Skoutz-Sprachlabor: weiterhin ungeliebt, der Buchstaben-Drilling

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Sprache ist ja immer irgendwie auch eine Gefühlssache, des ästhetischen Empfindens. Das merkt man im Alltag an vielen kleinen Dingen und das ist auch gut so, denn dadurch bleibt sie lebendig und Ausdruck unserer Identität. Da helfen auch diktatorisch angeordnete Rechtschreibreformen nur bedingt, denn z. B. die 1996 gewünschte Anpassung der Schreibweise von Fremdwörtern an ihre Aussprache (“Majonäse” statt “Mayonnaise”) wurde aufgrund beharrlicher Verweigerung des Volkes 2016 offiziell wieder aufgehoben. Sprachschatz erfolgreich verteidigt.

Ähnlich verhält es sich bei dem Zusammentreffen von drei gleichen Buchstaben. Da haben auch bis heute die meisten Schreibenden noch Hemmungen den Buchstaben-Drilling zuzulassen, einfach weil es – so eine nicht repräsentative Umfrage in der Skoutz-Gruppe – “blöd ausschaut”. Tatsächlich wurde in alter Zeit der Drilling in den Schatten gedrängt, weil mit einer Doppelung hinreichend deutlich gemacht worden sei, wie ein Wort ausgesprochen werden muss.

Gleichwohl haben wir die Drillinge einmal ins Skoutz-Sprachlabor gebeten und den richtigen, dudenkonformen Umgang mit ihnen untersucht:

Der richtige Umgang mit einem Buchstaben-Drilling

Seit der Rechtschreibreform gelten auch Drillinge als gleichberechtigt, das soll heißen, bei der Zusammenschreibung darf keiner der drei Buchstaben entfallen. Ohne Ausnahme, völlig egal, wie das dann aussieht. Man spricht in diesem Kontext von “Stammprinzip”, wonach Kombinationsbegriffe aus den unveränderten Wortstämmen gebildet werden.

  • grifffeste Brennnesseln
  • stickstofffreie Schifffahrt
  • seerfahrene Schimmmeister
  • helllila gewandete Balletttruppe
  • nussschokoladeverschmiertes Betttuch

Selbst in der Tierwelt macht das Triple nicht halt und so haben wir nun Seeelefanten und Schneeeulen. Meist sind es eher seltener gebräuchliche Begriffe wie Flanelllappen oder Flusssand. Aber auch durchaus alltägliche Wörter wie Missstand, Pappplakat und Fitnessstudio sind betroffen. Wobei diese auch nach alter Schreibweise schon ein Buchstaben-Drilling waren, da auf ihn ein Konsonant folgt.

Drei abgezählte Ausnahmen gibt es trotzdem (da wäre dann der dritte Buchstabe sogar explizit falsch!):

Dennoch gibt es bei einem Drittel Mittag keine Dritten!

Immerhin kann bei zusammengesetzten Worten (und uns ist keines eingefallen, wo drei Buchstaben originär aufeinandertreffen!) zur besseren Lesbarkeit ein kompromissbereiter Bindestrich gesetzt werden:

  • Teeei oder Tee-Ei
  • Kaffeeersatz oder Kaffee-Ersatz
  • Kunststoffflasche oder Kunststoff-Flasche
  • Kongressstadt oder Kongress-Stadt
  • Geschirrreiniger oder Geschirr-Reiniger
  • Kennnummer oder Kenn-Nummer
  • Zolllager oder Zoll-Lager
Allerdings rät der Duden bei Kombinationen mit Adjektiven und Partizipien von der (aber trotzdem geduldeten) Bindestrichschreibung ab:

  • schnelllebig (besser nicht: schnell-lebig)
  • fetttriefend (besser nicht: Fett-triefend)
  • helllila (besser nicht: hell-lila)

Insgesamt kann man also sagen, dass der Buchstaben-Drilling bis auf drei Ausnahmen zu dulden ist. Man darf ihn immer mit einem Bindestrich von seinen Geschwistern trennen, aber der Duden präferiert ausdrücklich die zusammengeschriebene Form. Wer also auf der sicheren und meckerfreien Seite sein will, der schreibt drei Buchstaben zusammen.

Allgemeine Hinweise zur Rechtschreibung hier.

Hinweis: Auch wenn wir hier versuchen, die amtlichen Rechtschreibregeln nachvollziehbar darzustellen, sind wir selbst nicht vor Fehlern gefeit.

 

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