Shortlist Horror: Candygirl von Michael Merhi

Candygirl Michael Merhi

Unser Jury-Mitglied Simon Geraedts hat aus der Vielzahl eurer Einsendungen zur Horror Longlist 2017 zunächst 12 Titel ausgewählt, die es auf unsere Midlist geschafft haben.  Durch diese 12 Titel hat er sich dann gelesen und gemeinsam mit den anderen Juroren und den Lesern die schwere Entscheidung getroffen und sich für drei der Titel entschieden, die dann letztlich unsere Shortlist Horror 2017 gebildet haben.

Einer dieser drei Titel Candygirl von Michael Merhi.

Der Debüt Roman wurde im August 2016 bei Redrum Books Hardcore veröffentlicht. Wir von Skoutz haben euch das Buch bereits in der Auswahl der Midlist vorgestellt und besprochen. Wer es verpasst hat, kann hier noch schnell weiterlesen.

Selbstverständlich sind wir schnurstracks zum Interview mit Michael Merhi geeilt und haben ihn für Euch mit unseren Fragen gelöchert.

Wie alle Shortlist-Titel haben wir auch Candygirl von Michael Merhi noch einmal aus dem Skoutz-Buchregal genommen, damit der Juror selbst das Buch für euch bespricht.

Eine Aufgabe, der Simon Geraedts gerne nachgekommen ist:

Simon Geraedts über Candygirl von Michael Merhi:

Bobby ist kein schöner Mann. Genaugenommen ist er sogar hässlich wie die Nacht. Schon als Kind hatte er ein fettes Doppelkinn, das ihm bei seinen Mitschülern den Spitznamen „Schweineschwarte Bob“ eingebracht hat. Aber das Mobbing in der Schule gehört nicht zu den dunkelsten Kapiteln in Bobbys Kindheit: Der alkoholkranke Vater hat ihn regelmäßig geschlagen und missbraucht. Seine Mutter und die Geschwister sahen schweigend zu, wenn der alte Herr sich mal wieder „unter vier Augen“ mit Bobby unterhielt.
Irgendwann hat der Junge begriffen, dass niemand ihm helfen wird, auch nicht Gott, zu dem er anfangs noch gebetet hat. Daher beschloss er, sich selbst zu helfen. Bobby lernte, sich gegen seine Peiniger zu verteidigen, und nahm sich fortan alles, was er wollte. So wurde aus dem geschundenen Jungen ein skrupelloser Menschenhändler und Zuhälter, der kleine Mädchen in einem Waldbunker gefangenhält und zum Sex mit pädophilen Freiern zwingt.
Die zwölfjährige Candy alias „Candygirl“ gerät in Bobbys Fänge, nachdem sie schon von ihrer selbstsüchtigen und fettleibigen Mutter zwangsprostituiert wurde. Auf über 400 Seiten erlebt der Leser die Qualen der minderjährigen Prostituierten und ihre vage Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit.

Michael Merhi schildert die Vergewaltigungen derartig detailliert, dass das Lesen schwerfällt. Die ganze Zeit hofft man auf eine positive Wendung, einen Lichtblick, der jedoch – wie zumeist auch im echten Leben – ausbleibt.
Beim Horror-Genre kommen uns speichelnde Ungeheuer in den Sinn. Dämonen mit rot leuchtenden Augen, die in dunklen Wäldern hausen. Menschenfressende Bestien, Untote und Zombies. Merhi beschreibt in „Candygirl“ eine andere Art von Horror. Einen Horror, der ohne Übernatürliches auskommt: Den Horror der realen Welt. Wir können das Buch nicht einfach zuklappen und sagen: Das war schlimm, aber zum Glück ist alles bloß der Fantasie des Autors entsprungen. Bei „Candygirl“ wissen wir, dass dieser Horror wirklich existiert, und diese Authentizität macht diesen Roman zu einem so erschütternden Erlebnis.

Simon Geraedts Fazit:

Der Autor überspannt leider den Bogen an vielen Stellen. Natürlich will Merhi den Leser schockieren. Doch mit seitenlangen Beschreibungen brutalsten Kindesmissbrauchs schießt er meines Erachtens über das Ziel hinaus. Solche Passagen sind selbst für die hartgesottenste Leserschaft unzumutbar und dienen letztlich auch nicht dem Ziel, menschliche Grausamkeit zu illustrieren. Hier wäre weniger mehr gewesen, auch was die vulgäre Sprache betrifft.
Überhaupt fehlt dem Buch ein gründliches Lektorat. Durch den ganzen Text ziehen sich sprachliche, inhaltliche und formale Fehler, die das Lesen erschweren. Hinzu kommen verbesserungsfähige Schreibangewohnheiten wie der inflationäre Gebrauch von Auslassungszeichen (…) sowie die häufige Verwendung von GROSSBUCHSTABEN.
Viele Szenen – vor allem die Rückblenden – sind schlicht zu lang. Oftmals schildert der Autor das gleiche mit anderen Worten und erstickt die Spannung so im Keim.

Michael Merhi ist zweifellos ein talentierter Autor, der mit „Candygirl“ ein intensives und ambitioniertes Werk geschrieben hat. Doch aufgrund der genannten Schwächen konnte mich der Roman nicht ganz überzeugen. Allerdings ist der Skoutz-Award kein Juroren-, sondern in erster Linie ein Leserpreis. Die vielen Fünf-Sterne-Rezensionen auf Amazon zeigen, dass „Candygirl“ eine breite Leserschaft begeistern konnte, die sich an inhaltlichen, stilistischen und formalen Mängeln nicht so sehr stößt. Deshalb habe ich diesen Titel für die Midlist ausgewählt, und deshalb ist der Roman nun zurecht ins Finale eingezogen.

Das Buch in Zahlen:

Candygirl

Autor: Michael Merhi
Verlag: Redrum Books Hardcore
Format: Taschenbuch (E-Book)
Seiten: 434
Erschienen: August 2016
ISBN: 978-3959570107
Preis: 21,39€ (E-Book 4,99€)

Wer Lust bekommen hat, gleich loszulesen, kann Candygirl von Michael Merhi hier bei Amazon oder auch überall im Buchhandel erwerben.

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