zu Besuch bei: Anja Bagus

Banner Anja Bagus

 

Anja Bagus gehört zu jenen Autoren, die ich richtig kenne, also so persönlich, mit gemeinsamen Abendessen, einer Autorenlesung bei Patrick Rothfuss (*nostalgisch.seufz*) und so richtig „Real Life“. Passt irgendwie aber auch, denn Anja ist sehr bodenständig und live seeeeeehr unterhaltsam. Also hab ich mir den Besuch in Essen als Belohnung für den Schluss meiner aktuellen Besuchstournee aufgehoben. Jetzt bin ich gespannt, was für Antworten ich bekommen, wenn ich meine Fragen der Queen des deutschen Steampunk stelle, jenem Subgenre irgendwo zwischen Science Fiction und History, bei dem man in krassen Kostümen erzählt, wie man sich in der Vergangenheit die Zukunft vorgestellt haben könnte. Nominiert wurde sie allerdings von Skoutz-Juror Karsten Kruschel für eine kluge SF-Geschichte, die ganz ohne Dampf und Aether auskommt.

SciFi Icon

Zu Besuch bei Anja Bagus, Dampfplauderin aus Berufung

Anja BagusWas ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Ich gehe morgens mit meinem Hund lange spazieren.

Daher stammen dann deine „Moin ihr Schätze“-Posts mit den hübschen Fotos.  Und wie kommen wir von da zum Buch?

Dabei denke ich viel. Oder auch nicht, also das ist eher so ein Flow. Ansonsten mangelt es mir nie an dummen Ideen. Nur an Zeit.

Seufz. Welcome to my World. Ich habe an dieser Stelle schon mit mehreren Kollegen den 36h-Tag bei gleichbleibenden Schlafbedürfnis bestellt. Allerdings hat das Schicksal Lieferschwierigkeiten.

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Ich habe tausend Hobbys. Nähen, stricken, Lesen …

Ah, eine von der unabhängigen, handwerklich ausgerichteten Fraktion …

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Täglich etwa 10 mal.

Ups?

Vor allem, wenn ich meine Verkaufszahlen anschaue. Oder mir zu viele Gedanken über den ganzen Rummel mache.

Sachlich könnte ich an dieser Stelle empfehlen, dann eben gleichgültigen Mainstream zu schreiben, aber ich fürchte, dann wärst du nicht mehr du selbst und dann wäre das auch nur eine sehr vordergründige Lösung. Die wesentliche Eigenschaft eines Autors ist und bleibt die Frusttoleranz – dicht gefolgt von Geduld.

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Ich verliebe mich jedesmal schlimm in meine männlichen Protagonisten. Das ist schon furchtbar. Weil man sie ja sofort verkuppelt.

Hahaha. Ja, das merkt man, wenn man dir bei Autorenlesungen zuhört. Da leuchten die Augen und so ein ganz klein bisschen verändert sich auch die Stimme, wenn du „ihn“ beschreibst.

Aber ich verstehe das Problem nicht. Lass dir doch ein paar Seiten mehr Zeit, dann kannst du sie ein, zwei Kapitel für dich allein … genießen.

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Nicht besonders viel. Mein echtes Leben ist vergleichsweise langweilig.

Anja, sorry, das glaube ich keine Sekunde. Ich fürchte, Annabelle Rosenherz wäre dein Leben viel zu quirlig. Aber da du ja aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende futuristische Elemente beschreibst oder gleich mit Raumschiffen in die Zukunft fährst, könnten wir uns auf „lässt sich einfach schwer vergleichen“ einigen.

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Dass eines meiner Bücher das Leben positiv verändert hat.

Das ist eine oft gehörte Formulierung. Meinst du, das liegt daran, dass wir beim Schreiben andere Welten ersinnen und nach Möglichkeiten suchen, diese zu verbessern? Und damit hoffen, dass sie auch in dieser Welt ihren Zauber entfalten? Die Magie einer guten Geschichte liegt schließlich zwischen den Zeilen und sie wird immer den Leser verändert zurücklassen.

