Skoutz-Wiki: Fantasy

An wenigen Genres scheiden sich so sehr die Geister wie bei Fantasy oder auch Phantastik.

Faszinierend ist, wie sehr sich der Literaturbetrieb gegen dieses Genre wehrt, wie oft das Genre totgeredet wird und wie beharrlich sich die Titel dann doch in den Charts halten, ja Welt-Bestseller werden. Grund genug für Skoutz, sich das einmal genauer anzusehen.

 

Fantasy in Kürze:

Natürlich gehen auch hier die Meinungen darüber, was nun eigentlich Fantasy ist, erheblich auseinander. Speziell die Sub-Genres sind oft sehr schwer voneinander abzugrenzen.

Einigkeit besteht noch darin, dass Fantasy anhand des Settings und gewisser Details, nicht aber anhand des Plots bestimmt wird. Herausragendes Merkmal ist, dass sie Annahmen als gegeben voraussetzt, die in Widerspruch zu unserem Schulwissen stehen. Dazu zählen etwa Magie, fremde Welten, fremde Rassen, Zeitsprünge, sprechende Tiere, übersinnliche Fähigkeiten …

Der Plot befasst sich meist mit Abenteuern (Heroic Fantasy) oder Romanzen (Romantasy), aber auch Krimis werden erzählt. Es dürfte daher nach unserer Auffassung keinen “reinen” Fantasyroman geben. Immer bedarf es auch eines die Handlung betreffendes weiteren Genres (Abenteuerroman, Romance, Crime).

Ob Fantasy nun der englische Begriff zu Phantastik ist, oder deren schmuddelige kleine Schwester und damit eher ein Subgenre, müsst ihr für euch entscheiden.  Skoutz will nicht zwischen gehobener und trivialer Literatur unterscheiden.

Eine literaturwissenschaftliche Betrachtung der Phantastik gibt es bei Wikipedia.

Fantasy ausführlich betrachtet:

Übersinnliche Fähigkeiten, Magie, Drachen, Einhörner, Elfen, Zwerge, Vampire und Werwölfe. Sie alle finden ihre Heimat in der Fantasie, jenem Genre in dem wir wild und frei von wissenschaftlichen Beweisen träumen, fabulieren und spinnen dürfen. In der man sich alles vorstellen kann und alles erlaubt ist. Fantasy ist damit nach unserer Ansicht ein sehr wichtiges und ungeheuer einflussreiches Genre, ein Versuchslabor für Träumer. Ist es Zufall, dass bis heute für die meisten von uns Fantasygeschichten zu den ersten bewussten Leseabenteuern zählen? Der Herr der Ringe, Biss, Harry Potter oder Game of Thrones (Song of Ice and Fire) sind Fantasystoffe, die weltweit viele Millionen Menschen begeistern.
Vielleicht fühlen sich deshalb auch so viele junge Autoren zur Fantasy hingezogen? Vielleicht ist der dort oft gemachten Anfängerfehler wegen deren Ruf bis heute … verbesserungsfähig?

Fantasy im Literaturbetrieb

Wie schon gesagt, die Beziehung zwischen Literaten und Fantasy ist … kompliziert.
So ein bisschen kommt uns dieses Genre in der Debatte führender Buchsachverständiger immer wie der verhasste Neffe vor. Jener, der ein bisschen zu laut, zu bunt und zu proletenhaft daherkommt, aber es irgendwie zu Erfolg und Geld gebracht hat, und den man dafür neiderfüllt verachtet.
Obwohl es schon immer (Welt-)Literatur mit Fantasy-Elementen gegeben hat, stammt der Genrebegriff von der Straße. Damals wurden Fantasygeschichten oft fragwürdiger Qualität in Pulp-Magazinen und anderen Groschenheften sehr beliebt. Und dieses schmuddelige Image haftet der Fantasy bis heute an, obwohl es neben vieler fraglos und ganz bewusst als reine Unterhaltungsliteratur geschriebenen Geschichten eben auch literarisch hochwertige, sehr komplexe Werke gibt. Die Grenzen zwischen Unterhaltung und ernster Literatur verschwimmen längst und Harry Potter ist Schullektüre geworden. Und doch wird Fantasy weiterhin von der Literaturwissenschaft ausschließlich der „Popkultur“ zugeordnet.

