Shortlist History: Aelia, die Kämpferin von Marion Johanning

Aelia, die Kämpferin von Marion Johanning (SLHi 16)

History3 IconAward Shortlist Silber IconOb sich der Kampf der Titel, die es als Vorschläge von der Longlist History  durch die strenge Auswahl von B.C. Bolt, der Oberhistorikerin unserer Jury, auf die Midlist History und von dort weiter auf die Shortlist geschafft haben, als historisch bezeichnen lässt, wissen wir im ersten Jahr natürlich noch nicht.

Aber auf alle Fälle war es spannend und die Entscheidung fiel erst im letzten Augenblick. Jetzt steht jedenfalls fest, welche 3 Bücher es ins Finale um den History-Skoutz 2016 geschafft haben, weil es ihnen gelungen ist, die Herzen der Leser und der Jury gleichermaßen zu begeistern.

 

Aelia, die Kämpferin von Marion Johanning ist eines davon.

Marion-Johanning-PortraitBei Aelia handelt es sich um ein 400 Seiten starken, im Dezember 2015 von der edition oberkassel veröffentlichten Historienroman aus der Antike. Er erzählt die Geschichte einer interessanten Frau, die ihr Weg durch das zerfallende Weströmische Reich bis an den Hof von Frankenkönig Chlodio führt.

Inzwischen war Kay Noa auch bei Marion Johanning zu Besuch und hat sich mit ihr darüber unterhalten, was ein Autor so auf der Straße und im Müll finden kann und wie viel davon er seinen Lesern mitgibt – und über Bücher natürlich auch (weiterlesen).

Wie alle anderen Bücher der Shortlist, haben wir auch Aelia noch einmal aus dem Skoutz-Regal geholt und unserer Oberhistorikerin B.C. Bolt vorgelegt, damit sie uns als Expertin etwas mehr über dieses Buch erzählt.

 

 

B.C. Bolt bespricht: Aelia, die Kämpferin von Marion Johanning

Aelia die KämpferinMein erster Eindruck

Die Autorin hat sich recht viel getraut – sie siedelt ihre Geschichte in einer Zeit an, in der viel passiert. Das Römische Reich liegt in den letzten Zügen, die Merowinger werfen ihre Schatten voraus. Die Welt wird umgebaut.

Genau diese Phase der Geschichte ist jedoch auch in Dokumenten und anderen Zeugnissen nicht so engmaschig dokumentiert, dass wir über Personen der damaligen Zeit wie beispielsweise über Luther oder die Pompadour berichten können. Das gibt der Autorin den Vorteil, die Welt ihres Romans mit einer gewissen Freiheit auszumalen und zu gestalten. Gleichzeitig ist der Schauplatz Trier eine gute Wahl, damit die Leser gewissermaßen das Bekannte im Unbekannten als Orientierungspunkt haben.

Die Geschichte

Aelia ist eine junge Frau – eher noch ein Mädchen – das zusammen mit anderen für Schaukämpfe ausgebildet wird. In ihnen zeigt sich noch die ganze dekadente Pracht des spätrömischen Reiches. Wer Geld hat, kann andere – weniger Glückliche – zum Vergnügen in den Kampf schicken… Und warum Gladiatoren, wenn man auch junge Mädchen verwenden kann? Es gibt ja reichlich unversorgte Waisen, die so unterkommen und einen Lebensunterhalt finden. Aelia neigt dazu, dem fetten Römer, der sie dafür trainieren lässt, tatsächlich dankbar zu sein, auch wenn die Ausbildung hart, die Strafen drakonisch sind.

Als ihre einzige Freundin verschwindet, versucht Aelia, sie zu finden, indem sie sich für einen echten Kampf auswählen lässt. Und damit verlassen wir die Welt der spätrömischen Genüsse und tauchen in die Lebenswelt am fränkischen Königshof. Dort kommt, wie kaum anders zu erwarten, die Liebesgeschichte zum Zuge. Wenn eine junge Römerin, die am Hof spionieren soll, sich in den Königssohn verliebt – nun, da geht es natürlich rund. Aber Aelia ist ja auch im übertragenen Sinne eine Kämpferin …

Der Reiz des Buchs

Die Autorin hat sich bemüht, den Lesern die geschichtlichen Hintergründe in einem Anhang zugänglich zu machen, was immer eine gute Idee ist, wenn die Zeit den wenigsten Lesern durch andere Romane vertraut sein dürfte. Doch genau das macht auch den Reiz eines solchen Buches aus und die Phase zwischen Antike und Frühmittelalter hat bisher nicht allzu viele Autoren zum Schreiben verlockt. Marion Johanning versteht es, diesen Anspruch – eine wenig beachtete Epoche zu beleuchten – und einen historischen Frauenroman zu schreiben, unter einen Hut zu bringen.

Aelia, ihre Protagonistin, ist die typische starke Frau, die Leser in historischen Romanen so gerne sehen. In ihrem Fall sogar eine buchstäbliche starke, muskelgestählte und entschlossene Frau. Der Nachteil ist dabei, dass Figuren wie der Königssohn gegen Aelia etwas blass bleiben. Aelia spielt sozusagen alle an die Wand.

Das wird aber kaum eine Leserin stören, denn Johanning bekommt ihren Roman rund und liefert damit ein Leseabenteuer für alle ab, die gerne historische Romane lesen, dabei aber vorher keine Geschichtsstunde absolvieren möchten.

 

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, könnt ihr Aelia, die Kämpferin von Marion Johanning hier bei Amazon beziehen.

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