zu Besuch bei: Frank Hebben

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Auf der Suche nach den Futuristen, die Karsten Kruschel für die Midlist Science Fiction im Skoutz-Buchregal versammelt hat, hat es mich dieses Mal nach Bielefeld verschlagen, wo nach eigenem Bekunden zwischen Sonne, Zwielicht und Schatten Frank Hebben lebt, den ich zugegebenermaßen bisher eher als Herausgeber-Partner meines Autoren- und Würfelfreundes André Skora für dessen SF-Ausflüge kannte. Umso erstaunter war ich, als ich mir Franks Bücher zu Gemüte geführt habe, denn hey – der Kerl schreibt unmenschlich gut. Was aber vielleicht gar nicht überraschend ist …

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Doch seht selbst:

 

Zu Besuch bei Frank Hebben, einem möglichen Literatur-Cyborg

Frank HebbenWas ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Morgens und abends einen halben Liter Kerosin

Das passt zu deinem Genre, klingt aber doch etwas ungewöhnlich. Und sonst?

Jede Menge frische Waldluft und gute (Hör-)Bücher, von denen man noch was lernen kann.

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Dann würde ich wohl den ganzen Tag irgendwelche Wimmelbilder-Spiele spielen.

Echt? Ich spiele die auch sehr, sehr gerne. Oder Tetris. Sowohl Online als auch am Buchregal, wo ich meine Print-Exemplare unbedingt unterbringen muss und einfach keine weitere Regalfläche mehr bekomme. Und was tätest du dann bei einem Stromausfall?

Die Weltherrschaft an mich reißen; man langweilt sich ja schnell.

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Gar nicht. Die Show muss weitergehen! Weiter, weiter ins Verderben und so weiter …

Und dieser Vorsatz kommt nie ins Wanken? Was bremst dich aus?

Was mich fuchsig macht, sind Rezensionen, die die Pointe rausposaunen; da beiße ich mir dann genüsslich in die Faust.

Die mag keiner. Leser nicht und Autoren folglich auch nicht. 

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

 Meine Schreibgefühlsnerven habe ich mir längst veröden lassen, quittiere aber dennoch das ›FIN‹ unter einer fertigen Geschichte mit einem wohligen: Jo.

 *lol*  Klingt, als sei der Weg zur Schreibgefühlnerv-Einöde ein Leidensweg gewesen ….

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

 Alles echt! Da denke ich mir nichts aus – denn dank meiner visionären Gabe, in viele, um nicht zu sagen: in alle Parallelwelten meines eigenen Multiversums reinschauen zu können, schreibe ich eigentlich nur mit.

 Na endlich, endlich einer der es zugibt! Inside Frank Hebben haben noch viele Parallelwelten Platz. Ich bin gespannt!

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

»Ein Stückchen Perfektion vom meiner Meinung nach besten deutschsprachigen SF-Autor unserer Tage« (Josefson auf derstandard.at) ist echt nett … Gut gefallen hat mir auch das Testimonial von Andreas Eschbach: »Die Schreibe ist sehr dicht, sehr intensiv und ruft starke Bilder in einem wach. Von mir ein herzhaftes: Weiter so, Herr Kollege!« Okay,›Prothesengott‹ oder ›Cyberpunkpapst‹ reicht werktags aber auch.

Memo an mich: Das nächste Interview mit dir führe ich an einem Sonntag. Wobei ich über so eine Laudatio auch zutiefst erfreut wäre.

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Ich invertiere die Frage.

Meinetwegen! Hempel-Ausschlussverfahren ist auch recht. Also?

Der unideale Leser ist für mich jemand, der meine Geschichten hastig runterliest, das Buch beiseitelegt, sich keinerlei Gedanken dazu macht. Müde mit den Schultern zuckt.

Abgesehen davon, dass ich das für eher unwahrscheinlich halte – und nicht nur ich, wenn ich mir die Antwort zu vorangegangenen Frage noch einmal durchlese – warum?

Ich stecke sehr sehr viel Liebe und Zeit in meine Sprösslinge, so was täte dann schon weh.

*tätschel*

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Als Bühnenregisseur habe ich mein Ensemble natürlich unter Kontrolle, wäre ja noch schöner!

Echt? Respekt. Und da sind tatsächlich eine Rebellen dabei? Diven? Zweifler? Tölpel? Keine psychosoziale Betreuung vonnöten?

Nur einmal wollte Céline in der Geschichte ›Im Labyrinth der Neonrose‹ nicht aus dem Auto aussteigen, weil ihr Bein verletzt war, obwohl sie mitten rein ins Abenteuer sollte. Blieb aber stur sitzen, diese Göre – und ich musste mir dann was anderes ausdenken.

 Das macht dich menschlich. Als hochgelobter, nervenverödeter, alles im Griff habender, introvertierte Universen spazieren tragender Literatur-Cyborg wärst du mir am Ende doch ziemlich unheimlich gewesen.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

 Findest du, die gesamte Menschheit sollte deine Geschichten auswendig mitsingen können?

DAS sagst du nur, weil du mich noch nie singen gehört hast!!!

 

Hier könnt ihr Frank Hebben treffen:

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Autorenhomepage von Frank Hebben

 

Hebben Cover Lied d. GrammophonbäumeSkoutz-Lesetipp: Das Lied der Grammophonbäume – 9 Kurzgeschichten von Frank Hebben

Neun phantastische Kurzgeschichten aus der Feder des Autors, jede davon atmosphärisch dicht und reich bebildert – als Kopfkino hinter dem Vorhang aus Brokat, mit Schellackplatten und Bombentrichtern. Im

Anhang sind weitere literarische Perlen und Kleinode gesammelt.
Der Inhalt:
1) Das schweigende Haus
2) Das Uhrwerk
3) Der Seeraum
4) Verlassenes Haus
5) Das Wunder von Flandern
6) Imperium Germanicum
7) Das Lied der Grammophonbäume
8) Das Brandmal
9) Stormrider

Skoutz meint: Wer Kurzgeschichten mag, wird dieses Buch lieben. Und wer sie nicht mag, wird es sich nach der Lektüre jedenfalls noch einmal überlegen. Denn Frank Hebben zeigt mit seinem wunderbaren Sprachgefühl, wie viel Geschichte in einen kurzen Text, in und zwischen seine Zeilen gepackt werden kann. Wie weit man den Leser auf wenigen Seiten durch die Geschichte, durch Raum und Zeit transportieren kann und dann desorientiert und etwas atemlos zurücklässt, noch bevor der „Zugaben“ verlangen kann. Ganz nebenbei zeigt Frank Hebben übrigens, dass er nicht nur Science Fiction kann, sondern sich auch abseits der Milchstraße sehr wohl fühlt. Doch ihr merkt schon – wir hatten Spaß.

 

Der Algorithmus des MeeresHinweis:

Mit seinem ungewöhnlichen Science Fiction-Roman „Der Algorithmus des Meeres“ konnte Frank Hebben Skoutz-Juror Karsten Kruschel so begeistern, dass er ihn prompt für die Midlist Science Fiction des Skoutz Awards 2016 nominiert hat. Von der aus wurde er dann in einem unglaublich spannenden Foto-Finish von den Lesern zusammen mit den restlichen Jury-Mitgliedern in die Shortlist der letzten 3 SF-Bücher gewählt. Folglich ging Franks Buch ins Rennen um den SF-Skoutz 2016 und konnte tatsächlich die heiß begehrte Trophäe für sich beanspruchen!

Damit ihr erfahrt, warum das eine gute Entscheidung war, haben wir das Buch genauer untersucht, um es euch ausführlich vorzustellen (Weiterlesen)

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