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Jemand, der sich einlässt und nicht nach Kommafehlern sucht.

Ich denke, das schließt sich gegenseitig aus. Je mehr die Geschichte fesselt, je schneller die Augen über die Zeilen fliegen, desto gravierender muss ein Fehler sein, dass er dann überhaupt auffällt. Gutes Handwerk bedingt eine saubere Rechtschreibung, aber sie sollte nicht zum Hauptzweck erhoben werden.

Widmen wir uns erfreulicheren Themen … Interna   🙂

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Hm. Es gibt einen Mann … den ich am Anfang nicht so mochte.

Keine Romanze in diesem Fall?

Aber er ist mir doch ans Herz gewachsen.

Na also, geht doch!

Friedrich Falkenbergs Geschichte ist noch nicht fertig erzählt und er wartet geduldig schweigend darauf.

Deine Leser auch? *räusper*

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Glaubst du, dass Schreiben eine Berufung ist?

Das ist eine wunderschöne Schlussfrage.

Anja, es war mir wieder einmal eine Freude, mit dir zu plaudern und so wünsche ich dir ganz viel Freude beim Schreiben und noch viel Erfolg im weiteren Verlauf des Wettbewerbs.

 

Hier könnt ihr Anja Bagus (außerhalb von Cons) treffen:

Anja Bagus auf Facebook

Autorenhomepage von Anja Bagus

AetherherzSkoutz-Lesetipp: Waldesruh – Steampunk von Anja Bagus

Die adlige Witwe Minerva hat die Nase voll davon, weiterhin Gesellschafterin ihrer Mutter zu sein. Der Unternehmer Falk Bischoff will eine Glashütte kaufen, doch der Glasmachermeister wurde ermordet und seine wertvolle Forschung ist verschwunden. Ein preußischer Hauptmann folgt den unheilvollen Visionen einer Hexe. Seine Mission: einen drohenden Krieg verhindern.
Sie alle logieren im exklusiven Hotel Waldesruh, dessen verwöhnte Gäste sich eines luxuriösen Lebens erfreuen. Sie wollen Skilaufen oder im Pferdeschlitten durch die verschneite Landschaft kutschieren und sich abends mit Tanz und Gesellschaftsspielen amüsieren.
Doch auch sie müssen feststellen, dass der Æther rund um den mysteriösen Glasberg vieles verändert hat. Als in der Silvesternacht uralte Mächte erwachen, müssen sich alle entscheiden, auf welcher Seite sie stehen.

Skoutz meint: Anja Bagus ist durch ihre Steampunkige Aetherwelt-Reihe auf Cons sehr bekannt. Glück und Glas… Diese durch „moderne“ Erfindungen aufgepeppte Vergangenheit der Bismarck-Zeit bietet dabei einen grünglimmenden atmosphärisch dichten Hintergrund für Waldesruh. Die Geschichte greift eine uralte Legende auf und überträgt deren Motive in einen Rahmen, in dem sich um ein dunkles Geheimnis und ein böses Verbrechen eine sehr spannende Beziehung zweier verletzter Menschen entwickelt. Gerade weil das Buch eine Geschichte erzählt, die als Romance-Krimi durchginge, ist es ein guter Einstieg in den Steampunk.

 


Mission HoffnungHinweis:

Anjas Alien-SF-Roman „Mission Hoffnung“ gefiel Skoutz-Juror Karsten Kruschel aus so gut, dass er das Buch aus über 100 vorgeschlagenen Titeln in die Midlist Science Fiction des Skoutz-Awards 2016 gewählt hat. Von dort wuppten es Leser und die restliche Jury prompt in die Shortlist. Und so geht Anja jetzt in der finalen Runde auf “Mission SF-Skoutz 2016”, wo sie sich gegen 2 Mitbewerber durchsetzen muss.

Wir haben uns das bei O’Connell-Press veröffentlichte Buch näher angesehen und stellen euch die Geschichte, die sich in einer verdächtig nach Gegenwart riechenden Zukunft mit hochbrisanten Fragen beschäftigt, gerne vor. Ihr müsst nur weiterlesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.