zu Besuch bei: Claus Mikosch

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Wir haben ja Bücher von einigen Autoren in unserem Regal stehen, die durchaus auch mit philosophischen Anspruch schreiben. Unter diesen steht Claus Mikosch ganz vorne. Der spielerischen Leichtigkeit wegen mit der er durch seinen kleinen Buddha das Schöne gerade im Alltäglichen entdeckt und die Weisheit im Trivialen – dafür vergleichen viele Rezensenten seine Geschichten mit dem kleinen Prinzen. Ob dieser Vergleich den beiden Büchern gerecht wird, muss am Ende jeder für sich selbst beantworten. Aber neugierig genug bin ich auf den Geist, der den kleinen Buddha erschaffen hat und mit ihm zusammen auf die Suche nach dem Glück oder der Liebe geht. Dazu musste ich ihn erst einmal selbst suchen, denn als Fotograf ist Herr Minkosch viel unterwegs. Aber zum Glück hat es geklappt …

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Zu Besuch bei Claus Mikosch, einem philosophischen Glücksjäger

 

Claus MikoschWas ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Die Ideen kommen alle aus dem Leben. Von Reisen, von Begegnungen, aus dem Alltag.

Das klingt unspektakulär, aber andererseits empirisch belegt.  🙂

Spirit beim Schreiben?

Nein. SPRIT. Aber Spirit gilt auch.

„Die Sprache lieben“, wie Herr Schneider weise empfohlen hat.

Tun wir das nicht alle?

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Filme machen zum Beispiel.

Echt? Das ist ja mal neu. Filme machen klingt cool.

Mach ich auch schon auf  www.aniccathefilm.com). Oder Musik. Auf jeden Fall weiterhin Geschichten erzählen, zur Not an einem Gemüsestand auf dem Wochenmarkt 😉

Wie geschickt! Du lockst dein Publikum mit Gemüse an und wenn das Lesen schief geht, verdienst du wenigstens an den Tomaten, mit denen du dann beworfen würdest. Das ist bei deinen Geschichten zwar sehr hypothetisch, aber ein kluger Plan B!

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Wenn ein Satz nach zwei Tagen Arbeit immer noch nicht lesbar ist…  Generell würde ich aber nicht von ‚aufhören‘ reden, sondern eher ‚eine Pause einlegen‘.

Hehehe. Mein Papa sagte in dem Zusammenhang immer, es sei weniger das Problem mit dem Rauchen aufzuhören, als vielmehr, nicht wieder damit anzufangen. Ihr hättet euch verstanden.

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Einmal ist ein Vogel bei mir ins Zimmer geflogen, während ich an einem Buch über einen Vogel im Käfig gearbeitet habe. Er hat eine Runde gedreht und dann genau auf meine Tastatur geschissen! War auf jeden Fall lustig…

Und hast du dann die Szene mit dem Käfig nochmal überarbeitet? Ist der literarische Vogel dann befreit worden oder im Ofen gelandet? Ach was… verrate es nicht.

Ansonsten habe ich sehr oft sehr emotionale Momente beim Schreiben. Jeglicher Art!

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Viel. Mindestens 80% würde ich sagen. Jedenfalls was die Gefühle angeht.

Das passt zu dem, woher du deine Ideen nimmst. Die emotionale Identifikation ist bei vielen Autoren sehr ausgeprägt.

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

„Deine Worte haben mir in einer schweren Lebenskrise geholfen.“

Speziell bei deinen Büchern kann ich mir gut vorstellen, dass es auch wirklich so ist. Den ersten kleinen Buddha habe ich persönlich mit viel Vergnügen gelesen, könnte mir aber vorstellen, dass er wirklich auch Kraft geben kann, wenn ich denn zu diesem Zeitpunkt einer solchen Verstärkung bedurft hätte.

Das ist mir tatsächlich schon einige Male gesagt worden – ich kann mir nicht vorstellen, was ein schöneres Kompliment sein sollte.


Wer ist für dich dein idealer Leser?

Jemand mit Zeit zum Nachdenken und dem Willen zu Handeln.

Den ersten Teil höre ich bei meinen Autoreninterviews öfter, den zweiten nicht. Dabei ist er sehr schön. Darüber muss ich nachdenken.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Hm… Eigentlich sind sie alle irgendwie ein Teil von mir.

Na und? Ich wüsste aus dem Stegreif einige Teile von mir, mit denen ich persönlich gelinde gesagt, Schwierigkeiten habe (und mein Psychiater auch!!!)

Der eifersüchtige Schlossbesitzer (aus DER KLEINE BUDDHA UND DIE SACHE MIT DER LIEBE) wäre wahrscheinlich derjenige, mit dem ich am meisten Probleme hätte.

Hätte? Also wenn du ihm real begegnen würdest? Uh, da hätte ich noch mit einigen weiteren meiner Figuren Probleme, speziell den Bösewichten.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Hast du schon einmal eine letzte Frage in einem Autoreninterview gehabt, auf die du keine Antwort wusstest und die du daher am liebsten streichen würdest?

