Nachruf: Skoutz trauert um Ursula K. Le Guin

Als wir gestern erfuhren, dass Ursula K. Le Guin im Alter von 88 Jahren gestorben ist, waren wir sehr traurig. Mit ihr ist eine der ganz Großen der fantastischen Zunft zu ihrer letzten Sternenreise aufgebrochen. Ein kühner Geist, der viele Jahre vor Harry Potter in ihrem weltberühmten Earthsea-Zyklus einen Zauberlehrling in den Kampf gegen das Böse geschickt hat. Ursula K. Le Guin hat auch selbst in ihren Werken (über 20 Romane, Kurzgeschichten, Kinderbücher und Gedichte) stets für das Gute oder wenigstens das Bessere plädiert.

Ihr Entwurf von fernen Welten hatte immer auch einen realen Bezug, ihre Bücher erzählten meist von der Suche nach Antworten auf Fragen von zeitloser Bedeutung, mit denen wir uns auch im Alltag zu befassen haben. Der feministische Bezug in einigen ihrer Werke beeinflusste nicht nur die Buchwelt nachhaltig; so etwa in “The left hand of darkness” (Die linke Hand der Dunkelheit, 1969), in der sie hart mit herkömmlichen Geschlechterrollen ins Gericht geht.

Ursula K. Le Guin – Leben

taken 11/8/13 in the EMU Ballroom, University of Oregon, by Jack Liu

Ursula K. Le Guin wurde 1929 in Berkeley, Kalifornien geboren. Durch ihre Eltern, die Autorin Theodara Kroeber und den Anthropologie-Professer Alfred Kroeber, wurde ihr die Liebe zu Büchern quasi in die Wiege gelegt. Die logische Folge war ein Studium der Literatur in Harvard, insbesondere italienische und französische Renaissance, das immer wieder auch in ihrem Werk (z.B. Malfrena) durchscheint.

1953 heiratete sie den Professor für Geschichte, Charles A. Le Guin, mit dem sie seit 1962 in Portland, Oregon, lebte und an der dortigen Universität auch unterrichtete.

Für ihr Werk, einzelne Bücher ebenso wie ihr Lebenswerk, erhielt Ursula K. Le Guin zahlreiche internationale Preise und wurde 2001 in die Science Fiction Hall of Fame aufgenommen. Und das, obwohl sie zu Beginn ihrer Karriere trotz starker Bemühungen und elterlicher Kontakte keinen Verlag für ihre Bücher fand.

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Ursula K. Le Guin – Werk

Im Vorwort einer ihrer Anthologien schrieb sie, es gäbe keine Botschaften in ihren Geschichten, schließlich seien sie keine Glückskekse. Das ist hübsch gesagt, aber definitiv nicht wahr. Wahr ist, dass sie ihr Anliegen nicht mit der Holzkeule in das Leserhirn trommelt, sondern ihre Bücher alle auch wunderbar erzählte Geschichten enthalten, die man nur um ihrer selbst willen lesen kann. Dann wird man in detailverliebt und komplex ausgestaltete Welten wie die von Erdsee entführt und bestens unterhalten. Aber damit, was ihre Protagonisten erleben, und wie sie ihre Aufgaben meistern, zeigt Ursula K. Le Guin eben auch Lösungsansätze (oder Kritikpunkte) auf, die auch in unserer Welt uneingeschränkt Gültigkeit haben.

„Geschichten sind unsere einzigen Boote, um auf dem Strom der Zeit zu segeln“, lässt sie eine ihrer Figuren schreiben und das ist richtig. Durch ihre Geschichten hat Ursula K. Le Guin Unsterblichkeit erreicht.
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Hainish-Zyklus – Science Fiction Klassiker von Ursula K. Le Guin

In diesem Zyklus wird die Geschichte der weltenreisenden Bewohner des Planeten Hain erzählt. Die Geschichte setzt etwa 400 Jahre in der Zukunft an und umfasst einen Zeitraum von mehr als 2.000 Jahren. Die einzelnen, in sich geschlossenen, Bände befassen sich jeweils mit dem Zusammentreffen der Hainish mit fremden Kulturen und die gegenseitigen Einflüsse, die daraus entstehen.

Skoutz meint: Auch wenn wir nicht alle Bände des Zyklus kennen, lässt sich über die bekannten sagen, dass selten intelligenter und verzahnter die Konsequenzen einer solchen Begegnung beschrieben wurden. In Roccannon’s World etwa ist der auf einem Planeten gestrandete Hainish Roccannon schockiert, wie gnadenlos die Unterdrückung der friedfertigen Ureinwohner vonstatten geht, und schließt sich dem Widerstand an. Dabei zeigt Ursula K. Le Guin auf, wie schwer Widerstand ist, wenn man selbst moralisch “sauber” bleiben möchte und wie sehr doch auch die Unterdrückten die Eroberer beeinflussen. Dass das Buch dazu – wohl aufgrund der Eindrücke des Vietnam-Kriegs – noch ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den Krieg ist, hat uns persönlich besonders gut gefallen.
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 Erdsee-Zyklus – Fantasy-Klassiker von Ursula K. Le Guin

So beginnt eines der grössten Abenteuer der Fantasy: Der junge Ged lebt als Sohn eines Bronzeschmieds auf der Insel Gont. Als seine Tante in dem Jungen ein kraftvolles magisches Talent entdeckt, verschlägt es ihn an die berühmte Zauberschule von Rok. Getrieben von seinem Widersacher übt sich Ged in der verbotenen Kunst: Er stellt eine Verbindung zum Totenreich her. Fortan gilt Ged als der größte Magier des Kontinents Erdsee. Doch durch seinen Zauber bringt er sich und seine Welt in größte Gefahr …

Skoutz meint: Ursula K. Le Guin hat lange vor J.K. Rowling oder Trudi Canavan die Abenteuer eines Zauberlehrlings beschrieben, der sich dem Bösen ebenso wie den Zwängen seiner Gesellschaft entgegenstellt und damit Dinge in Gang setzt, die er kaum noch beherrschen kann. Die sechsbändige Reihe hat nicht nur weltweit ein Millionenpublikum begeistert, sondern auch Generationen von Autoren maßgeblich beeinflusst. Wir haben ihr deshalb einen Eintrag in Skoutz-Classics gewidmet (Weiterlesen).

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Englische Website von Ursula K. Le Guin

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