zu Besuch bei Hanni Münzer

Heute musste ich für meinen Besuch nicht weit reisen, denn Hanni Münzer wohnt wie ich in München. Trotzdem bin ich ein bisschen aufgeregt, denn mit ihr begegne ich endlich mal live einer der ganz großen Kolleginnen, die den Sprung vom SP in die absoluten Topränge des Buchmarkts geschafft hat und allein dadurch schon so viele Nachwuchsautoren in ihren Träumen und Hoffnungen inspiriert und anspornt.

Doch lest selbst:

 

Zu Besuch bei Hanni Münzer, bei der Leidenschaft das Erfolgsrezept ist

Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Das ist ja die Natur einer Idee, sie kommen wann sie wollen, nicht, wann ich es will. Ich bin daher williger Slave meiner Eingebungen.

Oh, das ist neu. Sklaverei in dem Sinne hatten wir jetzt bislang in den Interviews noch nicht.

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Da kann ich nur mutmaßen, bisher wurde ich von Schreibblockaden verschont. Aber ich gebe Bescheid, wenn es soweit ist.

Das freut uns natürlich zu hören, aber tun wir doch unter Autoren mal so, als ob…

Vielleicht würde ich zunächst AC/DC auflegen und abrocken.

Das ist schon mal ein guter Ansatz, da bin ich gern dabei. Und wie geht es dann weiter?

Und mich dann neuen Herausforderungen zuwenden.

Die da wären?

Es gibt in der Welt noch viele schöne Dinge zu entdecken. Ich glaube an Schicksal. Geht das eine, kommt das andere…

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Warum sollte ich?

Das frage ich dich! 🙂  Eine meiner Lieblingsfragen, denn es gibt Autoren, die geradezu entrüstet auf die Frage reagieren und solche, die dann von den dunklen Dämonen erzählen, denen sie sich ihrer Leidenschaft zuliebe stellen, von den Widrigkeiten und Hindernissen, die zum Autorendasein eben auch dazugehören.

Schreiben ist der großartigste Beruf der Welt, eine Leidenschaft. Da könnte man mich auch fragen, ob ich schon einmal erwog, das Atmen einzustellen.

Okay. Hast du? Also ich hab das mal als Kind versucht, so in meiner Trotzphase. Hat aber nicht geklappt. Ähnlich wie beim Schreiben.
Aber wenn du so voller Leidenschaft über das Schreiben sprichst, Hanni…

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Wenn ich in meine Figuren schlüpfe und erlebe, was sie erleben. Sehr oft fällt es mir schwer, mich danach aus meiner Geschichte zu lösen. Dann fragt mich mein Mann: „Erde an Hanni, wo bist du schon wieder?“

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

In „Honigtot“ und „Marlene“ sind teilweise wahre Begebenheiten eingeflossen, Dinge, die meine Urgroßmutter und Großmutter erlebt haben. Inspiration zog ich auch aus dem Treffen mit Egon Hanfstängl, Hitlers Patensohn. Eine höchst schräge Begegnung.

Das glaube ich sofort und das wäre mal ein eigenes Interview wert, wenn du uns die Ehre gibst? Da geht jetzt gerade der kleine Geschichtsnerd mit mir durch…

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Da kann ich nur von mir als Leser ausgehen.

Ich folge dir willig bei all deinen Überlegungen.

Ich habe einige Lieblingsbücher, die ich schon mehrmals gelesen habe. Wenn ein Leser eines meiner Bücher mehrmals lesen möchte und bei einer Neuerscheinung sofort und blind bestellt, dann kann ich mir als Autor nicht mehr wünschen.

