Skoutz-Wiki: SuB (Stapel ungelesener Bücher)

Der SuB für die Ungeduldigen:

SuB oder Stapel ungelesener Bücher ist ein Ausdruck, der in Literaturforen häufig benutzt wird. Weiterentwicklungen sind dann in logischer Fortsetzung für schwere bis hoffnungslose Fälle RuB (Regale ungelesener Bücher), ZuB (Zimmer ungelesener Bücher) bis hin zu HuB (Haus ungelesener Bücher). Technisch versiertere Leser verwenden RueB (Reader ungelesener eBooks), was zwar irgendwie modischer klingt, aber das Problem an sich auch nicht löst.

Der Ursprungs-Begriff ist unter Buchmenschen weit verbreitet, beschreibt er doch kurz und bildhaft, einen Zustand, der unter den Betroffenen kontrovers diskutiert wird. So beruhigend es ist, dass auf absehbare Zeit der Lesestoff nicht ausgeht, entwickelt man doch schnell das Gefühl, nunmehr auch lesen zu müssen und – was von vielen als besonders quälend empfunden wird – erst einmal keine neue Lektüre mehr zu kaufen.

 

Genauer betrachtet:

Zunächst einmal ist unter wissenschaftlicher Betrachtung zwischen den verschiedenen Gattungen des gemeinen SuB peinlich genau zu unterscheiden, da sie in Entstehung und Handhabung völlig unterschiedliche Herangehensweisen erfordern:

  • der Plan-SuB, dessen Entstehung gezielt und meist aufgrund konkreten Bedarfs herbeigeführt wird
    (z.B. Hamsterkäufe vor verlängerten Wochenenden oder Urlaubsreisen);
  • der temporäre SuB, der aufgrund eines Auseinanderfallens von Angebot und Konsum entsteht, aber für sich gesehen nicht besorgniserregend ist, sei es aufgrund Reduzierung des normalen Lesevolumens aufgrund äußerer Einflüsse (Lernphasen, berufliche Verhinderung, Krankheit) oder aufgrund außergewöhnlichen Überangebotes (z.B. Bücherflohmarkt, Haushaltsauflösung bibliophiler Nachbarn oder geschenkträchtige Veranstaltungen wie Weihnachten);
  • der Hamster-SuB, der wissentlich und willentlich angehäuft wird, um möglichen Versorgungsengpässen zu entkommen und einen Schutzwall gegen eine als überwiegend unerfreuliche Realität aufzubauen
    (z.B. nach Bookhangover, schwerem Librionismus (Typ C Libriholiker) oder der gefürchteten Happyend-Psychose);
  • der Neigungs-SuB, der entsteht, wenn speziell unverlangte Bücher in den Besitz des Lesers kommen, die nicht oder nicht auf den ersten Blick seinem Beuteschema und bevorzugtem Genre entsprechen und deshalb in der Lektüre (berechtigt oder nicht, mit mehr oder minder schlechtem Gewissen) zunächst einmal zurückgestellt werden (z.B. Tante Irmis Sammlung frühromantischer Novellen);
  • der sedimentäre SuB, ein besonders stattliches, oft über viele Jahre gezüchtetes Exemplar, bei dem weder der Stapler noch sonst jemand ohne fachkundige Grabungen sagen kann, was in den unteren Schichten lagert;
  • der Poser-SuB, ein nicht nur unter männlichen Lesern weit verbreitetes Phänomen, die eigene Bibliophilie anhand möglichst großer Exemplare zu dokumentieren (hier sind Stapel mit mehreren hundert, ja tausend Titeln keine Seltenheit und werfen die Frage auf, ob es hier noch um ein Medium geht, das den Zugang zu einer Geschichte erlaubt, oder doch nur um ein Status Symbol, so wie man sich früher gerne mit einem Meter Goethe für die Wohnzimmerregalwand eindeckte);
  • der Neurosen-SuB, der durch den Zwang entsteht, neue Bücher, die speziell über die sozialen Netzwerke entdeckt werden, auch zu besitzen (Hier wirken sich Organisationen wie medimops und rebuy sehr unheilvoll auf die zarte Leserpsyche aus, wobei am wohl gefährdetsten die E-Reader sind, da hier über oft sehr günstige Schnäppchenpreise, der Sammelvirus zusätzlich getriggert oder auch angefixt wird);
  • der SeB, also der Stapel erneut zu lesender Bücher sowie sein für Buchästheten nicht minder wichtiger Vetter, der SaPS (Stapel angeberischer Prachtschinken, die man nicht kauft um sie zu lesen, sondern weil sie so schön sind…), sind Sonderkategorien, die genau genommen einer besonderen Betrachtung bedürften, da sie eine seriöse SuB-Berechnung verfälschen würden.