Elemente der Fantasy

Vereinfacht: In der Fantasy ist das Verrückte normal. Das heißt etwas ausführlicher begründet, dass der Geschichte ein Setting zugrunde liegt, in dem irrationale und wissenschaftlich unmögliche Elemente als real vorausgesetzt und in der Erzählstruktur verwendet werden.

Ursprünglich waren Fantasyromane meist in einen archaischen, oft mittelalterlich geprägten Rahmen eingebettet. Das ist mit dem Erstarken der Urban Fantasy, die Zeitgenössisches mit phantastischen Elementen aufmontiert, so unseres Erachtens aber nicht mehr genrebezeichnend. Auch Genre-Mixes mit Science Fiction (z.B. fantastische Dystopien) und Historienroman, insbesondere bei der alternativen Geschichte wie etwa dem Temeraire-Zyklus von Noami Noviks Drachen in napoleonischer Zeit brechen mit der mittelalterlich geprägten Fantasy.

Magie – oder allgemeiner Übersinnliches – bleibt zentrales Element des Genres, so sind oft auch typische Fantasyfiguren wie Elfen oder Vampire mit magisch anmutenden Fähigkeiten ausgestattet. Zwingend ist es jedoch nicht und es gibt genügend Beispiele, in der Magie keine oder allenfalls eine untergeordnete Rolle spielt. Gleichwohl erfreuen sich speziell in der High Fantasy Welten mit schlüssig dargestellten Magie-Konzepten großer Beliebtheit.

Ein besonderer Reiz besteht in ihren Rassen und Völkern. Viele sind werks- und generationenübergreifend regelrecht definiert, wie etwa Zwerge, Orks und Elfen (Elben), die sich an den Vorbildern europäischer Sagen orientieren, aber innerhalb des Genres weiterentwickelt und charakterisiert wurden. Zwerge haben einen langen Bart und kämpfen mit brachialen Waffen wie Äxten oder Streitkolben, Elfen sind kultiviert, dem Menschen überlegen und magiebegabt, Orks sind dumm und brutal etc. Geschichten, deren Handlung primär an den Eigenheiten dieser Rassen oder ihren Konflikten mit anderen entwickelt wird, wird gelegentlich als eigenes Subgenre geführt, nämlich der Völkerfantasie wie etwa die Elfen von Bernhard Hennen. Daneben tauchen Untote wie Geister, Zombies und Vampire auf (hier merkt man die Verwandtschaft zum Horror), aber auch Engel, Teufel und Dämonen. Dazu gibt es in allen Subgenres auch Hybridwesen die man gleichfalls aus alten Sagen übernommen und generalüberholt hat wie Zentauren oder Satyre.

Wie hat es angefangen?

In der Skoutz-Redaktion vertreten wir ja die Ansicht, dass das an die Höhlenwände gemalte Jägerlatein vermutlich die erste Fantasy war. Und von dort wurde sie dann konsequent von Legenden-, Märchen- und Mythenerzählern weiterentwickelt. Wikipedia nennt als sehr frühes gedrucktes Beispiel die 1516 in Ferrara erschienenen Verse Orlando furioso von Ludovico Ariosto.

Romantik

Auch in der Romantik befassten sich heute noch bekannte Autoren wie Novalis in Heinrich von Ofterdingen oder auch Ludwig Tieck mit Fantasy. Tiecks Die Elfen erschien viele Jahrzehnte vor dem gleichnamigen Bestseller von Bernhard Hennen.

Eines der ersten Bücher, die nach heutigen Maßstäben Fantasy sind, dürfte Alice im Wunderland von Lewis Carroll (1865) gewesen sein, Jules Vernes Romane wie Die Reise zum Mittelpunkt der Erde oder Lyman Frank Baums Der Zauberer von Oz. Es folgten enorm einflussreiche Autoren, die auch heute noch gerne gelesen werden wie Edgar Allan Poe oder H.P. Lovecraft.

