Skoutz-Wiki: Klappentext

Bei kaum einer Vokabel erbleichen selbst gestandene Autoren so zuverlässig und vollständig wie bei der Erwähnung des eigentlich eher harmlos wirkenden Wortes “Klappentext“, wobei die Reaktion umso heftiger ausfällt, je näher ein geplanter Veröffentlichungstermin rückt.

Was aber für ein Instrument verbirgt sich dahinter? Offenbar eines, das in keiner wohlsortierten Folterkammer für Autoren fehlen darf. Im Skoutz-Wiki haben wir mal recherchiert:

 

Der Klappentext in Kürze:

Der Klappentext ist eine Textform, die man als eine Mischform zwischen Werbetext und Inhaltsangabe bezeichnen kann. Klappentexte informieren und umwerben potenzielle Leser und zwar vorzugsweise so, dass dieser danach sofort den Wunsch verspürt, das besagte Buch zu kaufen.

Seinen Namen hat der Klappentext aus der guten alten Zeit der Hardcover, die noch mit einem Schutzumschlag geschützt wurden, in dessen Einschlagklappe dann eine kurze Inhaltsangabe des Buches stand.

 

Der Klappentext ausführlich untersucht:

Ein Klappentext besteht vor allem aus einer kurzen (!), werbenden(!), spoilerfreien (!) Zusammenfassung der Geschichte, einer Vorstellung des Autors und gegebenenfalls weiteren Hinweisen zum Werk, zu anderen Werken des Autors oder desVerlags. Bei Büchern ohne Umschlag wird dieser Text in der Regel auf der Seite 2, also auf der Rückseite des Schmutztitels (Umschlags) platziert.

Selfpublisher fürchten Klappentexte, weil es verdammt schwierig ist, eine Geschichte, die man auf 200 Seiten und mehr erzählt hat, jetzt auf 2-3 Sätze zusammenzufassen. Verlagsautoren, denen das von Marketingabteilungen und Lektoren abgenommen wird, hingegen graut davor, wie diese ihre Geschichte zusammenfassen. Und die, denen ein Mitspracherecht eingeräumt wird, beklagen die schwierigen Diskussionen. Man kann also zusammenfassen: Klappentexte sind Biester.

Mögliche Bestandteile eines Klappentextes

  • Inhaltsangabe – oder vielmehr ein Anriss, bei dem natürlich nicht zuviel verraten werden soll.
    Oft sieht man eine Frage zum weiteren Verlauf der Handlung (Wird ihre Liebe bestehen? Können sie dem Mörder zuvorkommen?)
  • Zitate – ein, zwei knackige Sätze, die neugierig machen, findet man oft im Klappentext.
    Speziell bei Klassikern, bringt man oft Aussagen, die sprichwörtlich geworden sind (“Sein oder Nichtsein – das ist hier die Frage” MacBeth)
  • Kommentare – Auszüge aus Rezensionen, bekannte Kollegen, die das Werk loben (diese auf engl. “Blurb” genannten Passagen sind nicht mit dem Klappentext selbst gleichzusetzen, sondern eigentlich nur ein Teil davon)
  • Reihe – idealerweise auch Hinweise dazu, ob und ggf. welche Bücher man vorher gelesen haben sollte, oder nachher lesen muss, wenn man wissen will wie es ausgeht. Oder den Hinweis, dass dieses Buch zwar Teil einer Reihe ist, aber eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt.
  • Angabe von Genre und Themenschwerpunkten.
  • Autorenportrait – Ein paar Informationen zum Autor sind üblich. Hier erwähnt man auch gerne frühere Erfolge (Bestseller, Auszeichnungen etc.) oder besondere Sachkunde.
  • Werbung – oft nutzt man verbleibenden Platz noch für Hinweise auf andere Bücher des Autors oder des Verlags, die den Leser auch interessieren könnten.

 

Klappentext schreiben

So wie der Klappentext eine Textform für sich ist, ist auch das Verfassen desselben eine eigene Kunst, die besonderen Regeln folgt, um ihren Zweck zu erfüllen. Hier geht es weniger um die literarisch-künstlerische Umsetzung, als vielmehr um handfeste Aspekte des Marketings. Der Klappentext ist nach dem Cover der zweite Eindruck, den ein unvorbereiteter Interessent von einem Buch erhält und wesentlicher Kaufanreiz.

Wer sich hierüber informieren will, dem empfehlen wir den entsprechenden Artikel unserer Chefredakteurin Kay Noa auf ihrem Blog, in dem sie über ihre diesbezüglichen Erfahrungen als Autorin berichtet (weiterlesen).

 

Bonuswissen Klappentext (“Klugscheißmodus”)

Mit nichts kann man in Diskussionen so zuverlässig seinen Expertenstatus dokumentieren wie mit kleinteiligen Abgrenzungen. Besonders empfiehlt sich beim Begriff “Klappentext” die saubere Unterscheidung zu “Waschzettel” (Ja, der heißt wirklich so!) und “Blurp”.

Der Waschzettel ist eine kurze, möglichst übersichtliche Information über ein bestimmtes Produkt oder Unternehmen (Marketing/Public Relations). Er dient dazu, Pressemitteilungen oder -Konferenzen zu ergänzen.Im Prinzip ist er eine Faktenquelle für Veröffentlichungen anderer.

Im Literaturbetrieb ist es allerdings wieder einmal ein kleines bisschen anders: Da werden von Verlagen oder zunehmend auch SP-Autoren vor der Veröffentlichung die Bücher intensiv beworben (bei Buchhändlern und Vertrieb, bei Medien und Presse), um möglichst frühzeitig Buchempfehlungen oder Rezensionen zu bekommen. Diese Vorab-Informationen enthalten meist  (wie auch der Klappentext) eine Inhaltsangabe, Bilder, evtl. Textproben sowie die bibliographischen Angaben wie ISBN, Verlagskontakt, Ausgabeversionen und Preis. Aus Kostengründen handelt es sich oft um denselben Text wie später beim Klappentext, doch die Funktion ist eben eine andere.

Ein Blurp ist eine mehr oder minder freiwillige Empfehlung eines Prominenten, durch die Kaufanreize geschaffen werden. Es geht also um die kurzen Werbezitate, die immer mehr zum festen Bestandteil von Klappentexten, Buchhüllen, Prospekten und Webseiten der Verlage geworden sind. Der Name kommt von der amerikanischen Kabarett-Figur Belinda Blurp, mit deren Empfehlungen dieses Marketinginstrument ins Lächerliche gezogen wurde. Wenn ein Promi ein Produkt gut findet, kann es ja gar nicht schlecht sein. Experten nicken dazu weise und nuscheln etwas von “symbolischen Meinungsführern”.  Damit ist also ein Blurp ein häufiger Bestandteil von Klappentexten aber eben nicht der englische Begriff für Klappentext selbst. Der wird zwar heute gerne damit gleichgesetzt (wobei Blurp eben noch mehr Bedeutungen hat) hieß aber eigentlich auf englisch “(dust) cover text” oder “jacket text”.

Auch wieder ein schönes Beispiel, wie Sprache sich doch stetig wandelt.

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