Natürlich kann es im Lebenszyklus eines SuB zu Verschiebungen kommen und kann ein Plan-SuB schnell zu einem neurotischen werden und der Neigungs-SuB ggf. auch zu einem sedimentären. Das hängt ganz vom Umgang des Lesers mit seinem persönlichen SuB ab.

Vor- und Nachteile eines SuB in Relation zu seiner Höhe

Wie so oft liegt auch hier die Wahrheit im Auge des Betrachters und so sind die nachstehend aufgeführten Merkmale individuell von jedem Einzelnen auf ihre Wichtigkeit hin zu bewerten.

  • Je mehr Bücher im SuB enthalten sind, desto größer ist die Auswahl bei akutem Lesebedarf.
    (+) Für jede Stimmung findet sich ein passendes Buch
    (-) Zuviel Auswahl kann auch blockieren, Unentschlossenheit wird schnell verstärkt
  • Je mehr Bücher im SuB enthalten sind, desto größer ist der Platzbedarf.
    (-) Bücher sind schwer, das bedeutet, dass ein allzu großer SuB (speziell in der Untergattung des RuB) schnell zur statischen Belastung des durchschnittlichen Billyregals werden kann.
    (+) ein kunstvoll geschichteter SuB erlaubt natürlich auch die Einsparung von Möbeln, denn sie dienen als Hocker, Tisch, Bett und ggf. Trittleiter
  • Besitz belastet
    Hier ist zwischen Unterhalts- und Beschaffungskosten eines SuB zu unterscheiden. Im Unterhalt kosten zunächst ungelesene Bücher nicht mehr als gelesene. Spätestens, wenn man sich entscheiden muss, für eine angemessene Bibliothek in eine größere Wohnung zu ziehen, wird aber von weniger buchvernarrten Mitmenschen der für sich gesehen fast schon ketzerische Vorschlag gemacht, einen Teil der Bücher zu verkaufen. Dies macht – gerade wenn man die typische Preisspanne zwischen Gebraucht- und Neubuch berücksichtigt – jedoch eine Unterscheidung erforderlich. Ein ungelesenes Buch zu verkaufen ist noch blödsinniger als ein gelesenes (was auch noch schwer genug ist. Wer weist schon seinen besten Freunden die Tür?).
    In der Beschaffung hingegen ist ein SuB auch in Zeiten von Niedrigzinsen Luxus. Wer sich mit dem zeitnahen Konsum von Büchern anfreunden kann, findet über die verschiedenen Möglichkeiten der Buchleihe kostengünstige Alternativen, die aufgrund der definierten Rückgabetermine das Anwachsen allzu großer SuB verhindern.

Der richtige Umgang:

Generell wird es nur ungewöhnlich disziplinierten und vorausschauenden Lesern gelingen, niemals einen SuB entstehen zu lassen. Die überwiegende Mehrheit der Buchmenschen hat sich dagegen regelmäßig oder auch andauernd mit ihrem SuB kritisch auseinanderzusetzen. Gerade auf Facebook haben sich regelrechte SuB-Selbsthilfegruppen gebildet, die ihre SuB mit der gleichen Entschlossenheit bekämpfen, mit denen andere ihrem Winterspeck an den Kragen gehen (oft auch mit demselben Erfolg; der gefürchtete Jojo-Effekt ist auch SuB-Besitzern wohlbekannt).