Die 1920er

Die Golden Twenties waren zumindest in den USA auch die Blütezeit der Fantasy, in der vor allem Fantasy-Magazine mit Kurzgeschichten enorme Auflagen erzielten. Die Geschichten Robert E. Howard sind heute noch bekannt, z.B. Howards Conan, der mit der Verfilmung Weltruhm erlangte.  Dieses Heftchen-Image und die oft sehr “Pulpartigen” Geschichten voller oft heftiger Gewaltfantasien oder rassistischen und sexistischen Motiven dürfte den Grundstein dafür gelegt haben, warum bis heute der Literaturbetrieb Fantasy und Phantasten nur mit gerunzelter Stirn und gerümpfter Nase begegnet. Gleichwohl schrieben auch Autoren von Weltruhm Romane, die nach heutigen Maßstäben eindeutig zur Fantasy zählen. Etwa Mark Twains satirischer Zeitreiseroman Ein Yankee am Hofe des König Artus oder Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray.

Nachkriegszeit

Zunehmend wurden die phantastischen Elemente in den Veröffentlichungen prominenter. Sie erlangten eindeutig auch literarische Qualität, etwa der wohl prominteste Vertreter überhaupt, Tolkiens 1954/55 erschienener Roman Der Herr der Ringe – auch wenn das von Phantastik-Skeptikern weiterhin stur als rühmliche Ausnahme bezeichnet wird 🙂 .

In Deutschland löste Michael Ende in den 70er Jahren mit Die unendliche Geschichte einen Fantasy-Boom aus. International geprägt wird aktuell das Genre von der Twilight Saga von Stephanie Meyers, George R.R. Martins Reihe Song of Ice and Fire (v.a. durch deren HBO-Verfilmung Game of Thrones) und natürlich J.K. Rowlings Harry Potter, der in diesen Tagen sein 20jähriges Jubiläum feiert.
Was literaturhistorisch Fantasy ist und was nicht, ist unserer Ansicht nach schwer zu beurteilen.
Es kommt darauf an, ob man die Frage vorwärts oder rückwärts betrachtet angeht. Denn nach den heute weitgehend übereinstimmend anerkannten Fantasymerkmalen sind all diese Bücher fraglos prominente Genrevertreter. Zu ihrer Zeit jedoch gab es diese Einordnung noch nicht, oder jedenfalls nicht als eigenständiges Genre. Lewis Carroll z.B. hätte daher mit diesem Begriff nichts anfangen können.

Genre-Mixes und Cross-Genre

Häufig wird in einen Fantasyrahmen ein Abenteuerroman eingebettet, oft steht auch die Entwicklung des Helden im Vordergrund, so dass oft Parallelen zum Bildungs- oder Entwicklungsroman feststellbar sind. Unter dem Begriff Romantasy schließlich werden Liebesromane geführt, die mit fantastischen Elementen verziert sind, häufig auch der Liebe zwischen verschiedenen Völkern. Je nach Grundstimmung spricht man dann auch von Dark Fantasy oder Dark Romantasy.

Sicher ist, dass das Genre viele Überschneidungen mit der Science Fiction hat, weshalb sie oft auch zusammengefasst katalogisiert werden.Gehässige Zungen behaupten – aber nur wenn sie in der Mehrheit gegenüber Science Fiction-Liebhabern sind – dass SF nichts anderes sei, als eine technische Spielart der Fantasy. Auch Horror bedient sich oft derselben Elemente, sodass dort die Grenzen speziell zwischen Dark Fantasy und Gruselromanen oder Gothic Novels verschwimmen. Literaturwissenschaftlich korrekt müsste man sagen, Fantasy bedient sich sehr häufig der Motive, die man Märchen, Sagen und Legenden kennt. Stellt man auf den Inhalt und die Kennzeichen ab, wären diese eher Subgenres, da sie von fantastischen Begebenheiten erzählen.

