zu Besuch bei: Jana Crämer

Heute hatte ich die Ehre und das Vergnügen Jana Crämer zu besuchen. Eine starke und faszinierende Persönlichkeit, die es tatsächlich schafft, sich im Musikbusiness erfolgreich als Managerin der Band „Luxuslärm“ zu behaupten und nebenbei, so zum „Runterkommen“ nach einem Konzert noch mal eben schnell eines der ergreifendsten Bücher des letzten Jahres zu schreiben. Abgesehen davon, dass ich so unmusikalisch wie ein Hefeteig bin (früher sagte ich immer Besenstil, aber dann haben mir Freunde Karten für Stomp geschenkt), hätte ich ja auch einen fordernden Job, der mich Ausgleich beim Schreiben suchen lässt … aber ich kriege das nicht so toll hin.

 

Träne 1er

Zu Besuch bei Jana Crämer, dem Mädchen hinter dem Mädchen aus der 1. Reihe.

Crämer Portrait (ben wolf)Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Meine Mama hat mir schon früher direkt angemerkt, wenn ich mir Geschichten ausgedacht habe, um zum Beispiel nicht gemachte Mathehausaufgaben zu rechtfertigen. Beim Mädchen aus der 1. Reihe musste ich mir zum Glück nichts aus den Fingern saugen, sondern das Erlebte einfach nur in eine schöne Form bringen. :)

Öhm… streichen wir beim letzten Satz als erstes mal „einfach nur“, dann glaube ich dir das. Aber ich gebe zu, dass blühende Fantasie bei einem Autor sehr praktisch ist, nett, dass du auch mit Mathe geübt hast. Da sind wir schon zwei.

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Das mag ich mir gar nicht vorstellen. Meine Geschichte zu veröffentlichen und zusammen mit meinem besten Freund Batomae das Musikvideo zu „Unvergleichlich“ zu drehen, war wie ein Befreiungsschlag.

Das macht dein Buch zu etwas so Besonderem. Ich bin nicht leicht zu beeindrucken, aber da war ich wirklich ergriffen, nicht so sehr von der Geschichte, sondern von der Wucht dieses Befreiungsschlages, von der Kraft, die hinter dem Projekt steckt und die man spürt, wenn man sich darauf einlässt.

Ja, dieses Crossoverprojekt von Soundtrack und Roman schenkt mir Mut und macht mich stark. Manchmal habe ich schreckliche Angst, das alles zu verlieren, denn die Fortsetzung bedeutet mir alles.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass du das verlieren kannst. Wie auch. Du bist das Projekt, du lebst es und machst es lebendig. Und es werden viele Menschen beobachten, da bin ich sicher.
*Räusper* Wann dürfen wir denn mit der Fortsetzung rechnen? Da wird das ganze Skoutz-Team gleich flatterig.

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Als die 1. Korrekturfahne vom Verlag kam und ich am liebsten im Erdboden versunken wäre. Zeichensetzung ist echt nicht meine Stärke. 😉

Haha! Das ist kein Einzelschicksal, aber hey, dafür sind Korrektoren ja da. Die sollen sich doch nicht unnütz fühlen. Und es wird besser, wenn man darauf achtet.

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Als ich die Szenen mit meinem mittlerweile verstorbenen Vater geschrieben habe und endlich das losgeworden bin, was ich ihm all die Jahre so gerne ins Gesicht gesagt hätte.

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Mehr als mir lieb ist.

Das ist die Crux mit Standard-Fragen, aber sei versichert, dass es dieses Gemisch aus Herzblut, Schweiß und Tränen ist, die dein Buch so besonders macht.

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Das habe ich tatsächlich schon bekommen. Nach einer Musik-Lesung ist die Mutter eines ebenfalls essgestörten Mädchens auf mich zugekommen und hat sich für den schönen Abend bedankt. Sie erzählte, dass ihre Tochter seit über 2 Jahren nicht mehr ausgegangen sei, aber heute Abend seien sie auf Wunsch der Tochter als Familie da. Der erste Abend seit Jahren ohne Streit, knallende Türen und Vorwürfe. Die Tochter kam dann dazu, hat mich einfach in den Arm genommen und geflüstert, dass sie sich zum ersten Mal verstanden fühlt. Dieser Moment war unvergleichlich.

Und da fragst du dich wirklich, dass du etwas verlieren könntest?

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Menschen, die sich in die Geschichte fallen lassen und bei denen man am Gesichtsausdruck ganz deutlich erkennt, dass sie grad denken: Ganz genau so geht’s mir auch.

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Meine Beziehung zu Lea ist unglaublich schwierig.

