zu Besuch bei: Arno Endler

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Heute bin ich zu Besuch bei dem Science Fiction und Krimiautoren Arno Endler, einem bekennenden Single Malt Liebhaber und Fotografen, der mit seinem düsteren Science Fiction-Krimi PARACELSUS Skoutz-Juror Karsten Kruschel so sehr begeistert hat, dass er nicht nur das Buch auf die Midlist gepackt hat, sondern mich für ein Interview losgeschickt hat. Mache ich natürlich gerne und hoffe auf einen angenehmen Plausch über einem edlen Tropfen flüssigen Golds.

 

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Zu Besuch bei Science Fiction-Autor Arno Endler

 

Arno Endler PortraitWas ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Ich schreibe, weil ich gerne Geschichten erzähle.

Ja, das ist plausibel.

Dies ist einer der Gründe dafür, dass ich zahlreiche Kurzgeschichten verfasst habe. Denn genau in dieser Form des Schreibens, kann ich mich austoben. Erzählungen über Menschen, Ereignisse, Gedanken und Gefühle entstehen, mit denen ich den Leser unterhalten möchte.

Und was treibt dich an … oder besser: Was befeuert dich?

Die Ideen dazu kommen aus ganz verschiedenen Bereichen. Gespräche, Zeitungsartikel, Tagträume oder manchmal auch einfach eine Frage, die man mir stellt.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel: Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?   Was für eine seltsame Frage.

Seltsamer finde ich gerade, dass du ausgerechnet dieses Beispiel bringst, aber nur zu …

Mein schriftstellerisches Hirn beginnt sofort zu rattern und wirft das Szenario eines zukünftigen Staates aus. Der Machthaber sorgt dafür, dass die Schriftsteller seines Landes nicht mehr schreiben können. Wie genau stellt er das an?

Lasst euch überraschen.

Okay, kommen wir zu meiner nächsten Frage. *räusper*

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Schreiben kann man immer. Ob jemand es lesen will, ist doch die Frage.

Die stellen wir gerade nicht. Aber es gibt schon Situationen, in denen man – körperlich, geistig, seelisch oder auch situativ am Schreiben gehindert sein könnte.

Es gab Momente in meinem Leben, die meinen Kopf so beschäftigten, dass für das Aufschreiben einer Geschichte kein Platz mehr war. Die Ideen kamen trotzdem. Und es folgte auch irgendwann wieder die nötige Zeit, um sie zu Papier zu bringen.

Also wäre die Antwort „Abwarten, bis es wieder geht“?

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Eigentlich nie. Klar gab es Misserfolge, die mich deprimierten, aber aufhören wollen, war keine Alternative. Ich habe als Schriftsteller ein Ziel. Warum sollte ich aufhören wollen?

Auch im Namen deiner Fans bin ich natürlich froh, dass sich diese Frage offenbar für dich nicht stellt, aber Gründe gibt es schon. Etwa den, wenn das Ziel erkennbar nicht zu erreichen ist. Wie heißt es so schön? Wenn das Pferd tot ist, steig ab. Wobei ich denke, dass deine Rösser außerordentlich lebendig sind und tatendurstig mit den Hufen scharren. 

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Beim Schreiben selbst konzentriere ich mich meist auf das Handwerk. Ich weiß, was mit meinen Figuren geschieht. Gelegentlich beschäftigen mich die Ereignisse eines Romans in meinen Träumen, weniger beim Schreiben.

Die Frage ist ganzheitlich gemeint. „Emotionale Erlebnisse im Zusammenhang mit der schriftstellerischen Tätigkeit“ trifft es vielleicht besser.

Tatsache ist, dass ich insbesondere nach längeren Erzählungen und auch nach den Romanen, die ich verfasste, nach dem Wort ENDE in ein kleines Loch falle. Ich weiß nicht genau, woran es liegt.

Das geht mir und vielen anderen Kollegen ähnlich. Ich nehme an, dass liegt daran, dass ein Buch während der Schreibphase sehr viel Platz in den Gedanken des Autors einnimmt. Ich jedenfalls neige doch dazu, auch außerhalb der reinen, für sich schon beträchtlichen Schreibzeit, anhand von Beobachtungen die Richtigkeit meiner Szenen, Dialoge etc. zu prüfen oder auch mit Details auszuschmücken. Wenn der Text dann geschrieben ist, mir das. Andererseits haben dann Größen wie Jeffrey Archer Angst vor dem ersten Satz. Autoren sind einfach komisch.

Manchmal versuche ich es zu vermeiden, in dem ich direkt mit einem Anschlussprojekt weitermache.