 

Subgenres der Fantasy

Generell ist es ja schon schwierig, eine Geschichte in eine Schublade zu stecken. Aber innerhalb dieser Schublade dann noch Unterfächer und Schächtelchen einzuziehen, die für noch mehr Überblick und Ordnung sorgen sollen, klappt nach unserer Erfahrung im Bücherregal wie auch im Kleiderschrank einfach nicht. Auch wenn IKEA in seiner Werbung Optimisten etwas anderes vermittelt. Deshalb beschränken wir uns in der Skoutz-Datenbank auch bewusst auf einige wenige Subgenres, die eine grobe Einteilung ermöglicht, ohne zu kompliziert zu werden. Sozusagen Sommer- und Winterkleidung.

Skoutz hat sich daher auf die Genres High und Urban Fantasy, Zeitreise und Tierfantasy festgelegt. Trotzdem ist es natürlich interessant, auch einmal zu sehen, welche Subgenres es noch gibt. Dies vermittelt nämlich eindrucksvoll, wie wundervoll farbenfroh und fantasievoll Fantasy doch ist.

  • High Fantasy
    Hier ist Geschichte in einer fiktiven Fantasywelt angesiedelt, oft in mittelalterlicher Prägung und zumeist episch angelegt und mit Magie als gesellschaftsprägendes Element.
    Beispiele: Der Herr der Ringe von J.R.R. Tolkien, Das Rad der Zeit von Robert Jordan, Die Zwerge von Markus Heitz.
  • Low Fantasy
    wird oft auch Sword & Sorcery genannt, vereinfacht ausgedrückt, schmutzige High Fantasy mit mehr Kampf und weniger Magie.
    Beispiele: Conan von Robert E. Howard
  • Urban Fantasy
    auch Contemporary Fantasy, zeichnet sich durch einen klaren Bezug zur Realität aus. Das heißt, in unserer Welt, wie wir sie kennen, treffen die Protagonisten auf fantastische Elemente wie Vampire oder übersinnliche Fähigkeiten.
    Beispiele: Harry Potter von J.K. Rowling, Bartimäus von Jonathan Stroud, Percy Jackson von Rick Riordan.
  • Portal Fantasy
    bei der man durch ein Portal aus unserer Welt in eine fiktive Welt wechselt. Nach unserer Auffassung ist das je nach Schwerpunkt der Handlung entweder High Fantasy (mehr fremde Welt) oder Urban Fantasy (mehr diese Welt), aber man kann hier sehr gut  auch ein eigenes Subgenre vertreten.
    Beispiele: Alice im Wunderland von Lewis Carroll, Die Chroniken von Narnia von C.S. Lewis, Die unendliche Geschichte von Michael Ende
  • Kunstmärchen
    Märchenromane, bei denen mit den Stilmitteln des Märchens eigene Geschichten erzählt oder klassische Sagen- und Märchenmotive adaptiert und uminterpretiert werden.
    z.B. Der Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum, Stein und Flöte von Hans Bemmann, Aschenkindel von Holy Summer
  • Zeitreise Fantasy
    eng verwandt mit der Portal Fantasy kann man hier mittels Magie oder übersinnlicher Fähigkeiten (bei Technik könnte man darüber nachdenken, das zur Science Fiction zuzuordnen – ihr seht, es ist kompliziert!) Zeitsprünge machen.
    Beispiele: Feuer und Stein von Diana Gabaldon (Highlander Saga), Edelstein Trilogie von Kerstin Gier
  • Tier Fantasy
    Geschichten aus einer Tiergesellschaft oder mit vermenschlichten Tieren als Heldenfiguren
    Beispiele:. Watership Down von Richard Adams, Felidae von Akif Prinici, Warrior Cats von Erin Hunter, Die Farm der Tiere von George Orwell
  • Dark Fantasy
    dem Horror zugewandtes Subgenre, in dem regelmäßig auch Erotik eine Rolle spielt. Skoutz würde hier je nach Art der fantastischen Elemente eine Cross-Genre Einteilung vornehmen: Fantasy und Horror.
    Beispiele: Die schwarzen Juwelen von Anne Bishop, Der Dunkle Turm von Stephen King.
  • Funny Fantasy
    Parodistischer oder ironischer Umgang mit Fantasymotiven, weshalb Skoutz hier von Cross-Genre spräche (Fantasy und Humor)
    Beispiele: Der Zamonien-Zyklus von Walter Moers, Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett, Dämonen-Reihe von Robert Asprin
  • Romantasy
    Fantasy-Romane, deren Plot von einer Liebesgeschichte getragen wird, wobei hier meist Urban Fantasy-Romane gemeint werden.
    Beispiele: Twilight-Reihe von Stephanie Meyers
  • Historical Fantasy
    Das sind historische Romane, angereichert mit fantastischen Elementen. Hier fällt der Bezug zur Alternativen Geschichte, einem historischen Subgenre, das mit der Frage “was wäre, wenn” spielt, oft schwer. Wir arbeiten wieder mit Cross-Genre (Fantasy und Historisch)
    Beispiele: Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley, Temeraire-Zyklus von Naomi Novik, Schwarze Nebel von Michael Chrichton, Dr. Faustus-Trilogie von Kai Meyer.

