Shortlist Horror: Vertusa von Moe Teratos

Vertusa Moe Teratos

Unser Jury-Mitglied Simon Geraedts hat aus der Vielzahl eurer Einsendungen zur Horror Longlist 2017 zunächst 12 Titel ausgewählt, die es auf unsere Midlist geschafft haben.  Durch diese 12 Titel hat er sich dann gelesen und gemeinsam mit den anderen Juroren und den Lesern die schwere Entscheidung getroffen und sich für drei der Titel entschieden, die dann letztlich unsere Shortlist Horror 2017 gebildet haben.

Einer dieser drei Titel Vertusa von Moe Teratos.

Der Debüt Roman wurde im November 2016 von der Autorin selbst veröffentlicht und hat es nun bis in unsere Shortlist geschafft. Wir haben euch das Buch bereits in der Auswahl der Midlist vorgestellt und besprochen. Wer es verpasst hat, kann hier noch schnell weiterlesen.

Selbstverständlich sind wir schnurstracks zum Interview mit Moe Teratos geeilt und haben sie für Euch mit unseren Fragen gelöchert.

Wie alle Shortlist-Titel haben wir auch Vertusa von Moe Teratos noch einmal aus dem Skoutz-Buchregal genommen, damit der Juror selbst das Buch für euch bespricht.

Eine Aufgabe, der Simon Geraedts gerne nachgekommen ist:

Simon Geraedts über Vertusa von Moe Teratos:

Moe Teratos greift zunächst den klassischen Zombie-Plot auf: Ein Virus – nach seinem Entdecker Vertusa benannt – hat die meisten Menschen und Tiere in blutrünstige Bestien verwandelt. Mit einem unstillbaren Hunger und geschärften Sinnen streifen die Untoten in einer postapokalyptischen Welt umher.

Die wenigen Überlebenden hausen hinter hohen Mauern in Kolonien und hoffen auf ein Wunder, das schließlich in Gestalt einer immunen Frau in Erscheinung tritt. Charlie erhält den Auftrag, sie von Duisburg in die medizinisch besser ausgestattete Siedlung nach Köln zu bringen. Mit ihrer Hilfe soll ein Serum gegen das Virus entwickelt werden. Die hautlosen und blutverschmierten Kreaturen sind nicht die größten Gefahren, denen Charlie und seine Begleiter auf dem Weg nach Köln begegnen.

Das Besondere an Vertusa von Moe Teratos

Auch wenn die Autorin sich bekannter Handlungselemente und Stilmittel bedient, wird schon nach wenigen Seiten deutlich, dass „Vertusa“ kein gewöhnlicher Zombie-Horror ist. Die Genre-Erwartungen werden mit Splatter und blutigem Gemetzel zwar erfüllt, doch im Mittelpunkt des Romans steht die (Un-) Menschlichkeit. Moe Teratos zeigt auf eindrucksvolle und zugleich bedrückende Weise, dass Habgier, Rachsucht, Grausamkeit und Eigennutz auch dann bestehenbleiben, wenn die Menschheit einer alles vernichtenden Bedrohung gegenübersteht. In einer Gesellschaft ohne Gewaltenteilung ist sich jeder selbst der Nächste, und die wenigen, die noch einen Rest an Menschlichkeit besitzen, hinterfragen den Sinn des Überlebens in einer solchen Welt.

Während die Menschen einander betrügen, hintergehen und bekriegen, zeigen die vom Virus befallenen Tiere einen artübergreifenden Altruismus: Vögel, die aufgrund ihres verlorenen Gefieders nicht mehr fliegen können, hocken auf den Köpfen fellloser Katzen. Ein infizierter Bär greift eine Patrouille an, nicht aber umherstreifende Löwen und Hunde, obwohl sie sich über denselben Kadaver hermachen. Eichhörnchen, Ratten und andere Nagetiere treten gemeinsam den Kampf gegen Soldaten an.

Dieser Zusammenhalt der Infizierten ist die mächtigste Waffe des Virus, der Schlüssel zu seiner rasanten und unaufhaltsamen Verbreitung. Hingegen ist der Zwiespalt unter den Menschen, ihr ständiges Misstrauen und der scheinbar angeborene Drang, sich selbst zu zerfleischen, ihr Untergang.

Nicht die gefräßigen Kreaturen jenseits der Mauern sind die Bestien, so die beklemmende Botschaft der Autorin. Es sind die Menschen, die sich bei jeder Gelegenheit selbst ausbeuten, anstatt sich an dem Glück zu erfreuen, am Leben zu sein – und mit vereinter Kraft dafür zu sorgen, dass dieses Glück noch länger währt.

Simon Gereadts Fazit:

„Vertusa“ ist eine straffe und gut durchdachte Geschichte, in der rückblickend alles unvermeidlich scheint und doch nichts vorhersehbar ist. Dank des geschliffenen Schreibstils fliegt man regelrecht durch die Kapitel und kann das Buch bis zum Ende kaum noch aus der Hand legen.

Nach einigen Stunden fieberhafter Spannung bleibt das Nachdenken über die menschlichen Abgründe, in die Moe Teratos den Leser blicken lässt und die erheblich bedrohlicher sind als die hungrigen Wesen in den Wäldern.

Das Buch in Zahlen:

Vertusa CoverVertusa

Autorin: Moe Teratos
Verlag: Selfpublisher
Format: Taschenbuch (E-Book)
Seiten: 246
Erschienen: November 2016
ISBN: 978-1539779636
Preis: 8,99€ (E-Book 2,99€)

Wer Lust bekommen hat, gleich loszulesen, kann das Buch hier bei Amazon oder auch überall im Buchhandel erwerben.

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