Schöne Zusammenfassung. Ich finde auch, dass ein Mensch, der in unserer Hektomatikwelt sich die Zeit nimmt, um (m)ein Buch am Ende sogar zweimal zu lesen, kein größeres Kompliment ausdrücken kann. Was mich zur nächsten Frage bringt, wie ein solcher Mensch am wahrscheinlichsten beschaffen ist. Oder mit anderen Worten

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Was ist ein idealer Leser? Ein Leser ist ein Leser ist ein Leser. Für mich ist jeder Leser die Erfüllung. Punkt.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Innerhalb einer Geschichte ist es eine Frage der Perspektive. Ein Roman lebt ja von pro und contra, von schwarz weiß, von gut und böse. Insofern gehe ich eine enge Beziehung zu allen meinen Protagonisten ein, schließlich will ich deren Innenleben widerspiegeln, Distanz wäre hier hinderlich. Das ist auch mein Lebensprinzip: Ich hinterfrage grundsätzlich alles, ich will verstehen. Was treibt die Menschen an? Woher kommt das Böse? Gibt es das überhaupt? Nein, das Böse ist abstrakt, es entsteht erst durch den Menschen und seine Taten. Daraus folgt: Wenn wir das Böse erschaffen, so können wir auch das Gute erschaffen. Das ist das zentrale Thema in „Marlene“.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Hast Du noch viele Geschichten im Kopf und wirst Du weiter Bücher schreiben?

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Liebe Hanni, das freut uns sehr, sehr, sehr, denn wir wollen auch noch viele Bücher von dir lesen. Bis dahin bedanke ich mich ganz herzlich für das spannende Gespräch und wünsche dir noch viel Erfolg im weiteren Verlauf des Wettbewerbs. Ich hoffe, wir treffen uns bald mal wieder. Spätestens auf der Skoutz-Leserparty in Frankfurt.

Ach, und wenn mal Not am Manne ist – ich habe eine umfangreiche AC/DC-Sammlung.  🙂

 

Hier könnt ihr Hanni Münzer treffen:

Hanni Münzer auf Facebook

Autorenhomepage von Hanni Münzer

 

Skoutz Lesetipp: Die Seelenfischer – packender Italienthriller von Hanni Münzer

NÜRNBERG: Renovierungsarbeiten in einer alten Villa fördern einen sensationellen Fund zutage. Er ruft den Bischof von Bamberg auf den Plan. Kurz darauf reist der Bischof nach Rom. Einen Tag nach seiner Rückkehr wird er bestialisch ermordet aufgefunden.

ROM, drei Monate später: Der junge Jesuit Lukas wird zum Generaloberen des Ordens zitiert. Der erteilt ihm einen geheimen Auftrag. Noch bevor Lukas diesen ausführen kann, geschieht ein weiterer Mord, und er findet sich unvermittelt als Tatverdächtiger wieder. Da taucht plötzlich seine Jugendliebe, die Journalistin Rabea Rosenthal bei ihm auf und bietet ihm ihre Hilfe an. Gemeinsam fliehen sie aus Rom, und es beginnt eine Jagd quer durch Italien. Nicht nur die Polizei, auch der unbekannte Mörder ist den beiden dicht auf den Fersen.

Dann erfährt Lukas, dass seine Zwillingsschwester Lucie spurlos verschwunden ist. Jäh fragt er sich, ob es ein Zufall war, dass Rabea just an jenem Tag in Rom auftauchte, als er zum Generaloberen gerufen wurde. Was weiß Rabea?

Skoutz meint: Mit diesem Buch begann die Erfolgsgeschichte Hanni Münzer und wer es gelesen hat, weiß auch warum. Von der ersten Seite an ist man im Geschehen, geniest das Italienflair, spekuliert genüsslich über Verschwörungstheorien und versucht, die differenziert und vielschichtig gezeichneten Protagonisten zu verstehen, während man atemlos Seite um Seite verschlingt, um zu erfahren, wie das Gewirr aus Intrigen und Indizien sich am Ende auflösen wird.

 

Hinweis:

Marlene, der historische Roman über eine junge Widerstandskämpferin, hat unserer Skoutz-Jurorin Vera Buck so gefallen, dass sie ihn für die Midlist History 2017 des Skoutz-Awards  aus über 170 Vorschlägen der Longlist 2017 ausgewählt hat. Die schicksalergreifende  Geschichte über eine Frau, die den unerschütterlichen Willen besitzt, den zweiten Weltkrieg zu überleben, erschien im September 2016 im Piper Verlag und nimmt uns mit in eine Zeit, in der Grausamkeit Alltag und das Auflehnen dagegen tödlich war. Wir haben uns natürlich dieses Buch genauer angesehen und ausführlich besprochen (weiterlesen).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.