Wer mag, kann sich in der Rubrik “Skoutz-Classics” unsere Allstar-Liste mit den 75 besten Fantasyromanen aller Zeiten ansehen.

 

Bonuswissen (Klugscheißmodus)

Ihren Namen verdankt die fantastische Literatur übrigens einem Übersetzungsfehler, der dadurch entstanden sein soll, dass E.T.A Hoffmanns „Fantasiestücke in Callots Manier“ 1814 als „Contes fantastiques“ ins Französische übersetzt wurden, statt richtigerweise als „Contes de la fantaisie”.

Neben der Literatur spielt die Phantastik vor allem im Film eine Rolle, sowie sehr stark prägend auch im Spielesektor von Brett- über Computer und Onlinespiele bis hin zu den verschiedenen Ausprägungen des Rollenspiels (Pen & Paper, aber auch LARP).

Kritiker werfen dem Genre zudem einen Hang zum Eskapismus vor. Gemeint ist der Versuch, eine simple Welt zu beschreiben und Probleme zu vereinfachen, auszublenden oder zu verdrängen. Dies ist natürlich oftmals richtig, nicht umsonst sind Bücher Orte, wo man hinkann, wenn man nicht wegkann. Aber seit jeher thematisiert Fantasy auch aktuelle Fragen wie Krieg, Verfolgung, Ungerechtigkeit oder Extremismus – nur eben in einem abstrakten Umfeld. Eines der berühmtesten Beispiele dürfte Orwells Farm der Tiere sein.

Großmeister Tolkien selbst bezeichnete diese Realitätsflucht als wesentlichen Teil der High Fantasy: Neben dem Wecken der Fantasie geht es für ihn auch um Erholung (Recovery). Dies erreicht man durch Flucht (“Escape”) und den damit gewährten Trost (“Consolation”). Tolkien sieht eine der wichtigsten Funktion der Fantasy darin, dass sie dem Menschen die Möglichkeit zur Erfüllung seiner Sehnsüchte, einem im mythischen Denken begründeten Zustand der Verzauberung bietet. Eine solche Welt zu kreieren erforderte nach Tolkiens Meinung mehr Geschick und Einblicke als einen Roman über tatsächliche Ereignisse zu verfassen. High Fantasy (er sprach hier von echter Fantasie) sei eine sehr anspruchsvolle Form der Kunst, die ein hohes Maß an Präzision und Vorstellungsvermögen verlange. Je vollendeter sie ist, desto mehr Ehrfurcht und Verwunderung ruft sie hervor. Und zwar nicht nur für die Sekundärwelt, sondern ebenso für die Primärwelt, für die ein dem Vergleich zugänglicher Gegenentwurf geschaffen wird.

J. R. R. Tolkien: On Fairy Stories, 1937

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