zu Besuch bei: Normen Behr

Heute bin ich – spät, aber endlich doch noch – zu Besuch bei einem charmanten Autorenkollegen. Ich finde es ja immer sehr faszinierend, dass gerade die Horrorautoren sich als ausgesprochen nette, sympathische und umgängliche Zeitgenossen präsentieren. Meine Redaktionskollegin Martina hatte bei ihrem Interview mit Michael Mehri solche Sorge, aber auch da war es ganz unbegründet. Wie aber kommt das, dass Horrorautoren so relaxed sind? Vielleicht, weil sie das, was uns die Lauen verdirbt, einfach niederschreiben.

Zu Besuch bei Normen Behr, der Thrillerautor, der autobiografisch angehauchten Horror schreibt. 

Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Diese Frage kann wohl kaum ein Schriftsteller befriedigend beantworten

Ach was, wir sind gar nicht so anspruchsvoll…

Genau das hat mich zum Schreiben von Blut/stapfen bewogen. Was wäre, wenn nicht der Autor die Ideen hätte … sondern die Ideen vielmehr zum Autor kämen? So entstand die Welt Zimbauyok … und wer weiß, vielleicht kommt meine Inspiration genau daher?

Diesen Gedanken fand ich auch unfassbar faszinierend. Ich selbst befasse mich ja beim Schreiben sehr viel mit “Was wäre, wenn…” und da ist dein Modell schon sehr weit vorn. Respekt.

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Nach 16 Veröffentlichungen in 4 Jahren habe ich keine Angst vor einer Schreibblockade.

Hui… das ist eine Hausnummer.

Sollte mir einmal die Zeit zum Schreiben fehlen, würde es in meinem Kopf wohl trotzdem laufend weitergehen … und wahrscheinlich würde ich zur Erleichterung nebenbei in ein Diktiergerät sprechen!

Dann wünsche ich dir (und deinen Lesern) mal auf alle Fälle, dass Zeitnot der einzige Grund ist, der dich am Schreiben hindern könnte.

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Als sich fast zwanzig Jahre lang kein interessierter Verlag fand, habe ich tatsächlich mit dem Schreiben aufgehört.

Das ist zwar gewiss frustrierend aber kein Einzelschicksal. Der große Michael Ende hat einmal gesagt, schriftstellerischer Erfolg sei in erster Linie eine Frage des Portos. Das ist natürlich nicht mehr ganz zeitgemäß, aber in der Kernaussage trotzdem richtig. Ich sehe soviele begabte, kreative Kollegen scheitern, weil ihnen einfach nur die Geduld fehlt. Umso mehr freut mich, dass du es geschafft hast. Wie kam denn die Wende?

Erst die Möglichkeiten des Self-Publishings und die Unterstützung meiner Frau haben mich ermutigt, 2013 mit Der Knochenhauer meinen ersten Roman zu veröffentlichen.

Den sehen wir uns dann noch gesondert an.  Und vielen Dank an Frau Behr!

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Ich beginne meine Romane und Kurzgeschichten fast jedes Mal, ohne die geringste Vorstellung davon zu haben, wie sie wohl enden werden.

Ah! Noch ein Non-Plotter 🙂

Das emotionalste Erlebnis ist Buch für Buch jener Moment, in dem sich herausstellt, worauf das Ganze hinausläuft. Besonders aufwühlend war dies bei Blut/stapfen, denn die Rolle von Veits Schwester Zita gab mir selbst lange Rätsel auf.

Das sind Aussagen, die neugierige Menschen wie mich dazu verleiten, das Buch sofort noch einmal, und zwar unter diesem Aspekt zu lesen. Wo erkennt man, dass der Autor auch gerätselt hat?! Dazu passt dann auch die nächste Frage:

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Viel – das ist wohl kaum zu vermeiden.

Darum finde ich diese Frage bei Horrorautoren auch immer ein klein bisschen gruselig. Bitte erklär es mir, damit ich wieder schlafen kann…

Bis zu einem gewissen Punkt reflektiert Veit Hertel aus Blut/stapfen meine persönlichen Ansichten zum Fan-Sein. In Wer suchet, der tötet erlebt der Protagonist Paris durch meine Augen, da ich dort studiert habe, und mit der Figur des Gymnasiallehrers Ulf August aus der Himmelfahrts-Trilogie verarbeite ich viele meiner eigenen Erlebnisse als Lehrer. Natürlich aber möchte ich Abstand nehmen zu allen Psychopathen, die sich in meinen Werken so tummeln! 😉

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Es wurde mir schon gemacht.

