Shortlist Horror: Suicide Forest von Jeremy Bates

Suicide Forest Jeremy Bates

Unser Jury-Mitglied Simon Geraedts hat aus der Vielzahl eurer Einsendungen zur Longlist Anthologie 2017 zunächst 12 Titel ausgewählt, die es auf unsere Midlist Horror geschafft haben. Durch diese 12 Titel hat sie sich dann gelesen und gemeinsam mit den anderen Juroren und den Lesern die schwere Entscheidung getroffen und sich für drei der Titel entschieden, die dann letztlich unsere Shortlist Horror 2017 bilden.

Einer dieser drei Titel ist Suicide Forest von Jeremy Bates.

Bei Suicide Forest handelt es sich um einen gut 400 Seiten starken, im April 2016 im Luzifer-Verlag veröffentlichten Horrorroman, der sich halbdokumentarisch mit Aokighara Jukai, einem der unheimlichsten Orte dieses Planeten befasst. Wir haben euch das Buch bereits in der Auswahl der Midlist vorgestellt und besprochen. Wer es verpasst hat, kann hier noch schnell weiterlesen.

Jeremy Bates ist Bestseller-Autor von mehr als einem Dutzend Romanen und Novellen, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Er wurde sowohl mit dem australischen Shadow-Award als auch dem kanadischen Arthur-Ellis-Award ausgezeichnet.

Wie alle Shortlist-Titel haben wir auch Suicide Forest noch einmal aus dem Skoutz-Buchregal genommen, damit der Juror selbst das Buch für euch bespricht.

Eine Aufgabe, der Simon Geraedts gerne nachgekommen ist:

Simon Geraedts über Suicide Forest von Jeremy Bates:

„Suicide Forest“ handelt von einer Gruppe Reisender, die sich vorgenommen hat, den Vulkan Fuji nahe Tokio zu besteigen. Ein drohendes Unwetter macht den Aufstieg jedoch unmöglich, und so beschließt die Gruppe kurzerhand, stattdessen im Aokigahara Jukai, einem dicht bewachsenen Wald am Fuße des Berges zu zelten.
Davon versprechen sie sich einen ganz besonderen Nervenkitzel, denn der Wald ist auch als „Selbstmordwald“ bekannt: Seit den 1960er Jahren suchen jedes Jahr hunderte lebensmüder Japaner diesen abgeschiedenen Ort auf, um sich in ihm zu erhängen.
Nach anfänglichen Vorbehalten folgen die Abenteuerlustigen einem Pfad, der mit einem „Zutritt verboten“-Schild markiert ist und wünschen sich schon bald, sie hätten den berühmt-berüchtigten „Suicide Forest“ nie betreten.
Jeremy Bates gruselt den Leser nicht mit billiger Effekthascherei. Sein Horror ist tief-gründiger und subtiler. Die Angst entsteht in den Köpfen der Figuren, die sich mit ihrer wachsenden Unruhe gegenseitig anstecken und das beklemmende Gefühl der Ausweglosigkeit unmittelbar auf den Leser übertragen. Im Tageslicht ist der Aokigahara Jukai bereits schauderhaft, ein unwirtlicher Ort zum Gruseln. Doch bei Anbruch der Dunkelheit verwandelt sich der Wald in ein gespenstisches Schattenreich voller Schrecken.
Die antagonistische Kraft in diesem Roman ist die Suggestion. In der wachsenden Dunkelheit meint die Gruppe dämonische Fratzen in den Baumstämmen zu erkennen; die Baumkronen verwandeln sich scheinbar zu Greifarmen, die sich nach den Eindrinlingen ausstrecken. Weit nach Mitternacht sind seltsame Geräusche zu hören: Ein Rascheln und Knacken im Unterholz, ein Heulen in der Ferne, hastige Schritte.
Als mitten in der Nacht ein Mitglied der Gruppe verschwindet, das die anderen schließlich erhängt an einem Baum finden, ahnen sie, dass sie sich all das Grauen nicht bloß eingebildet haben: Denn der Tote war vieles, bloß nicht suizidgefährdet. Sie erkennen, dass das wahre Grauen noch vor ihnen liegt und der Selbstmordwald niemanden wieder loslässt, der einmal in seine Fänge geraten ist.
Mit einem kraftvollen und bildhaften Erzählstil lässt Bates den Leser gruselig-schöne Stunden erleben, die auch noch lange nachwirken, nachdem man das Buch zugeklappt hat. Rundum glaubhafte Figuren erwecken den Eindruck, man habe es mit einem auf Tatsachen beruhenden Protokoll des Schreckens zu tun. Sorgsam eingestreute Rückblenden erhellen die Vergangenheit des Ich-Erzählers derart authentisch, dass man ihn problemlos mit einem Menschen aus Fleisch und Blut verwechselt.
„Suicide Forest“ ist ein Horror-Roman der ganz besonderen Art, ein sprachlich und handwerklich grandioser Vertreter seines Genres, nach dem man sich einstweilen nicht mehr allein in ein dunkles Waldstück wagt.

 

Das Buch in Zahlen:

Suicide Forest

Autor: Jeremy Bates
Verlag: Luzifer
Format: Taschenbuch / E-Book
Seiten: 520
Erschienen: April 2016
ISBN: 978-3958351813
Preis: 13,95€ / 4,99€

Wer Lust bekommen hat, gleich loszulesen, kann das Buch hier bei Amazon oder auch überall im Buchhandel erwerben.

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