Skoutz-Classics: Das Bildnis des Dorian Gray – Entwicklungsroman der anderen Art von Oscar Wilde

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Oscar Wildes einziger (!) Roman ist bei genauerer Betrachtung, Fantasy, die Weltruhm erlangte. Die Geschichte erzählt vom ebenso reichen und schönen Dorian Gray, der ein (magisches) Porträt besitzt, das für ihn die Spuren seines Lebens aufnimmt, mit fatalen Folgen für Dorians Charakterentwicklung.

 

Um was geht’s in Das Bildnis des Dorian Gray?

Oscar Wildes Dorian Gray ist eine der berühmtesten Figuren der Weltliteratur: So staunenswert schön er ist, so unverdorben und naiv ist zunächst sein Blick auf die Welt. Doch als er sich seiner eigenen Vergänglichkeit bewusst wird, schließt er einen Pakt mit dunklen Mächten. Fortan muss nicht er die Spuren seines Lebens tragen, sondern sein Portrait. Verführt durch den geistreichen Zyniker Lord Wotton, stürzt Dorian sich – frei von allen Konsequenzen – haltlos ins lüsterne Londoner Nachtleben. Doch Dorians unbedachter Pakt mit dunklen Mächten hat grausame Folgen …

Wie fanden wir Das Bildnis des Dorian Gray?

Oscar Wilde zählt aus guten Gründen zu den ganz großen seiner Zunft. Sprachlich zeitlos elegant zeichnet er die Charaktere und ihre Entwicklung präzise und detailliert. Wie aus dem Traumtypen Dorian Gray nach und nach ein kaum in Worte zu fassender Widerling wird, ist ebenso genial wie horrormäßig logisch beschrieben und beschäftigt den Leser auch noch lange nach dem Ende der Lektüre. Dies auch, weil Dorians Begleiter, sein kunstsinniger Freund Basil und der zynische Lord Henry etwa, die Geschichte so unfassbar gut vorantreiben. Die Geschichte zwischen Kunst und Wirklichkeit, Schönheit, Heuchelei und Moral ist in Zeiten von Botox-Partys und Anti-Aging-Wahn so aktuell wie damals. Das macht es so faszinierend, Dorian Gray auf sich wirken zu lassen, einmal als Leser der heutigen Zeit und einmal rückwärtsgerichtet auf den historischen Kontext, in dem das Buch entstand.

Nach dem Erscheinen der Erstfassung wurde der Roman, der heute zu den Klassikern der Moderne zählt, als unmoralisch, ja skandalös empfunden. Wilde antwortete den Kritikern in seinem Vorwort zur Buchfassung:

“So etwas wie ein moralisches oder ein unmoralisches Buch gibt es nicht. Bücher sind entweder gut oder schlecht geschrieben. Das ist alles.”

Das Bildnis des Dorian Gray bedient sich eindeutig fantastischer Elemente, die es in die Nähe des Horrors rückt. Es zeigt aber auch, wie gerade in intoleranten und prüden Zeiten wie dem viktorianischen Zeitalter, Fantasy ein Tor zu Gesellschaftskritik ist, die anders nicht akzeptiert werden würde. Das fantastische Genre bedient Oscar Wilde übrigens auch mit seiner nicht minder berühmten Erzählung “Das Gespenst von Canterville”.

 

Wem verdanken wir Das Bildnis des Dorian Gray?

Oscar Wilde wurde 1854 als Sohn wohlhabender und künstlerisch sehr interessierter Eltern in Dublin geboren, wo er auch aufwuchs und erfolgreich am renommierten Trinity College klassische Literatur studierte. Von dort zog er nach London, wo er schnell Anschluss in den künstlerischen Salons jener Zeit fand und mit Gedichten und Theaterstücken von sich reden machte. Sein erstes Stück, “Vera; or the Nihilists” , veröffentlichte er 1880 als Self-Publisher im Privatdruck.

Zu seiner Zeit als Schriftsteller bewundert, war Wilde im prüden viktorianischen Großbritannien zugleich als Skandalautor und Dandy verschrien. Er war berühmt für seine Sprachgewandtheit und sein extravagantes Auftreten, durch das er z.B. mit seiner ungewöhnlichen Bekleidung (z. B. samtene Kniehosen und Seidenstrümpfe) willentlich und wissentlich provozierte.

Die im Buch thematisierte homosexuelle Beziehung zwischen Dorian und Basil wurde in dem aufsehenerregenden Prozess gegen Oscar Wilde wegen Unzuchts als Beweismittel herangezogen. Der Prozess endete mit einer Verurteilung zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit für Wilde. Danach konnte er in London nicht mehr Fuß fassen und kam auch nicht mehr zu Kräften. Er starb am 30. November 1900 völlig verarmt in Paris in Begleitung seines Freundes und Geliebten im Alter von nur 46 Jahren.

Bis heute bedient Oscar Wilde das Klischee von schwulen Männern, den man gerne einen extravaganten nachsagt, Wortgewandtheit, einen ausgeprägten Humor mit Hang zur Selbstironie sowie Begeisterung für Schönes, wie Inneneinrichtung und Kleidung … Alles Attribute, die damals wie heute für viele als Indiz für Homosexualität gelten.

 

Hier gibt es Das Bildnis des Dorian Gray:

  • Das Bildnis des Dorian Gray, als deutsche Übersetzung bei Projekt Gutenberg
  • Das Bildnis des Dorian Gray (deutsch) als Librivox-Hörbuch
  • The Picture of Dorian Gray (1890 Edition & Critical Edition, englischsprachig) auf der Seite der University of Victoria
  • Online Version (englische Fassung) von The Picture of Dorian Gray bei Bibliomania.

 

 

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