Bewährte (oder jedenfalls regelmäßig genannte) Methoden für den SuB-Abbau sind:

  • Buchkaufverbote bis der SuB abgelesen ist
    (Nachteil: Das führt schnell in die Isolation, weil man speziell bei Neuerscheinungen nicht mitreden kann)
  • 2 for 1, die Variante für Undisziplinierte, bei der man 2 Bücher lesen muss, bevor man ein neues kaufen darf
    (Nachteil: diese Variante verführt zu Selbstbetrug, da man schnell beginnt, schon zu kaufen, wenn das zweite Buch fast fertiggelesen ist. Binnen kurzer Zeit verkehrt sich der Vorsatz ins Gegenteil und man kauft oft mehr als vorher)
  • Belohnungslesen, wenn man etwas erhält, wenn man ein Buch vom SuB liest
    (Nachteil: Wer Schokolade braucht, um sich zum Lesen zu motivieren, hat in der Regel auch kein Problem mit dem SuB. Wer eines hat, wird sich dagegen womit belohnen wollen? Genau! Mit Büchern …)
  • Ignorieren, denn schließlich schadet ein SuB nicht und Lesen sollte Spaß machen
    (Nachteil: es bringt nichts. Bücher sind geduldig. Und irgendwie – keiner weiß wie – neigen sie dazu, sich heimlich zu vermehren. Anders jedenfalls ist es nicht zu erklären, dass sich in Haushalten mit ignorierten SuB häufig binnen Kurzem neue kleine SuB an anderen Stellen finden)
  • SuB wegräumen, in Kartons verpacken und unter das Bett oder in den Keller stellen, sozusagen die Profimethode des Ignorierens
    (Nachteil: Diese Methode ist so sinnvoll wie auf eine schwärende Wunde ein Pflaster zu kleben. Du weißt, dass er da ist, du weißt, wo er ist. Und du weißt, dass er erwartet, dass du ihn liest – umso schneller, je stiefmütterlicher du ihn behandelst. Alles weitere besprich bitte mit deinem Psychiater und beklag dich nicht, dass keiner dich gewarnt hätte)
  • Bücher, die man in einer bestimmten Zeit nicht gelesen hat, verschenken, verkaufen, anderweitig in Umlauf bringen, z.B. mittels Bookcrossing, damit andere die Bücher lesen, die sie mögen
    (Nachteil: es tut weh. Wirklich weh.)
  • Analyse des SuB, denn so wie man beim Kleiderschrank Ausmisten auch immer wieder alte Dinge neu für sich entdeckt, könnte es auch beim SuB sein. Immerhin wollte man die Bücher ja einmal haben. Also kann man immer bevor man ein neues Buch kauft, erst nachsehen, ob man nicht ein SuB-Buch für sich entdeckt.
    (Nachteil: Die Methode ist nichts für Ungeduldige)

Best practice – Tipp

Am erfolgversprechensten dürfte eine individuell nach persönlicher Konstitution, Lesegewohnheit und äußeren Lebensumständen abgestimmte Kombination aus all diesen Varianten sein. Wir haben jedenfalls nach der Sichtung der Buchlisten für den Skoutz-Award extrem schnell angewachsene temporäre RuB (epidemischen Ausmaßes!) damit einigermaßen gute Erfahrungen gemacht.

Sehr hilfreich in Bezug auf die Pflege eines überschaubaren SuB ist die Wunschliste. Man muss nicht jedes Buch sofort kaufen, wenn man weiß, dass man es nicht sofort lesen wird. Wirklich, das Risiko, dass ein Buch gleich wieder vom Markt verschwindet, ist denkbar gering. Führt Wunschlisten, auf die ihr solche Bücher setzt, und mistet ggf. auch dort mal wieder aus. Es schont nicht nur eure Nerven und Geldbeutel, sondern erlaubt auch auf diskrete Anfragen im November, was man sich denn zu Weihnachten wünscht, schnell und kompetent zu antworten.

