Skoutz-Classics: Die Verwandlung – surrealistische Horrorerzählung von Franz Kafka

Die Verwandlung hat Franz Kafka 1912 geschrieben und 1915 veröffentlicht. Sie ist mit gut 70 Seiten die längste zu seinen Lebzeiten veröffentlichten Erzählungen, die unbestritten heute aufgrund ihrer Vieldeutigkeit trotz der klaren schnörkellosen Sprache zu  einem Stück Weltliteratur zählt. Die Geschichte selbst handelt vom frustrierten Workaholic Gregor Samsa, der nach seiner Verwandlung in einen Käfer von seiner Umwelt abgelehnt und isoliert wird.

 

Um was geht’s in der Verwandlung?

Titel der Originalausgabe (Wikipedia)

“Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.”So beginnt die weltberühmte Geschichte.

Anfangs hält Gregor diese Verwandlung für einen schlechten Scherz und versucht sie zu ignorieren. Hilflos stellt er jedoch fest, dass es real ist, was ihm da geschieht und will verstehen, wie es dazu kommen konnte. Er erkennt sein tristes Leben und ist frustriert. Gefangen in seinem, ihn völlig vereinahmenden Beruf, mit dem er seine Eltern und Schwester ernähren muss und stellt er fest, dass er sonst eigentlich nichts im Leben hat.

Während er schon vorher die Wärme in der Familie vermisst, ist er nun als Käfer vollkommen kommunikationsunfähig und isoliert. Während die Familie versucht, die durch Gregors Arbeitsunfähigkeit entstandenen Probleme zu lösen, kümmert sich einzig seine Schwester auch um ihn und seine Bedürfnisse. Doch je offensichtlicher wird, dass Gregor in seiner Käfergestalt bleibt, desto mehr zieht auch sie sich zurück. An der Erkenntnis, dass er für alle nur noch eine Last ist, zerbricht Gregor schließlich.

 

Wie fanden wir die Verwandlung?

Immer werden Kafkas Erzählungen und Romane in einen biographischen Kontext gestellt. Auch hier ist die Ähnlichkeit zur von Gregor Samsas ursprünglichen Leben und dem von Franz Kafka offensichtlich. Aber wenn man die Geschichte auf den Versuch eines Versicherungsangestellten, der sich seinen Berufsfrust von der Seele schreibt, reduziert, wird man ihr nicht gerecht. Autobiografische Elemente sind in Geschichten nicht ungewöhnlich, ja womöglich sogar unvermeidbar. Von daher sollte man die Erzählung einfach für sich wirken lassen.

Und dann ist der Alltagshorror, der in der Verwandlung steckt, einzigartig und zeitlos. Mehr noch, vielleicht ist er in unserer leistungsoptimierten, von Effizienz und Selbstoptimierung getriebenen Zeit sogar moderner denn je. Die Reduzierung von Gregor auf seinen Nutzen für die Familie ist erschreckend. Die Kälte mit der er nach seiner Verwandlung ausgegrenzt, körperlich wie seelisch verletzt wird, verleiht dem Begriff Einsamkeit eine neue erschreckend greifbare Dimension. Und so ist der Tod am Ende nicht nur logische Konsequenz, sondern vielleicht sogar Erlösung.

Unbestritten zählt die Verwandlung zur Weltliteratur und wird oft auch als Horror-Erzählung bezeichnet. Dank dem Außergewöhnlichen, das ohne auch nur den Versuch einer Erklärung zum Alltag wird, zählt die Verwandlung zum Meilenstein auch der (Urban) Fantasy.

 

Wem verdanken wir die Verwandlung?

Der 1883 in Prag geborene Franz Kafka gehört zu den wenigen Autoren, die es mit “kafkaesk” zu einem eigenen Modewort gebracht haben. Tatsächlich aber verlief das Leben des früh an unheilbarer Tuberkolose erkrankten Mannes eher freudlos. Das Verhältnis zu seiner Familie war schwierig, Freunde hatte er nicht viele und mit seiner Anstellung in einer Versicherung kam er gerade so über die Runden. Seine Geschichten schrieb er in seiner Freizeit und auch wenn sie heute zu den einflussreichsten Texten des letzten Jahrhunderts zählen, fand er zu Lebzeiten kaum Leser. Seine Bedeutung und sein vielfach verstörendes Werk verdanken wir seinem guten Freund Max Brod, der sich nach seinem Tod über Kafkas Wunsch, all seine unveröffentlichten Texte restlos zu verbrennen, hinweggesetzt hatte.

 

Hier gibt es die Verwandlung:

 

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