Buchstaben sähen aus wie entlaufene Kühe… Die wissen gar nicht, wie gefährlich solche Aussagen sein können… *tztztz*

Ansonsten kann ich nicht behaupten, kurz davor gewesen zu sein, das Schreiben aufzugeben.

Wir gäben uns generell in unserer großzügigen und weltoffenen Art auch mit spontanem Kokettieren zufrieden. Von kurz war nie die Rede. Aber anders… was hält dich bei der Stange?

Ich würde all meine Charaktere zu sehr vermissen und, glaube ich, ein sehr unausgeglichener Mensch werden.

Und ich glaube, deine Leser wären auch sehr traurig…

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Eines meiner ersten Werke habe ich meiner Mutter zum Lesen gegeben. Nach dem dreißigseitigen Prolog saß sie weinend in ihrem Stuhl. Ich habe sie gefragt, was denn los sei, denn der Prolog sollte eigentlich nicht traurig sein. Sie hat mich angesehen und gemeint, dass sie jetzt endlich verstünde, wieso ich mich verhalte, wie ich es tue und warum ich reagiere, wie ich reagiere (Ich war damals in der Pubertät).

Echt? Du hast es geschafft deine pubertären Gefühlswirrungen auf dreißig Seiten zu erklären? Hut ab… 

Als ich das Buch unter diesem Aspekt selbst noch einmal gelesen habe, war es ein wenig so, als würde ich mich selbst neu entdecken und das Gefühl bleibt bis heute beim Schreiben.

Ich werde dieses bestimmte Buch wahrscheinlich nie veröffentlichen, aber seitdem verstehe ich mich selbst und wie ich Dinge verarbeite um einiges besser und allein dafür würde ich das Schreiben nie aufgeben.

Klingt interessant… Vielleicht hat dein Unterbewusstsein mitgeschrieben… Da passt ja die nächste Frage geradezu p.e.r.f.e.k.t!

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Ich glaube, es steckt mäßig bis mittelviel „Auto“, aber fast keine „Biografie“ in meinen Büchern.

*schautwieeinAuto,nurnichtsoschnell*

Also, es ist viel von meinem Humor, meinen Lebenseinstellungen und meiner Art und Weise mit Menschen und Problemen umzugehen zu finden, aber fast nichts von eigenen Erlebnissen oder Erfahrungen, die ich aus meinem Leben gegriffen hätte.

Autorenkollegin Miriam Müntefehring spricht in dem Zusammenhang sehr treffend von emotional autobiografisch.

Viele meiner Freunde würden sagen, dass sie mich in den Protagonisten wiedererkennen, bei jedem auf eine andere Art, aber niemand würde eine Szene lesen und sich daran erinnern, wie er vor einem Jahr selbst dabei war.

Dann wäre es ja auch keine Auto-Biografie, sondern “nur” eine Biografie. 🙂  Und wahrscheinlich würden sie es dann nicht zugeben.

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

„Ich habe das Buch in einer Nacht gelesen, habe mich kaputtgelacht, gegen Tränen angekämpft, laut geseufzt und bin am nächsten Tag auf der Arbeit eingeschlafen – aber das war es wert.“

Dazu bekämst du vielleicht noch einen Beschwerdebrief vom betreffenden Chef, dass du mit deinen Geschichten seinem Geschäft schadest… 😉

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Ein ehrlicher. (Und Angela Merkel, denn sie sollte mehr lachen.)

Da stimme ich dir zu… Lachen steht ihr 🙂 Wobei sie ja leider nicht viel zu lachen hat.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Mit Louisa Manu, denn wir sind in den gleichen Mann verliebt.

Und? Wie stehen deine Chancen? Das nenne ich mal wirklich einen Konflikt.

Tatsächlich würde ich auch sonst in aller Ernsthaftigkeit sagen, dass Louisa und ich unsere Probleme haben, weil sie andauernd Dinge tut, die ich so nicht geplant hatte und meinen kompletten Plot umwerfen.

So eine ist das also…

Das ist zermürbend, nervenaufreibend und wunderbar.

Jaja, am Ende hängt jeder Autor eben doch an seiner Schöpfung, auch wenn sie sich windet und biestig ist.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

„Würdest du gerne in einer Bücherei wohnen, in der die Regale aus Schokolade sind?“ (Diese Frage hat mir nur leider noch niemand gestellt.)

Ich würde sie dir sofort stellen 🙂 Und ich würde dich dort mit Sicherheit Besuchen kommen.

Tausend Dank, liebe Saskia, dass ich dich besuchen und dir Löcher in den Bauch fragen durfte. Es war wirklich sehr spannend und auch extrem witzig. Ich drück dir die Daumen für den weiteren Wettbewerb und hoffe, dass ich dich den anderen Skoutzen in Frankfurt bei der Verleihung vorstellen darf.

 

Mehr von Saskia Louis findet ihr auf:

Saskia Louis Facebook-Profil

Autorenhomepage von Saskia Louis

 

Skoutz Lesetipp: 

Das Vermächtnis der Engelssteine: Blutopal – mitreißende Jugendfantasy von Saskia Louis

Ihren achtzehnten Geburtstag hat sich Ella irgendwie anders vorgestellt.
Ein bisschen mehr Luftballons, ein bisschen weniger Menschen die sie umbringen wollen. Der düstere Kerl, der ihr Leben rettet, ist zwar ganz süß, aber auch äußerst unhöflich – außerdem behauptet er, er sei ein Todesengel. Als er ihr auch noch weismachen will, dass sie der letzte Halbengel ist und als Einzige die Auslöschung der Menschheit verhindern kann, wächst ihr alles über den Kopf.
Wem soll sie vertrauen, wenn ihr ganzes Leben eine Lüge zu sein scheint?

Skoutz meint: Eine geniale Mischung aus Humor und Fantasy, bei der die Autorin aus “ihren” Engeln etwas ganz eigenes macht. Mit außergewöhnlichen, aber dennoch sehr authentischen Charakteren begeistert sie ihre Leser und zeigt, dass sie neben witzigen Krimis auch Fantasy-Fans überzeugen kann. Ein Buch, das einfach Spaß macht.

 

Hinweis:

Mordsmäßig verstrick, der zweite Louisa Manaus Fall, begeisterte unsere Jurorin Kristina Günak so sehr, dass sie den Titel aus über 150 Vorschlägen der Longlist für den Skoutz-Award 2017  in der Kategorie Humor für die Midlist nominiert hat. Der bei dp veröffentlichte Roman von Saskia Louis ist ein gelungener Mix aus Cosy Krimi und Chick-Lit und erzählt, wie Louisa Manaus zufällig über ihre zweite Leiche und damit natürlich, dank ihrer neugierigen Nase, in eine haarsträubende Geschichte stolpert.

Wir haben das Buch für die Midlist-Vorstellungen gelesen, herzlich gelacht und ausführlich vorgestellt (weiterlesen).

 

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