Seeeeehr elegant aus der Affäre gezogen. 🙂
Ich danke dir für dieses erhellende Interview und wünsche dir und deinem Buddha viel Erfolg für den weiteren Wettbewerb.

 

Hier könnt ihr Claus Mikosch treffen:

Claus Mikosch auf Facebook

(Englische) Autorenhomepage von Claus Mikosch

 

Mikosch - der kleine Buddha 1

© Gert Albrecht / Herder Verlag

Skoutz-Lesetipp: Der Kleine Buddha: Auf dem Weg zum Glück – ein philosophischer Roman von Claus Mikosch

Es war einmal ein kleiner Buddha, der vor langer Zeit in einem fernen Land lebte. Sein Zuhause war ein flacher Stein unter einem großen alten Bodhi- Baum. Dort saß er jeden Tag und meditierte. Er atmete ganz tief und ganz ruhig, ein und aus, ohne an etwas Bestimmtes zu denken. Sein Herz schlug dabei langsam und gleichmäßig, und sein ganzer Körper war still.

Manchmal beobachtete er während seiner Meditation die Wolken, wie sie friedlich am Himmel vorbeizogen. Meistens hatte er jedoch die Augen geschlossen und hörte einfach dem unsichtbaren Wind zu. Selbst die Nächte verbrachte er so. Der kleine Buddha meditierte gerne, und er liebte seinen Platz unter dem großen alten Bodhi-Baum. Dennoch fühlte er, dass etwas in seinem Leben fehlte. Etwas ganz wichtiges, das er brauchte, um vollkommen glücklich zu sein und das ihm weder die Wolken am Himmel, noch die Bäume am Boden geben konnten. Etwas, das durch nichts in der Welt ersetzt werden konnte und nach dem sich jeder Mensch sehnte. Schon seit einiger Zeit hatte er völlig verzweifelt versucht, irgendwie ohne dieses Etwas auszukommen, aber alle Versuche waren vergeblich geblieben. Es war zum Verrücktwerden. Selbst sein ruhiger Atem, der normalerweise immer eine Lösung für alle Probleme war, konnte ihm dieses Mal nicht helfen.

Was dem kleinen Buddha fehlte, war der Kontakt zu anderen Menschen. Die meiste Zeit war er völlig alleine. Er hatte nur einen einzigen Freund, einen Bauern, der ungefähr eine Stunde Fußmarsch entfernt lebte. Doch der Bauer war immer sehr beschäftigt, er musste von morgens bis abends auf seinen Feldern arbeiten. Er hatte also keine Zeit, um dem kleinen Buddha Gesellschaft zu leisten. Und ansonsten gab es niemanden, der ihn unter seinem Baum besuchte. Natürlich gab es auch zahlreiche Momente, in denen der kleine Buddha das Alleinsein genoss. Aber die ganze Zeit? Jeden Tag, jede Nacht, immer alleine? Nein, das war selbst für ihn zu viel Einsamkeit. Schließlich war der kleine Buddha ein Mensch wie jeder andere auch, und es gab keinen Menschen auf der Welt, der immer alleine sein wollte.

Also begibt er sich auf eine Reise und trifft dort auf Menschen, die jeder für sich eine Antwort darauf gefunden haben, was im Leben wirklich zählt. Und der Buddha weiß: Es sind immer die kleinen Dinge, die das Geheimnis des Glücks ausmachen.

Skoutz meint: Das kleine Buch beginnt keine Glaubenslehre und ersetzt weder ein Psychologie- noch ein Philosophiestudium, aber es unterhält auf kluge Weise und stößt mit den Episoden, die sich um die Begegnungen des kleinen Buddhas ranken, zum Nachdenken an. Die wunderschön geschriebene Geschichte ist sehr doppelbödig. Der Buddha erfährt, das alles, was außen passiert, ein Echo im Innen hat und irgendwie man immer das bekommt , was man mitbringt. Es sind nicht die großen Gesten, die zählen, nicht die dramatischen Wendungen, sondern die leisen Töne, die Nachwirken und einen dazu veranlassen, nochmal nachzuschlagen.  Und das ist eigentlich das größte Kompliment, das man einem Buch machen kann.

 

Der kleine Buddha und die Sache mit der LiebeHinweis:

Der zweite Band vom kleinen Buddha, die Sache mit der Liebe, hat Skoutz-Juror Jannis Plastargias so verzaubert, dass er das Buch für die Midlist Contemporary des Skoutz Award 2016 nominiert hat. Von dort wurde es prompt von den Lesern und der restlichen Jury in die Shortlist 2016 gewählt und tritt damit im September gegen 2 Konkurrenten im Kampf um den Contemporary-Skoutz 2016 an.

Grund genug für Skoutz, sich die neuen Abenteuer des kleinen Buddhas anzusehen und euch ein bisschen mehr von der Sache mit der Liebe zu erzählen.

Was, das könnt ihr hier weiterlesen.

 

 

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