zu Besuch bei Juliane Käppler

Der Skoutz war in Mainz unterwegs und hat Allround-Autorin Juliane Käppler besucht, die es als Teilnehmerin des diesjährigen Skoutz-Awards auf die Midlist Humor geschafft hat. Wieso es eher wahrscheinlich ist, dass ihr die Gliedmaßen abfallen, als dass sie je aufhört zu schreiben, was es mit den Plot Bunnys auf sich hat und was es heißt, sich als Autor auf dünnem Eis zu bewegen, möchten wir euch hier verraten.

Aber lest selbst: 

 

Zu Besuch bei Juliane Käppler – eine Autorin für jedes Genre

 

© Thomas Weisheitel

Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Am besten funktioniert bei mir abschalten. Das tue ich sowohl bewusst als auch unbewusst bzw. ganz und gar ungewollt. Letzteres kann unhöflich wirken. Inzwischen kennt mein Freund diesen Blick von mir, der ihm verrät, dass ich mit den Plot Bunnys im Lala-Land unterwegs bin und ihm nicht zuhöre. Er hatte sich den ihm fremden Begriff Plot Bunnys zuerst nicht gemerkt und fragte: »Na, scheißen dir die Hasen gerade wieder zwischen die Synapsen?« Wenn ich abschalte, reden meine Protagonisten mit mir. Max Leif war sehr redselig – das klingt verrückt, ist aber so. Natürlich inspirieren mich auch Beobachtungen im Alltag und Gespräche zu Anekdoten in der jeweiligen Story. Sprit in Form von Wein ist ebenfalls nicht zu verachten. Nach zwei Gläsern Riesling können Max Leif und seine russische Putzfrau außerordentlich unterhaltsam plaudern.

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Dazu müssten mir die Hände fehlen – oder der Kopf. In diesem Fall könnte ich mir keine Gedanken mehr um mein Unvermögen machen. Ansonsten würde ich meine Ideen diktieren, obwohl ich mir das nur schwer vorstellen kann. Um mich ausdrücken zu können, brauche ich eine Tastatur unter meinen Fingern. Sprechen ist nicht unbedingt meine Stärke.

Wir hoffen natürlich, dass du bei bester Gesundheit bleibst und dich weiterhin künstlerisch ausdrücken kannst.

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Viele freiberufliche Autoren bewegen sich auf dünnem Eis, geht es um den Lebensunterhalt. Auch für mich gab es Zeiten, in denen das Eis unter meinen Füßen ziemlich dünn war, noch dazu mit der Verantwortung für meinen Sohn. In diesen Situationen habe ich darüber nachgedacht, mit dem hauptberuflichen Schreiben aufzuhören. Ganz könnte ich es nie lassen.

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Bei einem meiner Bücher (“Willkommen in Hawks”) habe ich beim Schreiben selbst weinen müssen.

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Das variiert von Story zu Story. In z.B. »Willkommen in Hawks« steckt mehr von mir als in »Die sieben Tode des Max Leif« und »Die Schwangerschaft des Max Leif« – bei diesen beiden habe ich mich in den Mann hineingedacht und das meiste, wie man so schön sagt, frei erfunden.

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

»Nachdem ich dein Buch gelesen habe, konnte ich zwei Wochen kein anderes Buch lesen, weil mich die Geschichte einfach nicht loslässt und ich immer wieder darüber nachdenken muss.«

Das ist das schönste Kompliment, das ich bisher erhalten habe.

Das geht für einen Autoren natürlich runter wie Öl. 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Das ist für mich schwer zu sagen, vielleicht auch, weil ich in verschiedenen Genres schreibe: Humor, Drama, Jugendroman, Erotik mit und ohne Mystik. Da wechseln die Ansprüche, sowohl auf Seite des Lesers als auch auf meiner. Ich mag Leser, die auch zwischen den Zeilen lesen (möchten), die unter die Oberfläche tauchen und Wert auf die Entwicklung von Persönlichkeiten legen.

Du möchtest also nicht nur unterhalten, sondern auch zum (Nach)Denken anregen. Ein toller Gedanke.

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Ich habe zu allen meinen Protagonisten eine gute Beziehung. Anderenfalls wären es nicht meine Protagonisten, d.h. ich könnte nicht über sie schreiben. Bevor ich in eine Story tauche, lerne ich die Protagonisten erst einmal kennen – und sie mich. Wenn wir nicht zueinander passen, lassen wir die Zusammenarbeit 😉

Das ist so ein Bisschen wie mit dem Schließen von Freundschaften.

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Arbeitest du in deinem Traumjob?

Dann wünschen wir dir, dass es immer dabei bleibt.

Skoutz Lesetipp: Die sieben Tode des Max Leif – ein Hypochonder-Roman

© Droemer Knaur

Max Leif ist ein Überflieger, immer auf der Überholspur, immer ganz vorn. Doch jetzt wird er ausgebremst, vom Tod höchstpersönlich. Der holt sich seinen besten Freund, und Max weiß einfach: Er ist der Nächste. Das plötzliche Fieber kann nur eine HIV-Infektion sein, der schmerzende Magen eine exotische Seuche und der Husten erst … Die Beteuerungen der Ärzte, die Beruhigungsversuche seiner Freunde, ja selbst die energischen Kommandos seiner russischen Putzfrau Jekaterina helfen nicht gegen die Macht von Max‘ Einbildung. In Erwartung seines baldigen Ablebens verkauft er sein Unternehmen und trifft hektisch weitere Vorkehrungen. Denn einfach so sterben ist nicht drin! Zuerst muss er einen Weg finden, die eine Sache zu regeln, die in keinem Testament erscheinen darf …

Skoutz meint: Ein wahnsinnig komischer Roman, über einen Überflieger, der schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dabei steigert er sich von einem Extrem in das nächste, treibt es mit seinem Krankheitswahn auf die Spitze und sein Umfeld in den Wahnsinn. Ein herrlich-hypochondrischer Lesespaß.

Die sieben Tode des Max Leif könnt ihr in allen Buchhandlungen und auf Amazon erwerben.

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