Shortlist Anthologie: Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln von Christian Handel

Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln Christian Handel

 Unser Jury-Mitglied Jana Oltersdorff hat aus der Vielzahl eurer Einsendungen zur Longlist Anthologie 2017 zunächst 12 Titel ausgewählt, die es auf unsere Midlist Anthologie geschafft haben. Durch diese 12 Titel hat sie sich dann gelesen und gemeinsam mit den anderen Juroren und den Lesern die schwere Entscheidung getroffen und sich für drei der Titel entschieden, die dann letztlich unsere Shortlist Anthologie 2017 bilden.

Einer dieser drei Titel ist Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln von Christian Handel und er hat auf Award-Night im Walden tatsächlich den Preis abgeräumt und darf sich damit Anthologie-Skoutz 2017 nennen. Wir gratulieren.

Die Anthologie, die 18 zauberhafte Kurzgeschichten umfasst, und von Christian Handel herausgegeben wurde, erschien Ende 2016 im Hause des Drachenmond Verlags. Wir haben euch das Buch bereits in der Auswahl der Midlist vorgestellt und besprochen. Wer es verpasst hat, kann hier noch schnell weiterlesen.

Die Anthologie besteht aus Geschichten, für die sich sowohl mehrere deutsche als auch internationale Autoren und Autorinnen rund um Christian Handel versammelt haben. Der gebürtige Franke Christian Handel ist vielfältig aufgestellt: Redakteur, Lektor, Autor, Blogger. Unter seinem Online-Nickname Darkstar schreibt er auf seiner Homepage seit 2008 Blogartikel über Bücher, Filme, Hörbücher und vieles mehr… Schaut bei ihm vorbei!

Wie alle Shortlist-Titel haben wir auch Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln noch einmal aus dem Skoutz-Buchregal genommen, damit die Jurorin selbst das Buch für euch bespricht.

Eine Aufgabe, der Jana Oltersdorff gerne nachgekommen ist:

Jana Oltersdorff über Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln von Christian Handel:

Ich bin bei der gern diskutierten Streitfrage E-Book vs. Print normalerweise neutral und behaupte stets, dass es für mich nur auf den Inhalt – die Geschichte selbst – ankommt. Bei der Anthologie „Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln“ aus dem Drachenmond Verlag muss ich allerdings eine Ausnahme machen. Hier lohnt es sich absolut, das Buch in der gedruckten Form zu besitzen, denn es ist eine wahre Augenweide. Die ganze Gestaltung ist – wie der Inhalt selbst – märchenhaft schön!

Neben dem zauberhaften Cover, das allein schon Blickfang genug bietet, wurde das komplette Innenleben liebevoll und detailreich ausgestattet. Jede der 18 Geschichten wird mit einem kleinen Vorwort des Herausgebers und einer eigenen Illustration eingeführt, die das Kernthema der folgenden Geschichte schon einmal bildlich andeutet. Außerdem hat jede einzelne Seite im Buch einen kunstvollen Rahmen erhalten. Es macht einfach Spaß, durch das Buch zu blättern und sich die nächste Geschichte für den kleinen, feinen Lesegenuss zwischendurch herauszusuchen.

Ich mag Märchen, sie gehörten zu den ersten Geschichten, die ich alleine las, nachdem ich endlich lesen gelernt hatte. Zu meinen Lieblingsbüchern gehörten nicht nur die Hausmärchen der Gebrüder Grimm, sondern auch Sammelbände mit türkischen und russischen Volksmärchen und die Kunstmärchen von Andersen und Hauff. Seit ich zum ersten Mal selbst aus dem „Rotkäppchen“ eine düster-schaurige Neufassung machte, habe ich auch großen Gefallen an Märchenadaptionen, Neuinterpretationen und insbesondere Schauermärchen gefunden.

Das gefällt mir übrigens an der Anthologie „Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln“ so gut. Hier wurden nicht nur bekannte Grimm-Märchenstoffe neu interpretiert, es fanden sich auch Einflüsse aus den Märchen aus 1001 Nacht mit russischen oder ganz exotischen Quellen. Und darüber hinaus habe ich einige Märchen entdeckt, die wohl gar keine Vorlage oder Vorbilder hatten, sondern tatsächlich von ihren Autoren und Autorinnen ganz neu erschaffen wurden.

Ich habe übrigens nicht der Reihe nach gelesen, sondern mal dieses, mal jenes Märchen, bis ich irgendwann alle Beiträge gelesen habe – das hat sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten hingezogen. Deshalb verzichte ich hier auch darauf, auf jede einzelne Geschichte einzugehen, denn sie sind mir nicht alle gleichermaßen im Gedächtnis hängengeblieben. Einige aber schon, sogar recht viele, was natürlich für die Qualität der Geschichten spricht.

Als Fan gruseliger Geschichten sprachen mich vor allem die unheimlichen, düster gehaltenen Märchen in diesem Buch an. Besonders „Das knöcherne Mütterlein“ von Björn Springorum hat es mir angetan. Ich habe ja gar nicht mehr gewusst, was für eine gruselige Hexe die alte russische Baba Jaga war! Aber auch für Freunde romantischer Geschichten gibt es einiges zu entdecken, zum Beispiel „Das Rosenkind“ von Fabienne Siegmund oder „Schwanengesang“ von Nina Bellem. Tierisch wurde es in Tanja Kinkels Beitrag „Der Schneemann und die Ziege“ – das fand ich ganz zauberhaft. Und auch der Humor kommt in dieser Anthologie nicht zu kurz, wie man zum Beispiel bei der Lektüre von „Der Schuh der Dryade“ von T. Kingfisher feststellen darf, einer witzigen Aschenputtelversion mit einer ganz und gar untypischen Protagonistin und einigen Wendungen, die aus dem weltbekannten Märchen wieder eine ganz neue, originelle Geschichte machen.

Herausgeber Christian Handel, der auch ein eigenes Märchen zu dieser Sammlung beisteuerte, hat ein feines Händchen bei der Auswahl bewiesen und Geschichten zusammengetragen, die beweisen, dass die uralte Erzählform des Märchens noch lange nicht tot ist – im Gegenteil, sie ist lebendiger denn je und inspiriert Autoren aus aller Welt zu immer neuen Geschichten.

Diese Anthologie hat es völlig verdient bis auf die Shortlist zum Skoutz Award 2017 geschafft, und ich darf schon einmal anmerken, dass Fans sich auf eine Fortsetzung freuen dürfen: Die Märchensammlung „In Hexenwäldern und Feentürmen“ steht bereits in den Startlöchern und soll im Oktober 2017 erscheinen – erneut mit Christian Handel als Herausgeber und unter den Fittichen des Drachenmond Verlages.

 

Das Buch in Zahlen:

Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln

Autor: Christian Handel
Verlag: Drachenmond
Format: Taschenbuch / E-Book
Seiten: 400
Erschienen: Oktober 2016
ISBN: 978-3959911818
Preis: 14,90€ / 4,99€

Wer Lust bekommen hat, gleich loszulesen, kann das Buch hier bei Amazon oder auch überall im Buchhandel erwerben.

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