Hinweis: Sehr lustig beschreibt auch Charlousie von Leselust & Leseliebe ihren persönlichen Umgang mit diesem Thema auf ihrem auch sonst sehr lesenswerten Blog (weiterlesen).  Eine aktuelle Handlungsanweisung zum richtigen Umgang mit dem SUB und seinem sozialverträglichen Abbau macht sich Gloria Manderfeld unter nerd-gedanken (weiterlesen).

 

Bonuswissen (Klugscheißermodus): SuB-Berechnung

So variantenreich wie der SuB in seiner Entstehung und Behandlung daherkommt, so knifflig ist auch seine korrekte Berechnung. Wie oben bereits angesprochen geht es dabei ja auch um die Frage der Bewertung in vielen Einzelpunkten:

  • Zählen ganz dicke Bücher doppelt?
  • Was ist mit Büchern, die in Deutschland im Gegensatz zur englischen Ausgabe nicht in einem, sondern zwei Bänden herausgegeben werden?
  • Zählt ein Buch, das man ein zweites Mal lesen will?
  • Was ist mit Anthologien, bei denen man nicht alle Geschichten liest?
  • Was mit Sammelbänden, bei denen man nicht alle Romane liest?
  • Wie zählen z.B. Gedichtbände?
  • Wie berechnet man Nachschlagewerke, die von vornherein nicht zum vollständigen Lesen konzipiert sind?
  • Gibt es bei Comics und Mangas und anderen textarmen Publikationsformen Abzüge?
  • Wie geht man mit Gesamtausgaben um?
  • Wie bewertet man nachgekaufte Bücher, z.B. weil der alte Band schon zerfleddert oder verloren gegangen ist?
  • Ab wann zählt ein Buch zum SuB (Bestellung, Kauf, Lesevorsatz)?
  • Wann nimmt man es von der Liste (beim Anlesen, beim Fertiglesen?)
  • Wie bewertet man Bücher, die man bewusst abbricht?
  • Wie zählen Fragmente (unvollendet gebliebene Romane)?
  • Sind gekürzte Ausgaben (derartige Schändungen gibt es ja gern im Jugendbuchbereich!) konsequent mit Abzügen zu belegen?

Der SuB steht damit auf einem literarisch wahrhaft weitem Feld.

Konkrete Berechnungseinheiten

Bei Literaturschock hat man sich im Literaturforum sehr intensiv, absolut ernsthaft und sehr wissenschaftlich zu diesem Thema ausgetauscht. Herausgekommen ist eine komplexe Berechnungsformel, wobei hier aus nachvollziehbaren Gründen die These vertreten wird, nicht auf die Einheit “Buch”, sondern (mit statistischen Bereinigungen) auf die Untereinheiten “Seite” oder gar “Zeichen” abzustellen. Letzteres ist freilich schwierig, da in der Regel die Zeichenzahl nicht angegeben wird.

Zusätzlich sollte aber auch auf einen Durchschnittswert abgestellt werden. Hier ist zwischen individuellem und allgemeinem Durchschnitt zu unterscheiden. Das heißt bezogen auf das persönliche Buchregal und die allgemeinen Trends im Buchmarkt.

Praxisrelevant wäre auch die Berücksichtigung der beim SuB-Abau aufzuwendenden Gesamtlesezeit, wobei hier natürlich die individuelle Leistungsfähigkeit des Rezepienten zu erheblichen Schwankungen führen wird und zudem das Ergebnis um unbeeinflussbare Außeneinwirkungen zu berichtigen ist. Eine sinnvolle Einheit wäre hier das SUB-Jahr, das man sozusagen als zeitbasiertes Längenmaß einführen könnte.

Letztlich ist auch von Interesse, wie hoch der Anteil des SuB am Gesamtbuchaufkommen innerhalb eines Haushalts ist.

Auch in Bezug auf die falsche Ermittlung bietet Literaturschock übrigens Hilfe an und hat rückwirkend zum 01.01.2007 die strafbewehrte SuB-Ermittlungsverordnung eingeführt (weiterlesen).

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