Ja, klar. Die Frage hat hier natürlich eine andere Bedeutung. Ich sage zwar immer, dass jeder Autor ein Stück Seele seinen Figuren schenkt, aber die meisten meiner Gesprächspartner schreiben nicht so unmittelbar autobiografisch.

Lea durchlebt meine Vergangenheit und ganz oft würde ich ihr gerne sagen, dass sie sich doch bitte nicht in einer Tour den Kopf zerbrechen und alles hinterfragen soll. Wir sind so schrecklich anstrengend. Manche Dinge sind halt wie sie sind… Lea soll einfach leben, den Moment genießen und nicht immer alles totanalysieren. Ich hoffe, dass auch ein bisschen was davon bei mir ankommt, wenn ich es ihr nur oft genug sage. 😉

Ich glaube sehr fest an die Kraft eines Mantras. Und auch daran, dass man aus Erfahrungen auch lernt. Sogar aus in der Theorie durchgespielten, das ist übrigens ein Grund, warum ich schreibe. Da du dir dein Mantra in Form von Schreiben „vorsagst“, hoffe ich allerdings, dass du es dir noch ein paar Mal sagen musst, weil ich noch ganz egoistisch mehr Bücher von dir lesen will.  :)

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Hast Du Dank dieses Crossoverprojektes von Musik und Roman einen Weg gefunden, mit Deiner Essstörung umzugehen? Kannst Du mit Batomae und seiner Band auf eurer Tour einfach was Essen gehen und dies dann genießen? Ja, diese Fragen würde ich gerne irgendwann einfach mit einem glücklichen „Ja“ beantworten.

Jana, dafür drücken wir dir alle die Daumen. Danke für die ehrlichen Worte.

 

Hier trefft ihr Jana Crämer

Jana Crämer auf Facebook.

Autorenhomepage von Jana Crämer

 

Lesetipp: Das Mädchen aus der ersten Reihe – Schicksalsroman von Jana Crämer

Crämer MädchenIn Leas Augen ist ihr Körper eine einzige Problemzone. Nur wenn sie mit ihrer besten Freundin Jule auf den Konzerten ihrer Lieblingsband in der 1. Reihe steht, kann sie ihre Sorgen für einen Abend vergessen und das Leben unbeschwert genießen. Jule ist das komplette Gegenteil von ihr: selbstbewusst, beliebt und schlank. Umso verblüffter stellt Lea fest, dass sich Ben, der attraktive Sänger der Band, ausgerechnet für sie interessiert. Es entwickelt sich eine Beziehung, die beide dazu bringt, ihre Masken fallen zu lassen. Und Lea erfährt, dass auch Bens Leben nicht diese Leichtigkeit hat, wie es auf der Bühne scheint … Ein Roman übers Aufbrechen, über Konzerte, Freundschaft und Musik, Träume und Sehnsüchte und übers Ankommen – übers Ankommen bei sich selbst. Witzig und schonungslos ehrlich.

Zubehör:

Musikvideo zu „Unvergleichlich“ dem Titelsong des Romans:

Soundtrack zum Roman „Batomae – Unvergleichlich“ auf iTunes & Amazon

Link zum Videotagebuch der „Musik trifft Roman“ Lesereise

Besondere Leseprobe

 

Hinweis:

Nachdem das Mädchen aus der ersten Reihe von Skoutz-Jurorin Emma S. Rose für die Midlist Drama nominiert und von den Lesern sowie den restlichen Jury-Mitgliedern in die Shortlist (also die letzten 3 Titel in der Kategorie) wurde, haben wir das tolle Buch bereits besprochen und verlinken an dieser Stelle zur ausführlichen Vorstellung.

 

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One thought on “zu Besuch bei: Jana Crämer

  • Liebe Jana Crämer,
    mit Interesse habe ich den Bericht in Stern TV über Dich gesehen und bewundere Deinen Mut über Deinen Schatten zu springen um abzunehmen.
    Nun mein Tipp, wie Du die Ursache Deines Problems (Trunksucht des Vaters) heilen kannst. Es gibt eine sehr
    erfolgreiche Methode, die auch recht bekannt ist, um das Problem aufzulösen. Suche Dir über Google eine
    Therapeutin oder auch Heilpraktikerin die “Familienaufstellungen” macht und Du wirst sehen, dass sich alles zum Positiven verändert. Es ist immer wichtig die Ursache für ein Problem zu lösen, sonst kommst Du nicht weiter. Von einer Psychotherapie würde ich abraten, denn da werden die Probleme immer wieder aufgekocht aber nicht gelöst.
    Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg
    A. B.

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