Oh wie schön! Details?

Ein österreichischer Fan meiner Kurzgeschichtenbände schrieb mir eine emotionale Mail, in der er sich von meinem Schaffen so begeistert zeigte, dass er mir eine Kurzgeschichten-Idee überließ, die ihn seit langem umtrieb und die schließlich Einzug in meinen dritten Band Totenwache fand.

Wow! Jetzt habe ich schon so viele Interviews gemacht und so viele Antworten auf diese Frage gehört, aber das ist echt ganz weit vorn. Da habe ich gleich einen Kloß im Hals.

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Mein idealer Leser lässt sich auf den unvorhersehbaren Genre-Mix ein, den ich mit jedem Buch präsentiere, ob Thriller, Krimis, Übersinnliches, Kurzgeschichten oder Horror-Romane. Und auf gar keinen Fall blättert er neugierig nach vorne, um aufs Ende zu schielen, das geht gar nicht!

Das habe ich als Kind immer gemacht, bis ich einmal, es war ein Agatha Christie-Krimi auf der letzten Seite den Mörder gelesen und mir damit das ganze Buch versaut habe. Seither bin ich brav.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Veit Hertel trifft als großer Fan des Autors Rod Morlogg in Blut/stapfen einige Entscheidungen, die mir immer wieder die Frage aufdrängten, ob ich als begeisterter Anhänger von Stephen King ähnlich gehandelt hätte. Zu oft, wenn auch glücklicherweise nicht immer, war die ehrliche Antwort ein „Ja“, was Veit zu einer sehr unbequemen Hauptfigur machte.

Hahaha, das glaube ich. Protagonisten, die einem selbst den Spiegel vorhalten, sind wirklich fies.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Gibt es viele Leser, die fingernägelkauend auf dein neustes Werk warten?

Daran glaube ich fest.

 

Lieber Normen, vielen Dank für das sehr unterhaltsame und erkenntnisreiche Interview. Ich wünsche dir viel Erfolg für den weiteren Verlauf des Wettbewerbs und hoffe sehr, dass wir uns spätestens auf der Leserparty in Frankfurt wiedersehen!

 

Hier könnt ihr Normen Behr treffen:

Normen Behr auf Facebook

Autorenhomepage von Normen Behr

 

Lesetipp: Der Knochenhauer – abgründiger und wendungsreicher Thriller von Normen Behr

Er hebt die Eisenstange und schlägt zu, wieder und wieder …
Ein doppelter Leichenfund schockiert die Polizei in Bamberg: Die Opfer wurden erschossen, doch davor hat man ihnen die Knochen gebrochen. Die dazu verwendete Eisenstange lehnt noch an der Wand, die Namen der Getöteten sind eingraviert. Die Nachforschungen führen Polizeihauptkommissar Charlie Senger in eine Klinik, wo ein mysteriöser Patient dieselben Knochenbrüche aufweist wie die beiden Opfer …
Der Knochenhauer ist ein ebenso schockierender wie wendungsreicher Thriller, dessen unvorhersehbares Ende beim Leser noch lange nachhallen wird.

Skoutz meint:Normen Behrs Debüt zeigt bereits das Talent dieses Autors. Mit Lokalkolorit, Wortwitz und viel Gefühl für seine Charaktere entwickelt er eine Geschichte, in der sich erst ein komplexes Bild auffächert und dann wirklich auch für Vielleser wie mich zu einem überraschenden, aber logischen Ende zusammengeführt wird.
Ein paar Lesermeinungen bemängeln, dass sich das Buch am Anfang zieht, doch das würde ich nicht sagen, denn ich empfinde es als angenehm, wenn der Leser ein paar Seiten lang Zeit hat, sich in die Geschichte hineinzufühlen und die Figuren kennenzulernen, bevor es dann auch wirklich Schlag auf Schlag kommt.

 

Hinweis:

In Blut/Stapfen versucht Normen Behr sich im abgründigen Gebiet zwischen Wahnsinn und paranormaler Realität. Das ist ihm so gut gelungen, dass er unsen Horror-Meister, den Vorjahressieger Simon Geraedts für sich gewonnen hat.

Blut/Stapfen wurde aus über 150 Vorschlägen der Longlist Horror in die Midlist Horror 2017 des Skoutz-Awards gewählt. Damit steht also der Weg für diese spannende Geschichte über den schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn, unter dem der reine Horror lauert, der Weg direkt zum Horror-Skoutz 2017 offen.

Wir haben daher das Buch ausführlich begutachtet und besprochen (weiterlesen).

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