Was eine bewährte Heilmethode wäre…

Nach der Fertigstellung von  PARACELSUS hingegen war ich emotional in einem Tief.

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Natürlich existieren Kurzgeschichten, in denen Autobiographisches eine Rolle spielt. Doch regelmäßig versuche ich es zu vermeiden, allzu viel aus dem Alltag in meine Texte zu packen. Klar gibt es Anspielungen, Figurenzeichnungen, die von den Ereignissen und Menschen in meiner Umgebung beeinflusst sind.

Hast du ein Beispiel?

In PARACELSUS tritt der „Mann ohne Hals“ auf. Es gibt Eingeweihte, die wissen, wer dieser Mann in der Realität ist. Aber es sind nicht viele und für den Fortgang der Geschichte spielt es auch keine Rolle.

Also ein echter Insider? So was ist toll. Das weckt den Detektiv im Leser. Und das passt zu PARACELSUS ja auch irgendwie.

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Ich freue mich über konstruktive Kritik genauso wie über Lob zu meinen Geschichten.

Das tun wir Autoren doch irgendwie alle… geht es etwas genauer?

Ein „größtes Kompliment“?  Ich weiß nicht.

Wenn ich es höre oder lese, dann liefere ich es nach.

Okay! Deal!

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Jemand, der meinen Text zweimal lesen will und im zweiten Durchgang sich immer noch überraschen lässt, weil er plötzlich einen Hinweis registriert, den er beim ersten Mal überlesen hat.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Ich führe mit den wichtigsten Figuren vor Beginn der Textarbeit Interviews. Dabei stellt sich meist sehr schnell heraus, wie gut der Protagonist in die Geschichte passt. Zu mir muss er keine Beziehung haben.

Das ist jetzt ein Ansatz, den ich so noch nie gehört habe. Krass. Kannst du das? Meine Protagonisten werden spätestens beim Arbeiten zu Freunden, zu denen ich durchaus eine nicht nur rein fachliche Verbindung habe, schon weil ich deren Emotionen und Reaktionen sehr kritisch hinterfrage und das irgendwie auch bauchfühlen muss.  

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Bist du bereit, eine Rolle in der Verfilmung von PARACELSUS zu übernehmen?

🙂   Das ist eine Frage, die an dieser Stelle speziell männliche Autoren sehr häufig bringen.

*IchzahlefreiwilligeinenEuroinsChauviSchweinderl*

Vielen Dank für das sehr interessante Interview! Ich freue mich auf die Fortsetzung anlässlich des perfekten Kompliments.

 

Hier könnt ihr Arno Endler erreichen:

Arno Endler Autorenhomepage

 

Nachdem Arno uns explizit auf seine Kurzgeschichten hingewiesen hat, stellen wir natürlich eine Sammlung hiervon vor:

Endler - John Mayer 1Skoutz Lesetipp: Es wächst kein Gras in Sektor Drei (John Mayer – Teil 1)

Dies ist die Geschichte von dem Mann, der John Mayer wurde.
Wie er Otto, dem E-Fam, begegnete und einen Pakt schloss, der ihm die Tore zur Mega-City Neun öffnete.
Er wurde zum Bürger und löste als Privatermittler Diebstähle, Morde und knifflige Rätsel.

 

Skoutz meint: Hier werden Kurzgeschichten um den in einer futuristischen Welt tätigen Ermittler John Mayer vorgestellt, von denen einige vielleicht schon aus den Kurzgeschichten im c’t-Magazin bekannt sind. Im ersten Band sind Geschichten enthalten, die John Mayer vor seinem ersten Fall begleiten und den Leser in eine futuristische, aber stimmig aufgebaute und schlüssig begründete Welt entführen. Großer Lesespaß für alle SF-Fans und solche, die es werden wollen.

 

Endler-ParacelsusHinweis:
Mit seinem düsteren SF-Roman Paracelsus wurde Arno Endler von Skoutz-Juror Karsten Kruschel in die Midlist Science Fiction des Skoutz-Awards 2016 gewählt. Dort konnte er sich gegen seine Mitkonkurrenten mit Hilfe von Lesern und der restlichen Jury behaupten. Deshalb steht Paracelsus jetzt in der Shortlist. Und Kay kann womöglich im Oktober auf der Gala zur Verleihung des SF-Skoutzes 2016 mit Arno über das perfekte Kompliment weiterphilosophieren.

Paracelsus haben wir Skoutze natürlich sofort in unser Regal geflogen, verschlungen und ausführlich besprochen (weiterlesen)

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